Die Jagd ist längst nicht mehr nur eine reine Männerdomäne. Heute, sagt Erhard Huwyler, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, würden jedes Jahr durchschnittlich vier Frauen die Jagdprüfung ablegen. Sie machen damit etwa 10 Prozent aller Jungjäger aus.

Doch jetzt hat der umtriebige Tierschützer Peter Suter die weiblichen Vertreter der Jägerzunft in Visier genommen.

«Völlig unnatürlich»

Am Rande einer Diskussion auf Tele M1 über die bevorstehende Abstimmung zum Treibjagd-Verbot bezeichnete der Präsident des Vereins zum Schutz der bedrohten Wildtiere Frauen als absolut ungeeignet für die Jagd.

«Das ist völlig unnatürlich. Frauen, die auf die Jagd gehen, haben einen Minderwertigkeits-Komplex oder einen psychischen Defekt», so Suter.

«Jenseits von Gut und Böse»

Diese Aussage bringt die Aargauer SVP-Nationalrätin und Jungjägerin Sylvia Flückiger zum Schmunzeln. «Das ist jenseits von Gut und Böse. Damit qualifiziert sich Herr Suter selbst», sagt Flückiger. «Offenbar hat er nicht nur mit der Jagd ein Problem, sondern auch mit Frauen.»

Flückiger, die aus einer Jägerfamilie stammt, war früher immer wieder als Treiberin auf der Jagd mit dabei. Seit diesem September verfügt sie über das Jagdbrevet und streifte vor kurzem erstmals selbst mit der Flinte durch die Wälder.

Am vergangenen Samstag war Flückiger in einer Gruppe mit 10 Jägerinnen unterwegs; es habe sich um eine Treibjagd gehandelt und die Tiere hätten sich dabei oft gar nicht aus ihren Verstecken bewegen lassen, erzählt sie. Erlegt wurde schliesslich dennoch ein Fuchs - allerdings von einem Jäger, wie Flückiger unumwunden zugibt.

«Achtung vor der Schöpfung»

«Das war aber sicher ein Zufall. Frauen sind nicht die schlechteren Jäger als Männer. Wir müssen ja alle dieselbe Prüfung ablegen», sagt sie und stellt klar: «Sowohl Jägerinnen als auch Jäger haben Achtung vor der Schöpfung und verhalten sich entsprechend. Wer das nicht glaubt, kann sich einmal persönlich überzeugen».

Auch Jagdschutzvereinspräsident Huwyler ist voll des Lobes über die Jägerinnen. Diese verfügten zwar vielleicht nicht über die genau gleichen Stärken wie die Männer. Aber: «Jägerinnen leisten einen Dienst an der Natur und helfen mit, Wildtiere in ihrem Bestand zu sichern.»

«Heftige Diskussionen»

Die streitbaren Aussagen von Peter Suter haben auch bei den az-Lesern zu heftigen Diskussionen geführt. Während die einen Kommentatoren schreiben, Suter habe wohl selbst einen «psychischen Defekt» und lebe eine «Jägerphobie» aus, erhält der Tierschützer auch Sukkurs aus der Leserschaft.

«Die Auslassungen von Peter Suter bringen das widerliche, verrohende Treiben der Hobbyjäger auf den Punkt», schreibt ein User.

Zweite Abstimmung in sechs Jahren

Die Aargauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befinden am 27. November über eine von Suter lancierte Volksinitiative für ein Verbot der Treibjagd. Regierung und Parlament lehnen das Begehren ab.

Zudem wurde im Kanton Aargau bereits im November 2005 einer gleichlautende Volksinitiative von Suter mit einer Nein-Mehrheit von 63,8 Prozent eine deutliche Abfuhr erteilt.