Traubennetze

Die Rebbauern haben ein Herz für Vögel und Igel

Neue Netze wie hier in Remigen gefährden die Tiere nicht und schützen die Trauben besser.  Hans Lüthi

Neue Netze wie hier in Remigen gefährden die Tiere nicht und schützen die Trauben besser. Hans Lüthi

Der Branchenverband Aargau und die Fachstelle für Weinbau wollen Wildtiere schützen: Mit neuartigen Traubennetzen soll verhindert, dass sich darin Vögel verheddern und elendiglich zu Grunde gehen.

Nicht allein die Menschen und die Weinbauern haben die reifen Trauben zu dieser Jahreszeit sehr gern, auch viele Wildtiere wissen die süssen Früchte zu schätzen. Am meisten gefürchtet sind die Angriffe aus der Luft, wenn grosse Schwärme von Staren einfliegen, können die Vögel die Arbeit eines Jahres in wenigen Stunden auffressen.

Dagegen gibt es Abwehrmittel aller Art: Die ohrenbetäubenden Knallgeräte sind zum Glück mehrheitlich verschwunden und durch farbige Netze oder bewegliche Bändel ersetzt worden. Auch für viele weitere Wildtiere sind die Rebberge Teil ihres Lebensraums, selbst Rehe und Dachse, Füchse, Marder und Wildschweine können sich an den Trauben gütlich tun – und den Besitzern viele Kilogramm wegfressen.

Gefahr für Vögel und Igel

Die Rebbauern müssen zumutbare Verhütungen erst einmal selber vornehmen und erhalten für Ausfälle unter 100 Franken keine Entschädigungen. Die nötigen Massnahmen sind nicht konkret aufgeführt, ausser den Elektrozäunen in den Gebieten mit Wildschweinen. Gegen Rabenkrähe, Elster, Eichelhäher, Ringeltaube, Türkentaube, verwilderte Haustaube, Haussperlinge, Star und Amsel sind in Absprache mit der zuständigen Jagdgesellschaft die für die Jagd zulässigen Waffen, Munition und sonstige Hilfsmittel erlaubt.

In den eingezäunten Anlagen ist aber die Jagd ohne Bewilligung des Grundeigentümers verboten. Gut bewährt haben sich grossflächige Netze, die in Bahnen von mehreren Metern über die Rebstöcke gezogen werden. Mit einem grossen Nachteil: Bei nicht korrekter Montage werden sie zu tödlichen Fallen für Vögel, Igel und andere Kleinsäuger. Die Tiere verheddern sich im Netz und gehen elendiglich zugrunde. Das ist schlechte Werbung, wenn Tierschützer dahinterkommen, muss der Rebbauer mit einer Klage oder sogar mit einem Gerichtsverfahren rechnen.

Verband und Fachstelle reagieren

Bevor die Netze generell verboten werden oder die Weinbauern grossen Imageschaden erleiden, «haben wir Lösungen mit den relevanten Fachleuten diskutiert», sagt Rebbaukommissär Peter Rey. An einer Sitzung mit den Spitzen von Birdlife Aargau, Pro Igel Schweiz, dem Veterinärdienst Aargau und der Sektion Jagd und Fischerei präsentierten der Branchenverband Aargauer Wein und die Zentralstelle für Weinbau neue Lösungen. Die Initiative wurde bei den Tier- und Naturschützern gut aufgenommen. Für die Rebbauern gibt es ein Merkblatt, wie die Netze richtig anzubringen sind – straff gespannt und ohne lose Teile am Boden.

Durch die grossflächigen Farbnetze wird die Rebberg-Landschaft nicht verschönert, aber sie sind nur wenige Wochen vor der Ernte nötig und werden danach entfernt. Generell gilt, dass dunkle und scharfe Fäden sowie grosse Maschen für die Vögel am gefährlichsten sind. Gegen Starenschwärme und Standvögel bieten Netze allerdings auch den wirksamsten Schutz vor Verlusten.

Neue Netze lösen das Problem

Jetzt gibt es neue Seitennetze, die fast alle Probleme auf einen Schlag lösen: Sie werden nur noch im Bereich der Traubenzone angebracht, sind oben und unten verschlossen und je nach Produkt 60 bis 130 cm hoch an den Rebstöcken angebracht. «Sie bieten dank sehr enger Maschen auch einen ausgezeichneten Schutz gegen (späten) Hagel und gegen die Wespen», betont Peter Rey. Bei der auf Hochtouren laufenden Ernte 2011 haben die Wespen gewütet wie noch selten zuvor.

Die neuen Netze sind teilweise auch maschinell verlegbar. Die grossen Vögel können keine Traubenbeeren mehr fressen, die kleinen diese nicht mehr anpicken, was zur Fäulnis führen kann.

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