Oberrohrdorf
Der Bankräuber von Oberrohrdorf muss nicht ins Gefängnis

Ein gebürtiger Italiener überfiel im letzten Dezember die Raiffeisenbank in Oberrohrdorf. Ihm wurde ein weiterer Raubversuch angelastet. Am Mittwoch stand er vor dem Badener Bezirksgericht. Dieses verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

Adrian Hunziker
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Der Bankräuber von Oberrohrdorf vor dem Badener Bezirksgericht

Der Bankräuber von Oberrohrdorf vor dem Badener Bezirksgericht

Alfi Moor

Beinahe bei jeder Erwähnung der damaligen Tat brach Angelo (Name geändert) vor dem Badener Bezirksgericht in Tränen aus. Man sah dem 66-Jährigen an, dass er nur schwer damit leben konnte, was er getan hatte. Angelo wurde des Raubes, des versuchten Raubes und der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Raub angeklagt. Doch was war geschehen?

Angelo war als 13-Jähriger von seiner Mutter von Italien in die Schweiz geholt worden. Hier arbeitete er, war ein ehrenhafter Bürger. «Sie sind ein anständiger Bürger, der sich 65 Jahre nichts zuschulden hat kommen lassen», sagte auch Gerichtspräsident Guido Näf. Doch mit 65 Jahren ging alles den Bach runter.

Angelo war pensioniert worden und hatte mehr und mehr finanzielle Schwierigkeiten. Im September 2011 fiel er sogar ins Minus. Da sah er nur noch einen einzigen Ausweg: Er überfällt am 20. Dezember 2011 die Raiffeisenbank in Oberrohrdorf. Er will zwischen 40'000 und 50'000 Franken erbeuten, um seine finanziellen Engpässe verschwinden zu lassen. Letztlich waren es aber nur 5'000 Franken.

Keine echte Pistole benutzt

Als Angelo zu diesem Überfall von Näf befragt wird, bricht er bereits bei der ersten Frage in Tränen aus. Er ist reuig und das Ganze tut ihm schrecklich leid. Der Angestellten, die er beim Überfall mit einer täuschend echten Plastikpistole bedroht hatte, schrieb er kurz nach seiner Verhaftung einen Brief, um sich persönlich bei ihr zu entschuldigen.

Staatsanwalt Beat Richner hatte für Angelo eine Freiheitsstrafe von vier Jahren unbedingt gefordert. Denn Richner beschuldigte den Rentner ausserdem eines versuchten Raubes. Dieser hatte rund zwei Wochen nach dem von Angelo zugegebenen Überfall auf die Hypothekarbank Lenzburg in Oberrohrdorf stattgefunden. Dieser Raubversuch war aber gescheitert.

Angelo hatte jeweils bestritten, den zweiten Überfall begangen zu haben. «Mein Mandant wäre psychisch gar nicht mehr in der Lage gewesen, eine weitere Straftat zu begehen», sagte auch Angelos Verteidigerin, Carmen Emmenegger. Denn der Beschuldigte habe bereits beim Raiffeisen-Raub zwei Stunden mit sich gerungen, bevor er zur Tat schritt.

Im Zweifel für den Angeklagten in 2 Punkten

Ähnlich sah das auch das Gericht. «Es war ein klassischer Raub, aber kein klassischer Täter», erklärte Näf den Raiffeisen-Fall. Das Gericht sah aber keine verwertbaren objektiven Spuren, die Angelo des Raubversuches überführten. So entschied das Gericht einstimmig im Zweifel für den Angeklagten.

Für «In dubio pro reo» entschieden sich die Richter ebenfalls im dritten Anklagepunkt. Sie sahen die strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Raub als nicht eindeutig gegeben. Angelo hatte sich nämlich am 10. Januar 2012 mehrmals vor der Post aufgehalten. Staatsanwalt Richner sah darin ein Ausspionieren für einen nächsten Raubversuch.

Angelo argumentierte aber, er habe nicht den Mut gehabt, sich direkt bei der Polizei zu stellen. Also wollte er sich von der Polizei verhaften lassen und sei darum mehrmals bei der Post vorbeigegangen. Dort wurde er schliesslich auch verhaftet.

Das Gericht glaubte Angelo und sprach ihn nur des Raubes schuldig. Er wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Bewährung von ebenfalls zwei Jahren verurteilt. Dieses Urteil überraschte den Staatsanwalt. «Ich werde das schriftliche Urteil abwarten und dann entscheiden, ob es mit einem allfälligen Berufungsverfahren weitergeht», sagte Richner.