Während 14 Jahren stand der Bus vom Typ Mercedes O405N im Einsatz beim Regionalbus Lenzburg (RBL). In dieser Zeit legte er 1160000 Kilometer zurück. Das entspricht dreimal der Strecke zwischen Erde und Mond. Der Bus Nummer 478, wie er intern genannt wird, fährt nun seiner Pension entgegen.

«14 Jahre sind eine übliche Betriebsdauer. Der Bus ist einfach nicht mehr auf dem neusten Stand», sagt Ruedi Willi, Leiter Technik beim RBL. Im Gegensatz zu neueren Fahrzeugen verfügt der Bus noch über keine Klimaanlage.

Beliebt bei den Chauffeuren

Abgesehen vom fehlenden Komfort, sei der Bus aber noch in einem sehr guten Zustand, versichert Willi. Auch wenn die Chauffeure an einem heissen Tag lieber in einem Bus mit Klimaanlage fahren, hängen viele am Wagen 478. Grund dafür ist die Mechanik, die bei einem älteren Fahrzeug noch bedeutend einfacher zu handhaben ist.

Auf dem Liniennetz in der Region Lenzburg wird die Nummer 478 also nicht mehr verkehren. Bevor er aber von einem Schweizer Fahrzeughändler übernommen wird, wartet noch eine letzte Aufgabe im Aargau auf ihn. Umbenannt in az-Wahlkampfbus wird er bis zu den Parlamentswahlen durch den Kanton touren und die Nationalratskandidaten zu den Wählerinnen und Wählern bringen. Für die Aktion der az in Zusammenarbeit mit Eurobus wurde der «Pensionär» noch ein letztes Mal aufgefrischt.

Aufgefrischt und umgebaut

Dafür verantwortlich war Ruedi Willi. Zuerst entfernte er die Beschriftungen und liess die wenigen Rostflecke geschickt verschwinden. Nach einer gründlichen Aussenreinigung glänzte der Bus zwar wie neu, doch Willis Arbeit war noch lange nicht zu Ende. 

Die grösste Veränderung erfuhr der Bus nämlich in seinem Innern. Das Ziel war, mehr Platz zu schaffen. Also baute Willi mehrere Sitzbänke aus, entfernte Haltestangen und den Fahrkartenentwerter, bis die Platzverhältnisse im Bus einer kleinen Wohnung ähnlich waren. Daraufhin verwandelte Willi den Innenraum in Eigenregie in einen Ausstellungsraum. Das Herzstück bilden dabei grosse Magnetwände, die von Spots ins rechte Licht gerückt werden. Holztische und Ablageflächen komplettieren den Umbau. Somit wurde mit wenigen Handgriffen der Innenraum umfunktioniert. Statt, dass bis zu 90 Passagiere in den Bus drängen, kann nun eine kleine Ausstellung besichtigt werden.

Der Chefredaktor fährt den Bus

Seit 1997 war der Bus in der Region Lenzburg unterwegs. Nun fährt er auf unbekanntem Terrain in alle Ecken des Aargaus. Die Strassen sind für den Bus zwar neu, der Chauffeur jedoch vertraut. Gesteuert wird der Bus nämlich von az-Chefredaktor Christian Dorer.

Jeweils einen Tag im Monat tauscht Dorer sein Büro in der az-Redaktion mit dem Platz hinter dem Steuer eines RBL-Busses. Bus fahren ist zwar nur sein Nebenjob, doch die Leidenschaft ist mindestens so gross wie fürs Schreiben: «Beide Berufe sind eigentliche Traumjobs. Deshalb freue ich mich besonders, sie nun kombinieren zu können.» Zum Bus Nummer 478 hat Christian Dorer übrigens eine spezielle Beziehung. Als der Bus 1997 seine Arbeit aufnahm, legte Dorer gerade die Busfahrerprüfung ab und durfte fortan auch den neuen Bus Nummer 478 lenken.