Bettwil

Die Angst treibt die Bettwiler nach Aarau zum Grossen Rat

Etwa 30 Bettwiler protestierten heute vor dem Grossratsgebäude. Sie baten die Politiker um Hilfe gegen die geplante Asylunterkunft. Die Bettwiler verteilten Flugblätter und unterstützten damit zwei Motionen, die heute lanciert wurden.

«Ich bin ein junger Familienvater. Wir wohnen seit knapp fünf Jahren in Bettwil und haben uns ein Haus gebaut. Ich kenne viele Familien, die Angst davor haben, 140 Asylsuchende aufzunehmen», erklärt der Bettwiler Benno Zimmermann. Er ist heute mit 30 anderen Einwohnern vors Grossratsgebäude gepilgert.

Peter Brütsch, Gemeinderat von Bettwil, über die geplante Asylunterkunft

Peter Brütsch, Gemeinderat von Bettwil, über die geplante Asylunterkunft

Die Angst vor einer ungewissen Zukunft hat auch die anderen nach Aarau getrieben. Die Bettwiler wollen mit aller Macht verhindern, dass ihre Gemeinde mit Asylsuchenden überhäuft wird. «Wir sind heute hier, um die beiden eingereichten Motionen zu unterstützen. Wir tun das friedlich mit Flugblättern und ohne Plakate», äussert sich Peter Brütsch, Gemeinderat aus Bettwil.

Einwohner treten auch vor dem Grossen Rat auf

Die eine Motion kommt von der Aargauer SVP. Diese will die Asylunterkunft komplett verhindern. Die andere Motion stammt vom Waltenschwiler SP-Grossratsmitglied, Flurin Burkard, der eine Entschädigung fordert, wenn denn die Asylsuchenden aufgenommen werden müssen.

Mithilfe des Flugblattes forderten die Bettwiler die Grossräte unter anderem auf, keine Steuergelder in eine militärische Unterkunft zu stecken, die sich «in einem äusserst desolaten Zustand befindet». «Wir denken, dass wir diesen Aufforderungen mehr Gewicht verleihen können, wenn wir heute hier erscheinen und im Grossen Rat unsere Interessen vertreten», so der Gemeinderat Brütsch.

Brütsch ist immerhin erleichtert, dass gestern zugesichert wurde, dass wenn sich die Asylunterkunft nicht verhindern lässt, sie nur sechs Monate in Bettwil bleibt. «Aber der Unmut über das Ausmass von 140 Asylsuchenden ist natürlich weiter da», sagt der Gemeinderat.

Es wird ein Kompromiss gesucht

Die Bettwiler sind noch immer wütend, dass sie so schlecht informiert wurden. «Wir wurden ohne zu fragen vor vollendete Tatsachen gestellt. Das geht so nicht. Darum versuchen wir hier nun einen Kompromiss zu finden», gibt der Bettwiler Zimmermann Einsicht in seine Gefühlslage.

Er, der Vater von zwei Kindern (1,5 und 2,5 Jahre alt), würde sich mit einem anderen Ausmass an Asylsuchenden zufrieden geben: «Zwei oder drei Familien aufnehmen ist doch kein Problem. Aber 140 Personen ist eine Riesenmenge. Da kann niemand garantieren, dass nichts passiert.»

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