Lenzburg

Der Drahtzieher der «Holderbank-Connection»

Die so genannte «Holderbank-Connection» beschäftigt die Justiz weiter. Das Bezirksgericht Lenzburg sah sich einmal mehr mit einem Drogendealer aus dem Kokainnetzwerk um die Asylunterkunft konfrontiert. (Symbolbild)

Die so genannte «Holderbank-Connection» beschäftigt die Justiz weiter. Das Bezirksgericht Lenzburg sah sich einmal mehr mit einem Drogendealer aus dem Kokainnetzwerk um die Asylunterkunft konfrontiert. (Symbolbild)

Schon wieder ein Kokain-Prozess vor Bezirksgericht: Die Richter verurteilten einen «Kokain-Paten» – einen 25-jährigen Nigerianer – zu sechseinhalb Jahren Gefängnis.

Die so genannte «Holderbank-Connection» beschäftigt die Justiz weiter. Das Bezirksgericht Lenzburg sah sich einmal mehr mit einem Drogendealer aus dem Kokainnetzwerk um die Asylunterkunft konfrontiert. Der Nigerianer, der 25-jährige Ochuko (Name geändert), soll aber nicht nur ein Mitläufer, sondern ein regelrechter «Kokain-Pate» gewesen sein. Oder wie die Staatsanwältin sich ausdrückte: «Der Drahtzieher einer grossen Drogenorganisation.»

Ochuko hatte bereits seit Mitte Juli 2009 hinter Gittern gesessen. Seit Sommer 2010 befindet er sich in der Strafanstalt Thorberg BE im vorzeitigen Strafvollzug. Insgesamt 45 Einvernahmen stehen im Fall des «Kokain-Paten» zu Buche. Die Staatsanwältin war überzeugt: Der einschlägig vorbestrafte Ochuko hatte bis zu seiner Verhaftung für einen Betrag in der Grössenordnung von einer Viertelmillion Franken mindestens 5,3 Kilogramm Kokain erworben – und ungefähr die gleiche Menge weiterverkauft. Gemäss Anklage soll er dabei einen Reingewinn von gegen 100000 Franken gemacht haben. Das Drogengeld habe der abgewiesene Asylbewerber zur Finanzierung seines Lebensunterhalts gebraucht oder in seine Heimat geschickt.

Lieferungen aus Spanien

Ochuko zeigte sich äusserst abgeklärt, so die Staatsanwältin. Von Holderbank aus habe er die Drogen an «diverse Wiederverkäufer in Kommission» verkauft oder übergeben. Einer seiner Lieferanten sei der unbekannte «Okey» in Spanien gewesen, Ochuko habe Kuriere dorthin geschickt und die «Bodypacker», die Kokain-Fingerlinge geschluckt hatten, auch wieder in Empfang genommen.

Ochuko wusste offenbar auch, wie er seine Spuren zu verwischen hatte. Er habe oft über Telefonkabinen kommuniziert, wobei er stets verschlüsselt sprach. Auf den beschlagnahmten Handys fanden sich denn auch keine gespeicherten Nummern. Der Nigerianer, sagte die Staatsanwältin, führte selber kaum Drogenlieferungen aus und liess die Interessenten zu sich in die Asylunterkunft in Holderbank kommen.

«Zwei Kilo reines Kokain»

Bezüglich Strafe konnten die Anträge vor Gericht kaum unterschiedlicher sein: Die Staatsanwältin forderte eine zehnjährige Freiheitsstrafe – unter anderem wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz oder auch Geldwäscherei. Der Pflichtverteidiger sah die Vorwürfe alles andere als erwiesen an und plädierte für eine bedingte Strafe von 24 Monaten.

Obwohl in einigen Punkten Freisprüche resultierten, sahen die Richter den Handel von zwei Kilogramm Kokain als erwiesen und verurteilten den Nigerianer zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. «Der Beklagte ist professionell und mit grosser krimineller Energie vorgegangen», sagte Gerichtspräsidentin Eva Lüscher.

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