Bereits in der letzten Sitzung vor den Herbstferien Ende September hat der Grosse Rat eine mit vielen Emotionen beladene Motion von Martin Christen (SP, Turgi, vgl. Kästchen), in der dieser im Aargau eine Trennung von Staat und katholischer Kirche forderte, in Angriff genommen. Bereits in jener Sitzung gingen die Wogen hoch. Gestern wurde der Vorstoss zu Ende beraten und am Schluss mit 111 zu 6 Stimmen abgeschmettert. Nur einzelne Ratsmitglieder aus verschiedenen Fraktionen stimmten zu.

In der gestrigen Debatte geisselten verschiedene Votanten die Absicht des Motionärs. Christoph Riner (SVP, Zeihen) meinte, Christen sei doch für Multikulti, offenbar störten ihn aber die eigenen Wurzeln. Die Motion sei «ein Angriff auf eine christliche Konfession, die hier verankert ist und zum Aargau gehört. Das ist ein Angriff auf die schweizerische Identität und Kultur». Sie verletze die Katholiken und stelle sie pauschal in ein falsches Licht, schimpfte Riner, der sich sehr ärgert, dass derzeit Bibel, Kruzifixe, Kreuze und die Kirche selbst in- frage gestellt werden.

Wogen glätten

Die Wogen etwas zu glätten versuchte Martin Köchli (Grüne, Boswil). Er empfahl: «Wenn wir die Achtsamkeit der Buddhisten, die Ergriffenheit frommer Muslime und die Verbundenheit, die uns Christen eigen sein sollte, in einer guten Weise zusammenführen, dann könnte eine neue Katholizität entstehen, die alte Gegensätze überflüssig macht.»

Der reformierte Pfarrer Samuel Schmid (parteilos, Biberstein) dankte Christen dafür, dass im Rat aufgrund dieses Vorstosses so viele Bibelzitate zu hören waren... Und erinnerte daran, dass die Kirche vielfältige Aufgaben wie die Unterstützung von Randgruppen erfülle. Schmid bat um Ablehnung der Motion. Motionär Christen schob schliesslich nach, es gehe ihm nicht um sexuelle Verfehlungen, Kreuz und Kruzifixe.Esgehe ihmdar-
um, «dass sich eine Landeskirche an unsere Grundrechte zu halten hat».

Doch er fand kein Gehör. Bildungsdirektor Alex Hürzeler mahnte, nicht ohne Not zu ändern, was gut funktioniere. Auch er konnte nicht nachvollziehen, warum Christen bloss den Katholiken den Status der Landeskirche aberkennen wollte, und verwies darauf, dass auch bei einer Aberkennung die genannten Themen bestehen blieben.

Kirche über Ablehnung erfreut

Angesichts der aufgeheizten Stimmung im Saal war das klare Nein zur Motion absehbar. Die römisch-katholische Kirche zeigte sich denn auch «erfreut über die Ablehnung». Damit bleibe das konfessionelle Gleichgewicht im Aargau erhalten.