Ladenmix

Der Ladenmix ändert sich? – Das ist kein Problem!

Auch in der Aarauer Altstadt ändert sich der Ladenmix.

Altstadt Aarau

Auch in der Aarauer Altstadt ändert sich der Ladenmix.

Der Einkauf in den Aargauer Altstädten vermittelt eine Ambiance, wie sie Shoppingcenter nicht bieten können - das können die angesiedelten Läden zu ihrem Vorteil nutzen.

Baden, Badstrasse 21, eine der teuersten Adressen im Aargau: Die traditionsreiche Papeterie Höchli schliesst ihr Geschäft per Ende 2011 aus wirtschaftlichen Gründen. Neu wird die Handyfirma Sunrise eine Filiale eröffnen. Statt Papier und Füllfederhalter werden neu Handys und Internet-Abos verkauft. Ein typisches Beispiel, das zwei Tendenzen schön aufzeigt: Wer heute Schreibmaterial sucht, ist im Warenhaus oder im Internet oft besser aufgehoben.

Andererseits versuchen immer mehr Markenanbieter, mit eigenen Läden ihr Profil zu schärfen. Solche Läden müssen nicht unbedingt rentieren, sondern die eigene Marke und das entsprechende Angebot repräsentieren – und sind daher auf Top-Lagen wie die Innenstadt angewiesen.

«Sichtbarkeit» wird immer wichtiger

Ein Mann, der sich dieses Phänomen zunutze macht, ist Raphael Schmid. Der Immobilienhändler aus Buchs nennt es die «Sichtbarkeit», die immer wichtiger wird und bei Zentrumslagen gegeben ist. Doch nicht nur Verkaufsläden nützen diesen Vorteil aus, vermehrt ziehen auch Dienstleistungsbetriebe wie Versicherungen, Notariate oder – wie an der Zentralstrasse 3 in Wohlen – die az mit ihrem eigenen Redaktionsbüro in Ladenlokale mit einem grossen Schaufenster ein.

Früher war im Gebäude eine Metzgerei, dann ein Lebensmittelgeschäft untergebracht. Schmid: «Ein schön gestaltetes Schaufenster bei einer Versicherung kann für Passanten genauso interessant sein wie früher die Warenauslage der Metzgerei.» Zentrumslagen bleiben in seinen Augen attraktiv wie eh und je. «Der Branchenmix setzt sich heutzutage einfach anders zusammen.»

Ein Problem mit dem sich ändernden Branchenmix in der Innenstadt sieht auch Marcel Suter nicht, der Präsident der Vereinigung der Aarauer Detaillisten. Zwar gebe es in der Aarauer Innenstadt keinen Bäcker mehr und nur noch zwei Metzger, trotzdem müssten die Altstadtbewohner dank Migros und Coop in der Vorstadt nicht «fleisch- und brotlos» leben. Und in der hohen Dichte von Kleiderläden – wie dies übrigens in den meisten Innenstädten der Fall ist – kann er sogar einen Vorteil erkennen: «Manche Leute kommen von Zürich nach Aarau, um in den hiesigen Boutiquen zu shoppen. Wegen einer Bäckerei oder Metzgerei würde dies sicher niemand tun.»

Einkauf in der Altstadt ist einzigartig

Den wichtigsten Pluspunkt macht Suter aber in der einzigartigen Atmosphäre aus, die ein Einkauf in der Altstadt vermittelt – und deswegen ziehen die Zürcher wohl auch nach Aarau zum Shoppen. «Kein Einkaufszentrum kann die Ambiance der Altstadt bieten.» Ein brachliegendes Potenzial, das Aargau Tourismus in seinen Augen besser vermarkten müsste. «Der Aargau ist der Kanton der attraktiven Kleinstädte. Diese Marke könnte eine Tourismusstrategie sein.» Für Suter wäre dies eine Chance nicht nur für den Aargau, sondern auch einen Ansporn für die Kleinstädte, sich in einem noch besseren Licht zu präsentieren. Dazu brauchte es aber auch eine bessere Vernetzung unter den Kleinstädten. «Heute kämpft jeder für sich.»

Auch in Rheinfelden macht der Strukturwandel nicht Halt. Erst kürzlich musste die letzte Metzgerei in der Altstadt schliessen. Neu hat sich dort ein Spezialitätenladen für Käse und italienische Produkte eingemietet. Auch dies ein typischer Fall: Neben Kleider-, Schuh- und Handyläden gibt es immer mehr solcher Shops, die oft von Frauen geführt werden.

Im Wechsel der Läden sieht Stadtammann Franco Mazzi auch einen Vorteil: «In Shoppingcentern wird ein Wechsel von jährlich 10 Prozent der Ladenstruktur als positiv angesehen.» Damit mehr Passanten ins Städtchen gelockt werden, reanimiert Rheinfelden den Wochenmarkt, der Mittwoch- und Samstagmorgen stattfindet. Auch mit baulichen Massnahmen versucht das Städtchen, auf Besucher einladender zu sein. Zum Beispiel mit neuen Sitzbänken, welche die richtige Höhe für Senioren haben. Einfluss auf die zumeist privaten Liegenschaftsbesitzer könne man aber nicht nehmen. «Von einem Privaten kann ich nicht erwarten, dass er sich um den Ladenmix im Städtchen kümmert und dies gar noch mit geringeren Mietzinsen fördert», sagt Mazzi.

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