Zweite Wahlumfrage

Die FDP taucht und die SP ist wieder klar im Aufwind

FDP-Nationalrat gibt BDP die Richtung an. Die Wähler reagiern laut Umfrage anders

FDP-Nationalrat gibt BDP die Richtung an. Die Wähler reagiern laut Umfrage anders

Die zweite Umfrage der az zu den Nationalratswahlen zeigt eines deutlich: Der zweite FDP-Sitz im Aargau wackelt bedrohlich. SP und BDP legen klar zu. Und die Gruppierung aus Grünen, Grünliberalen und EVP kann mit einem dritten Sitz liebäugeln.

Parallel zur Ständerats- haben wir auch wiederum eine Nationalratsumfrage in Auftrag gegeben, die im Aargau zeitgleich (also vom 12. bis 17. September) durchgeführt wurde. In der nebenstehenden Grafik stehen die Ergebnisse der neuen neben der ersten, im Mai durchgeführten und im Juni publizierten Umfrage. Und um den Vergleich zu 2007 zu haben, finden sich im Kästchen rechts oben die tatsächlichen Wählerstärken der letzten Nationalratswahlen von 2007. In der Liste von 2007 fehlen Angaben zur Grünliberalen Partei (GLP) sowie zur Bürgerlich Demokratischen Partei (BDP), weil die GLP damals im Aargau noch nicht kandidierte und es die BDP noch nicht gab. Umgekehrt treten das Forum Liberale Mitte, Familiä-Partei und die Katholische Volkspartei (KVP) 2011 nicht mehr zur Wahl an.

Die Ergebnisse der Septermber-Umfrage

Die Ergebnisse der Septermber-Umfrage

SP wieder fast auf Niveau von 2007

Unsere September-Umfrage zeigt zur Juni-Umfrage mehrere deutliche Veränderungen. So hat die SP in dieser kurzer Zeit über 3 Prozentpunkte zugelegt und ist mit 17,5 Prozent beinahe wieder auf dem Niveau des Wahlergebnisses 2007. Diese Verbesserung korreliert mit besseren Umfragewerten in der jüngsten, schweizweiten Gfs-Umfrage. Da die SP-Listenverbindung mit den Grünen nicht mehr existiert, ist bei diesem Wert der dritte SP-Sitz der SP immer noch gefährdet, aber nicht mehr so unerreichbar weit weg wie im Juni.

Zweiter FDP-Sitz wackelt

Im Trend der jüngsten nationalen Gfs-Umfrage liegt auch das Ergebnis der FDP: Sie rangierte im Juni mit 13,2 Prozent noch nahe ihrem Wahlergebnis von 2007. Da war für sie noch alles im grünen Bereich. Doch seither ist sie bei 1002 befragten Aargauerinnen und Aargauern (von denen 751 eine Partei angaben) sogar knapp unter 10 Prozent getaucht. Damit ist ihr zweiter Sitz gefährdet. Kommt der Energiekurs der FDP bei der Basis doch nicht überall so gut an, wie die Parteispitze überzeugt ist? Eine dritte deutliche Änderung ist ein überraschender Sprung der BDP von knapp 3 auf über 6 Prozent. Sind neben wenigen SVP- auch FDP-Wähler zu ihnen hinüber gewandert? Auf der BDP-Liste sind wenig bekannte Politikerköpfe, das Budget ist klein, mit Plakaten ist die Partei aber sehr präsent. Ob ihr Aufwind auch mit den Debatten über eine mögliche Abwahl von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember zusammenhängt?

SVP stabil auf hohem Niveau

Stabil auf hohem Niveau zeigt die sich die SVP. Sie kommt derzeit auf 35 Prozent. Das ist zwar mehr als doppelt so viel wie die nächstgrösste Partei, die SP. Und doch muss sie sich sehr anstrengen, um zusammen mit der kleinen EDU ihren sechsten Nationalratssitz zu sichern. Der von der Partei angepeilte siebte Sitz bleibt in weiter Ferne.

Keine Freude wird die Umfrage auch bei der CVP auslösen. Sie verliert nochmals leicht gegenüber dem Wahlergebnis von 2007. Dank dem Exploit der mit ihr in einer Liste verbundenen Bürgerlich Demokratischen Partei (BDP) reicht es zusammen fast schon wieder für das Halten des bisherigen dritten Sitzes (allenfalls reicht es derzeit wie bei der SP für ein Restmandat).

2 oder 3 Sitze für Grüne/GLP/EVP?

Nochmal Gas geben müssen auch die in einer Liste verbundenen Grünen, Grünliberalen und die EVP. Unsere Ergebnisse korrelieren auch hier mit dem nationalen Trend, wonach der Fukushima-Effekt zu verblassen beginnt. Andere Themen stehen jetzt im Vordergrund. So fallen die Grünen wieder unter die 10-Prozent-Grenze zurück, auch die Grünliberalen büssen leicht Terrain ein. Und die in unserer letzten Umfrage nicht erhobene EVP verliert gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2007 leicht – trotz zahlloser gelber Werbe-Güggel an vielen Strassen. Obwohl die Tendenz bei diesen drei Parteien rückläufig ist, holen sie zusammen sicher 2 Sitze (bisher haben nur die Grünen einen Sitz). Auch ein möglicher dritter Sitz bleibt in Reichweite.

Nicht erfragt wurde in der Umfrage die Piratenpartei, die bei uns keine vergleichbaren Schlagzeilen liefert wie in Berlin. Sie ist mit EDU und SD in den 2 Prozent «Andere» subsummiert.

Immer stärkere Zersplitterung

Die Umfrage bestätigt den Trend zu einer immer stärkeren Zersplitterung der politischen Mitte. Dieser geht augenscheinlich nicht nur national, sondern auch kantonal zulasten der Mittepartei CVP und der Mitterechtspartei FDP. Derweil verliert die SVP nur wenige Stimmen aufgrund der Absplitterung der BDP.

Übrigens: in der Umfrage gaben 251 Personen an, nicht wählen zu wollen oder noch nicht zu wissen, welche Partei sie wählen. Parteistrategen erkennen somit: Ein Viertel der Leute ist noch zu «haben».

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