Augenklinik

Der Wind hat gedreht: Kantonsspital lässt Augenklinik-Deal platzen

Am 12. Mai gingen sie an die Öffentlichkeit: Die Chefs der Pallas-Klinik (links) und des Kantonsspitals Aarau gaben ihr Zusammengehen an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt.Emanuel Freudiger.

Pallas

Am 12. Mai gingen sie an die Öffentlichkeit: Die Chefs der Pallas-Klinik (links) und des Kantonsspitals Aarau gaben ihr Zusammengehen an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt.Emanuel Freudiger.

Die Behörden liessen sich Zeit. Jetzt aber wurde entschieden. Die Vereinigte Ärzteschaft setzte die Spitalleitung erfolgreich unter Druck. Damit wird es die geplante Augenklinik am Bahnhof Aarau so nicht geben.

Es tönte nach Win-win am 12.Mai, als die Chefs des Kantonsspitals Aarau (KSA) und der Solothurner Privatklinikgruppe Pallas die Eröffnung einer gemeinsamen Augenklinik am Bahnhof Aarau verkündeten. Hohe Spezialisierung und tiefe Fallkosten, Qualität und Wirtschaftlichkeit hiessen die Trümpfe, die an der Pressekonferenz ausgespielt wurden. Der «Poleposition» auf einen Spitallistenplatz, also der Mitfinanzierung des Ambulatoriums in privatem Mehrheitseigentum durch die öffentliche Hand, war man sich sicher.

Jetzt ist alles anders. Schon an der Medienorientierung sprach der CEO des KSA Urs Karli von «gemischten Reaktionen» seiner Mitarbeiter in der hauseigenen Augenklinik. Diese waren erst am Vorabend über die neue Holding für die «Augenzentren» in Aarau und Olten informiert worden.
Karli hat, gelinde gesagt, untertrieben. Am Freitagabend vollführte das KSA eine 180-Grad-Wende und teilte mit, «unüberwindbare Differenzen» mit der Ärzteschaft hätten den Verwaltungsrat «zu Gesprächen mit der Pallas AG betreffend Vertragsauflösung» geführt. Im Klartext: Die Spitalärzte haben die Chefetage dermassen unter Druck gesetzt, dass diese jetzt aus der Kooperation aussteigen will - und eine Konventionalstrafe gewärtigen muss, denn: Eine Ausstiegsklausel hatten KSA und Pallas nicht vereinbart. «Wir gingen davon aus, dass die Kooperation zustande kommt», sagt CEO Karli auf Anfrage. Ob Pallas klagen wird, wenns hart auf hart geht, war am Freitagabend nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

Monopolvorwurf und Unbehagen

Die vereinigten Ärzte, notabene Vertreter sämtlicher medizinischer Disziplinen am KSA, sorgten sich einerseits über die drohende «einseitige Versorgung der Bevölkerung». Der eigens verpflichtete Medienbeauftragte Markus Gisler präzisiert: «Mit einer De-facto-Monopolsituation könnte man im Kanton Aargau keine Zweitmeinung in einer Klinik einholen.» Hinzu gekommen sei Unbehagen angesichts des potenziellen neuen Arbeitgebers. Demgegenüber verfüge das KSA auch als Ausbildungsstätte über Renommee.

Ärzte bald in der Spitalleitung

Andererseits zeigten sich die Ärzte laut Gisler «schockiert» über das Vorgehen der Spitalleitung, vor vollendete Tatsachen gestellt, also «verkauft» zu werden. Mit dem Effekt, dass jetzt «das spitalrelevante medizinische Know-how verstärkt in die obersten Führungsstrukturen» des KSA einfliessen soll. Ob damit Einsitz in Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat gemeint ist, bleibt vorerst Verhandlungssache.

Die Einigung aufgegleist hatte die Vorsteherin des Gesundheitsdepartements DGS, Regierungsrätin Susanne Hochuli. Im Communiqué ist von einem «Dialog» und einem «runden Tisch» die Rede. Bereits am Mittwoch war eine unbestätigte Erfolgsmeldung der Ärzte durchgesickert. Am Freitag nun verzögerte sich die mit dem DGS und dem KSA abgesprochene Kommunikation um fast zwölf Stunden. Man wollte auf Nummer sicher gehen und mit einem gemeinsamen Wortlaut nicht noch einmal den gleichen Fehler machen wie am 12. Mai. Das Kantonsspital muss eine Konventionalstrafe gewärtigen.

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