März hin oder her, die Winterkälte ist am Vormittag noch da, das Waldhaus Möhlin liegt im Schatten. Aber der Förster und die zwei Dutzend Holzkäufer sind abgehärtet, die einzige Versteigerung von Laubholz im Kanton hat eine festliche Note, von Fasnacht ist da nichts zu spüren.

Die Gemeinden rundum haben den Direktverkauf eingestellt. «Wir sind Exoten geworden, aber wir halten an der Tradition fest, auch der Kundschaft zuliebe», sagt Möhlins Gemeindeammann Fredy Böni. «450 Hektaren Wald haben wir, zudem 120 Hektaren Staatswald.» Da fällt jeden Winter genug Holz für eine eigene grosse Gant an.

Schöne Stämme, tiefe Preise

Förster Urs Steck, Betriebsleiter im Möhliner Wald, begrüsst die mit einer Liste ausgerüsteten Holzkäufer «recht herzlich». Das trockene, sonnige Wetter werde sicher die Stimmung und Preise heben, spricht er sich Mut und Hoffnung zu. Vorerst vergeblich, denn auch Schweizer Holz von höchster Qualität geht zu Weltmarktpreisen aus dem Wald, der Euro ist tief. Die ersten elf Lose sind Buchen, wunderschöne Stämme, von Generationen von Förstern gepflegt, die dicksten über 120 Jahre alt.

Nur frankenweise geht es oft über die Schatzung hinaus, die Lose mit mehreren Buchen gehen für 80, 90, selbst schöne Stämme für 95 bis 110 Franken pro Kubikmeter an den Käufer. Zum Glück ist Marcel Hess da, der Mitinhaber der Holzfirma Hess in Döttingen. Bei den Buchen ist er oft einziger Bieter und kauft an diesem Tag günstig um die 200 Kubikmeter.

Der Jahresbedarf seines Unternehmens liegt allerdings bei 12000 bis 15000 m³. Weniger glücklich ist Förster Steck: «Es tut einem fast weh, zu diesen Preisen Holz verkaufen zu müssen.» In der Tat, die Filetstücke des Waldes bringen nicht mehr als Hackfleisch. Vor Jahren zahlten die Händler locker den doppelten bis dreifachen Preis.

Eichen und Eschen sind gefragt

Wechsel zum Edelholz, die Sonne wird stärker, die Vögel beginnen hörbar zu pfeifen. Bei den Kirschbäumen wird die Versteigerung ihrem Namen endlich gerecht, die Bieter überbieten sich. Los 14 mit elf Stämmen geht bei 120 Franken Schatzung für 180 Franken an einen Holzhändler.

Eine dicke Einzelkirsche ist für 200 Franken geschätzt und wechselt den Besitzer für 640 Franken. Gefragt sind auch die Eichen, mit Preisen zwischen 150 bis 370 Franken, immer pro Kubikmeter für die 150-jährigen wertvollen Bäume. Eichen könnte der Gantrufer viel mehr verkaufen, aber sie sind auch ökologisch sehr wertvoll und darum sind viele unter Naturschutz gestellt worden.

Energieholz als drittes Standbein

Gute Preise holen auch Bergahorn und Eschen, von diesen hat es grosse Mengen, über 200 Kubikmeter und damit fast so viele wie Buchen. Bergahorn und Spitzahorn sind breit vertreten. Teilweise nur wenige Stämme hat es von den Holzarten Feldahorn, Ulme, Erle und Linde. Am Schluss ist Förster Steck doch einigermassen zufrieden, den Ertrag schätzt er gemäss einer ersten groben Rechnung auf 70000 bis 80000 Franken.

Reich werden die Möhliner Ortsbürger als Besitzer damit nicht, aber die Holzernte ist ein starkes Standbein des Forstbetriebes, der fünf Forstwarte und drei Lehrlinge beschäftigt. Die Hälfte des Umsatzes kommt aus Dienstleistungen, der Möhliner Forst heisst darum auch «Abteilung Wald und Landschaft». Ein weiteres Standbein bildet das Energieholz: «Wir haben fünf Wärmeverbunde und benötigen jährlich 8000 Kubikmeter Holzschnitzel», betont Waldchef Fredy Böni nicht ohne Stolz. Der neueste befindet sich noch im Bau, «danach werden es 10000 Kubikmeter sein».

Submissionsverkauf in Wohlen

Käufern und Kaufinteressenten, vereinzelt aus dem Elsass und aus Deutschland angereist, können an der Wärme weiter über die Preise fachsimpeln. Das Mittagessen im Waldhaus mit Spätzli, Geschnetzeltem und Gemüse wird von der Ortsbürgergemeinde spendiert. «Weitere grosse Holzverkäufe finden nach dem Submissionsverfahren statt», erklärt Geschäftsführer Theo Kern vom Aargauischen Waldwirtschaftsverband.

Auf dem Lagerplatz Wohlen liegt 586 Kubikmeter Nadel- und Laubhölzer. Alle potenziellen Käufer konnten Offerten einreichen. «Die Zuteilung an die Meistbietenden erfolgt am 10. März, das Käuferspektrum ist sehr breit, in Wohlen werden jeweils die höchsten Preise erzielt», betont Kern.