«Die Positivitätsrate ist viel zu hoch»

Noemi Lea Landolt
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Pandemie Testen, testen, testen! Der Appell ist klar. Aber er dringt offenbar nicht zur Bevölkerung durch, wie die Statistik zeigt. Im Kanton Aargau wurden letzte Woche 11197 Coronatests durchgeführt. Das sind leicht weniger als in der Vorwoche und über 2000 weniger als Anfang November, als sich mehr als 13000 Aargauerinnen und Aargauer testen liessen. Gleichzeitig hat der Anteil positiver Tests seit Anfang Oktober praktisch stetig zugenommen. Die Positivitätsrate lag letzte Woche bei 20,4 Prozent; 1,3 Prozent höher als in der Vorwoche. Jeder fünfte Test war positiv (siehe Tabelle). Schweizweit reduzierte sich der Anteil positiver Tests im Vergleich zur Vorwoche von 24,1 auf 20,8 Prozent. In besonders stark betroffenen Kantonen, zum Beispiel Freiburg, sank der Anteil positiver Tests von 37,8 Prozent auf 28,3 Prozent.

Dass die Positivitätsrate im Aargau steigt und sich gleich- zeitig weniger Leute testen lassen, beunruhigt Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spital­hygiene am Kantonsspital Aarau. «Die Kurven bewegen sich in die falsche Richtung. Die Positivitätsrate ist viel zu hoch.» Laut Weltgesundheitsorganisation gilt eine Pandemie als kontrollierbar, wenn der Anteil positiver Tests bei 5 Prozent liegt. Ist die Positivitätsrate höher, ist das ein Zeichen dafür, dass zu wenig getestet wird. Die Folge: Viele Ansteckungen werden nicht er-kannt und das Virus verbreitet sich immer weiter. «Unsere Freiheit kriegen wir aber nur zurück, wenn wir es schaffen, die Übertragungsketten schnell zu unterbinden», sagt Fux. Testen sei der Schlüssel dazu.

Leichte Symptome sind Grund genug für einen Test

Warum sich Leute nicht testen lassen, darüber kann er nur mutmassen. «Vielleicht wollen sie nicht schuld sein, dass Kolleginnen wegen ihnen in Quarantäne müssen.» Vielleicht seien sie auch einfach Corona-müde oder hielten es nicht für notwendig, wegen Halsweh oder Husten einen Test zu machen. «Dabei sind es oft Menschen mit leichten Symptomen, die das Virus weiterverbreiten», sagt Fux. In anderen Jahren konnten Halsweh oder Husten einfach als Erkältung abgetan werden, dieses Jahr kann es eben auch Corona sein. «Das müssen wir mit einem Test ausschliessen.»

Aktuell sieht Fux zwei Möglichkeiten: Entweder bleibe alles, wie es ist. «Damit akzeptieren wir viele zusätzliche Todesfälle – aber auch, dass nicht- dringliche Operationen warten müssen, weil die Spitäler nicht alle Eingriffe sofort durchführen können.» Die Alternative sei nicht zwingend ein Lockdown. Es sei nicht so, dass die Schutzmassnahmen in Restaurants, ­Kinos oder Geschäften versagten, sagt Fux. «Das Problem ist, dass die Schutzmassnahmen im privaten Bereich zu wenig eingehalten werden.» Er würde sich deshalb wünschen, dass jede und jeder selbstverantwortlich versucht, sich vorbildlich zu verhalten. «Im Gegenzug könnten dafür Kinos und Restaurants offen bleiben.»

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