Die Sorge, wie die Bauern im Aargau amdersweitig ihr Geld verdienen könnten, treibt auch die Abteilung Landwirtschaft der Regierung des Kantons Aargau um. Neben den Autobahnen, die nun mit Solar-Panels überdacht werden sollen, sollen gemäss einer kürzlich veröffentlichten Studie auch die Dächer der Bauernhöfe mit solchen Panels überzogen werden. Die Studie sieht dabei ein Potenzial von rund 65 Millionen auf den Dächern brach liegen. Bisher seien lediglich 10 Prozent des Potenzials genutzt worden.

20'000 Franken pro Hof

Auf die einzelnen Höfe verteilt würde daher eine Ausnutzung des Potentials 20‘000 Franken pro Jahr und Hof bedeuten. Doch Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, ist der Idee gegenüber zwar grundsätzlich positiv eingestellt, hat aber einige Vorbehalte und warnt vor allzu optimistischen Zahlen: «Die Rechnung ist ein Trugschluss». Er erklärt, dass die Idee der kostendeckenden Einspeisevergütung sei, die Anlagen zu kostendeckenden Preisen erstellen zu können und nicht mit 20‘000 Franken Gewinn. «Zudem gibt es zurzeit zu wenig Fördermittel, um die vielen schlummernden Projekte zu realisieren.» Deshalb brauche es ein klares Zeichen seitens der Politik, um den erneuerbaren Energien nun zum Durchbruch zu verhelfen.

Auch würde die Realisierung der Solaranlagen mehr oder weniger einer Umverteilung der Subventionen gleichkommen, wird doch der Strom aus erneuerbarer Energiequellen stark subventioniert. Dies in einem Masse, dass die Subventionen pro Kilowattstunde alleine die Kosten einer Kilowattstunde Atomstrom übersteigt. Folglich wäre es also keinesfalls so, dass die Bauern 20‘000 Franken mehr in der Tasche hätten als heute.

Es fehlen die Abnehmer

Grundsätzlich halte der Bauernverband «sehr viel» von der Idee, die Bauern als Stromproduzenten einzusetzen. «Nur haben wir momentan die Abnehmer nicht, obschon alle davon reden», so Bucher, «doch kann die kostendeckende Produktion ohne Fördermittel momentan nicht gewährleistet werden.» Nichtsdestotrotz ist Bucher optimistisch, geht er doch selbst mit mutigem Beispiel voran und hat ein Gesuch für eine Photovoltaikanlage für seinen Hof eingereicht.

Der Bauer als Auslaufmodell?

Doch muss man sich fragen: Der Bauer als Stromproduzent? Der Bauer als Nebenjobber? Ist der Bauer im Jahre 2011 ein Auslaufmodell? Gibt es den Bauer, der mit seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit alleine sich und seine Familie ernähren und seinen Hof instand halten kann, überhaupt noch? «Die Tendenz weg vom Mischbetrieb hin zum spezialisierten Unternehmen wird weiter anhalten», so Bucher. «Obwohl ich feststelle, dass die Bevölkerung dies nicht unbedingt will, sind die Umwälzungen in unserer Branche noch lange nicht beendet.»