Mundart
Deshalb starten die Schweizer Demokraten eine Dialekt-Offensive

Der Schweizer Demokrat René Kunz versteht die Volksinitiative für Mundart im Kindergarten in erster Linie als Integrationsprojekt. Die benötigten 3000 Unterschriften für eine Volksabstimmung sollen spätestens im März beisammen sein.

Urs Moser
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Die Aargauer Schweizer Demokraten möchten, dass im Kindergarten grundsätzlich Mundart gesprochen werden soll (Symbolbild)

Die Aargauer Schweizer Demokraten möchten, dass im Kindergarten grundsätzlich Mundart gesprochen werden soll (Symbolbild)

Keystone

Wie am Sonntag berichtet, lanciert die Aargauer Kantonalpartei der Schweizer Demokraten eine Volksinitiative, die im Schulgesetz festschreiben will, dass «die Unterrichtssprache im Kindergarten grundsätzlich die Mundart ist». Dabei heisse grundsätzlich für ihn natürlich ausschliesslich, wie SD-Präsident René Kunz auf Anfrage verdeutlicht: «Im Kindergarten braucht überhaupt kein Hochdeutsch gesprochen zu werden.» Natürlich sei es richtig und wichtig, dass die Kinder korrektes Hochdeutsch lernen, aber dafür sei in der Schule noch genug Zeit.

Beflügelt ist der Präsident der Schweizer Demokraten natürlich durch die Abstimmungen in Zürich und Basel, wo im Mai ähnliche Volksinitiativen eine Mehrheit fanden. Wenn das schon in diesen eher «linken» Kantonen möglich sei, dann ist sich Kunz einer Volksmehrheit im «doch eher konservativ eingestellten Aargau» schon fast sicher, wie er siegesgewiss meint. Die Facebook-Gruppe «Ja für Mundart im Kindergarten» zählt bereits 135 Mitglieder (Stand: ), das wohl prominenteste ist SVP-Nationalrat Luzi Stamm. Und über diesen Kanal seien bei ihm schon jetzt 150 Unterschriftenbögen bestellt worden, so Kunz. Offizieller Startschuss ist am 18. Juli mit der Publikation der Initiative im Amtsblatt.

Ein Schweizer Kind, das mit der Mutter Hochdeutsch spricht

Dass im Kindergarten im Kanton Aargau mindestens die Hälfte des Unterrichts nicht in Mundart, sondern in Standardsprache zu erfolgen hat, ist relativ neu. Die Regelung ist nicht im Schulgesetz verankert, sondern der Regierungsrat hat sie auf das Schuljahr 2008/09 mit einer Lehrplanänderung eingeführt. Mit einigermassen verheerenden Folgen, wie Dialektverfechter Kunz findet. Er wisse von einem Fall, da komme ein Kind nach Hause – ein waschechtes Schweizer Kind, wohlverstanden – und spreche mit seiner Mutter Hochdeutsch. «Das kanns doch nicht sein», so der Mundart-Initiant.

Das Volksbegehren wird aber nicht nur als Traditionspflege, sondern auch und sogar hauptsächlich als Beitrag zur Ausländerintegration verkauft. Wenn Kinder von Immigranten die hiesige Umgangssprache schon daheim nicht lernen würden, dann sei doch der Kindergarten der prädestinierte Ort dafür. «Alle reden von Integration, wir tun mit unserer Initiative etwas dafür», sagt René Kunz. Er hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Die benötigten 3000 Unterschriften für eine Volksabstimmung sollen bereits im kommenden Januar oder Februar, spätestens im März beisammen sein. Im Gespräch für eine Unterstützung ist man mit der Jungen SVP.