Weinbau
Der Kanton sucht alte Rebstöcke für neue Weine

Allein im Aargau werden 60 Rebsorten angepflanzt, dazu gibt es eine Dunkelziffer mit unbekannten Sorten. Dieses genetische Material will der Kanton jetzt für die Zukunft sicherstellen.

Hans Lüthi
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Uralte Rebe an einem Rebhäuschen in Birmenstorf. Zentrum Liebegg

Uralte Rebe an einem Rebhäuschen in Birmenstorf. Zentrum Liebegg

Wer kennt sie schon, die weissen Sorten Acolon, Bianca, Kalina, Muscat blanc oder die Solaris? Alles klingende Namen weisser Trauben, diein kleineren Mengen in den Aargauer Rebbergen wachsen. Bekannter ist natürlich die Hauptsorte Ries-ling×Sylvaner, die kantonal mit Abstand an der Spitze steht, weit vor Chardonnay, Sauvignon blanc und Pinos gris. Bei den Rotweinen beherrschen die Blauburgunder das Bild, aber es gibt auch Gamaret, Merlot, Regent, Rondo, Syrah, Zweigelt und über zwei Dutzend mehr.

«Mit einem Aufruf an die 800 Weinbauern suchen wir jetzt extrem alte Rebstöcke unbekannter Sorten», sagt Rebbaukommissär Peter Rey. Dabei gehe es nicht um bekannte Direktträger mit dicken Stämmen an den Hauswänden, «sondern um absolute Raritäten oder Unikate, deren Erhalt sinnvoll sein könnte» (Mail an: peter.rey@ag.ch). Die Aktion gehört zum nationalen Plan «Erhaltung der genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft».

Der Start ist geglückt, es «kommen täglich Meldungen herein», freut sich der Leiter des Zentrums für Weinbau in Liebegg. Unter dem Strich rechnet Rey mit 40 bis 50 eingereichten Sorten. Dies gestützt auf die Erfahrungen, welche die Weinbaukantone Zürich, Graubünden und St.Gallen gemacht haben. Für die genauere Dokumentation der alten Rebsorten werden im September Blätter, Trauben und Triebe abgeholt, ebenso weitere Informationen durch Gespräche mit den Besitzern.

Abklärungen zur Eignung

Als dritter Schritt folgt die Bestimmung der Rebsorte durch Fachleute auf der Liebegg. Wird eine alte Sorte gefunden, pflanzt das Landwirtschaftliche Zentrum des Kantons St.Gallen in Frümsen im Rheintal fünf veredelte Stöcke an, um die Eignung für den Weinbau zu testen. In der ganzen Schweiz existieren rund 200 bekannte Rebsorten, welche auf einer Fläche von 14841 Hektaren angepflanzt werden.

Weltweit geht man von 6000 Rebsorten aus, wobei vor allem Italien ein fast unerschöpfliches Reservoir alter Sorten hat. Oftmals sind es nur kleine Flächen, aber der Erhalt birgt ein grosses Potenzial für mögliche Weine der Zukunft.

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