Konzert

Der malische Superstar Bassekou Kouyaté kommt in den Aargau

Trocken und dumpf: So klingt die westafrikanische Laute Ngoni. Bassekou Kouyaté und seine Gruppe Ngoni ba lassen die Laute auch verzerren und jaulen.Bild: Thomas Dorn

Trocken und dumpf: So klingt die westafrikanische Laute Ngoni. Bassekou Kouyaté und seine Gruppe Ngoni ba lassen die Laute auch verzerren und jaulen.Bild: Thomas Dorn

Traditionelle Musik, elektronisch verzerrt: Bassekou Kouyaté fördert die malische Lauten-Musik, indem er sie verändert. Nun kommt der Superstar exklusiv nach Frick ins Meck.

«Er ist ein Genie und der lebende Beweis dafür, dass der Blues aus Mali kommt», sagt der amerikanische Bluesmusiker Taj Mahal über Bassekou Kouyaté. Der 53-jährige Musiker aus Mali gilt als der grosse Erneuerer der traditionellen westafrikanischen Volksmusik. Gleichzeitig hat er die afrikanischen Wurzeln des Blues in Erinnerung gerufen und war stets offen gegenüber neuen Kollaborationen mit westlichen Jazz-, Rock- und Popmusikern wie Jaochim Kühn, Paul McCartney und Damon Albern. «Unsere pentatonische Musik kam mit den Sklaven an den Mississippi», sagt Kouyaté.

Die Ngoni ist eines der wichtigsten Instrumente Westafrikas

Bassekou Kouyaté stammt aus einem der bedeutendsten Griot-Clans von Mali. Diese mächtige Dynastie ist so etwas wie das kulturelle und musikalische Gewissen Westafrikas. Das Wissen und die Kunst der Griots werden seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben. Auch bei den Kouyatés. Im Alter von zwölf Jahren hat ihm sein Vater das Spiel auf der Ngoni beigebracht. Diese trocken und dumpf klingende Laute ist neben der Harfenlaute Kora das verbreitetste Saiteninstrument Westafrikas und Kouyaté gilt als der beste Ngoni-Spieler überhaupt.

Kouyaté ist aber nicht nur der Ngoni-Weltmeister, er hat das traditionelle Instrument auch verstärkt und zusätzliche Saiten aufgezogen. Der Virtuose verwendet bis zu siebensaitige Lauten. Durch die elektrische Verstärkung hat er die klang­lichen Möglichkeiten des Instruments vervielfacht. Kouyaté kann so auch Rock-Riffs spielen, die Töne wie eine Gitarre verzerren, biegen, dehnen und jaulen lassen. «Dank den Wahwah-Effekten und dem Verzerrungs-Pedal kann ich nun jede Form von Musik spielen, von Klassik bis Rock», sagte er gegenüber der NZZ.

Doch nicht alle waren von der Erneuerung der traditionellen Musik begeistert. «Mein grösster Kritiker war mein Vater: Als ich es wagte, populäre Gitarren-Riffs auf der Ngoni nachzuspielen, tadelte er mich. Aber letztlich hat er akzeptiert, dass die Tradition nur durch Veränderung fortlebt.»

Prominenter Gegner der malischen Regierung

Bassekou Kouyaté engagiert sich auch politisch. Er hat Präsident Amadou Toumani Touré unterstützt, der vor sieben ­Jahren in einem Militärputsch abgesetzt wurde. Er verurteilt die menschenverachtenden ­Islamisten, die den Norden ­Malis immer noch besetzt ­halten, und kritisiert den aktuellen ­Präsidenten Ibrahim Boubakar Keita wegen Korruption, Günstlingswirtschaft und Untätigkeit. «Unsere Politiker tun nichts, sie interessieren sich nur für die eigenen Geschäfte. Deswegen appelliere ich an alle, die unserem Land helfen wollen: Gebt das Geld nicht der Regierung. Lasst es lieber über NGO und vertrauenswürdige Privatpersonen laufen.»

Kouyaté ist zu einem wichtigen Botschafter seines Landes für Frieden und Demokratie geworden. «Nein, die Islamisten haben es nicht geschafft, uns zu brechen. Wir Musiker sind die grössten Kämpfer für Demokratie. Wir stehen für Stärke durch Vielfalt», sagt er.

Sein aktuelles Album «Miri» ist wieder traditioneller als sein rockmusiknahes Album «Ba Power» aus dem Jahr 2015. ­Seine Band Ngoni ba, die aus drei Ngonis verschiedener Stimmungen, ­diversen Perkussionsinstrumente und seiner Frau, der fantastischen Sängerin Amy Sacko ­besteht, ist weltweit gefragt. An den grössten Festivals (Glastonbury, Roskilde, Fuji Rock Festival, North Sea Jazz Festival) oder auch in Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie in Hamburg ist er aufgetreten. 2013 wurde Kouyaté von der BBC zum «besten afrikanischen Künstler des Jahres» gewählt. Umso erfreu­licher ist, dass dieser grosse ­Musiker im Meck in Frick gastieren wird. «Ich freue mich sehr, dass ich nach jahrelangen ­Bemühungen nun endlich den Superstar aus Mali exklusiv ins Meck verpflichten konnte», sagt Programmleiter Dani Binkert.

Bassekou Kouyaté Miri. Live: 23.11. im Meck Frick. Bar ab 20Uhr, Konzert 21Uhr. Reser­vation empfohlen.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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