Grosser Rat
Die Liebe führte sie in den Aargau

Neu im Grossen Rat ist Martina Sigg aus Schinznach-Dorf. Sie tritt die Nachfolge von Rainer Klöti an. Ein Portrait.

Mathias Küng
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Heute tritt der aargauische Grosse Rat nach einem Monat Herbstpause in Aarau wieder zusammen. Nebst Zusatzfinanzierungen zum Budget 2010 und vielen Vorstössen wird die neue Gesundheitspolitische Gesamtplanung (GGPl) viel zu reden geben. Und wie oft in letzter Zeit wird ein neues Ratsmitglied in Pflicht genommen. Heute ist es die FDP-Politikerin Martina Sigg aus Schinznach-Dorf. Sie erhielt bei den Grossratswahlen 2009 auf der Liste ihrer Partei im Bezirk Brugg am drittmeisten Stimmen und erreichte den ersten Ersatzplatz. Daraus wird jetzt ein Mandat, nachdem der Arzt Rainer Klöti aus Brugg aus Belastungsgründen seinen Sessel räumt. Es ist damit also eher Zufall, dass mit Sigg eine Frau nachrückt, die sich – als Apothekerin – wie Klöti sehr für die Gesundheitspolitik interessiert.

Heimat: Schaffhausen

Martina Siggs Dialekt erinnert noch etwas an ihre Herkunft aus dem Schaffhausischen. Die Liebe zu einem Aargauer Studienkollegen hat sie seinerzeit in den Aargau gebracht. Seit gut 20 Jahren wohnen sie und ihr Partner in Schinznach-Dorf, wo die beiden die Apotheke führen und im selben Haus wohnen. Hier fühlt sich Sigg längst daheim und verwurzelt. Als Grundmotivation für ihr neues Mandat bezeichnet sie ihren Wunsch, sich für die Gemeinschaft, für das Tal einzusetzen. Dieses und die Region, ja den ganzen Bezirk, will sie besser positionieren helfen.

Zweitens will sie sich in der Gesundheitsdebatte einbringen, in der derzeit so viel läuft. Ihr Credo: «Wir kommen im Gesundheitswesen nur weiter, wenn alle zusammenarbeiten und nicht Partikulärinteressen voranstellen.» Ihr sei bewusst, dass es nicht den grossen Befreiungsschlag gebe, um die Probleme zu lösen, sinniert Sigg. Voran kommen werde man nur, wenn man aufeinander zugehe und nicht Fronten aufbaue. Als neue Front empfindet sie aber die kommende Initiative der Ärzte für Selbstdispensation (Hausärzte wollen selbst Medikamente abgeben dürfen). Die Hausärzte, aber auch die Apotheken seien Teil der Grundversorgung. Apotheken seien wichtige, niederschwellige Anlaufstellen. Da könne man einfach hineingehen und bekomme sogleich eine Medizinalperson als Ansprechpartner und Berater. Sigg: «Bei der Ärzte-Initiative kämpfe ich um das Überleben meiner Apotheke.»

Beruf: Apothekerin

Doch welche Ideen bringt die neue Grossrätin in der Gesundheitspolitik mit? Die Schnittstellen müssten verbessert werden, meint Sigg. Bei den Übertritten in und aus dem Spital zum Beispiel müsse der Informationsfluss verbessert werden. Damit könne man nicht nur sparen, sondern auch die Sicherheit erhöhen.

Martina Sigg war schon in jungen Jahren in vielen Bereichen tätig – etwa in der Pfadi. Dort stieg sie auf bis in die Bundesleitung. Heute engagiert sie sich z.B. bei den Landfrauen, stand bei der Opernaufführung «Carmen» diesen Sommer mit dem Chor auf der Bühne und war lange in der örtlichen Schulpflege, davon acht Jahre als Präsidentin. Bildungspolitik ist ihr zweites grosses Thema, in dem sie als Grossrätin aktiv sein will. Hier kann sie von ihrer grossen Erfahrung als Ausbildnerin und Prüfungsexpertin profitieren. Etwas mulmig ist ihr schon mit Blick auf die überquellenden Ordner von Unterlagen, die sie zur Einarbeitung bereits erhalten hat. Am ersten Sitzungstag will sie einfach zuhören.

Den Zeitaufwand für das neue Mandat schätzt Martina Sigg auf eineinhalb Tage pro Woche. Ob das stimmt, wird sie bald aus eigener Erfahrung ermessen können. Auf jeden Fall will sie den nahen Kontakt zu den Menschen in der Region weiter pflegen. Beispielsweise heute Abend, wenn sie mit Rainer Klöti im «Bären» in Schinznach-Dorf ab 19.30 Uhr die Stabübergabe feiert. Sie hofft, dass viele kommen, um anzustossen, zu plaudern, Ideen und Wünsche mit auf den Weg zu geben – oder auch einfach nur so.