Der Autor, der zur Hantel greift

Nicht ganz wahr, aber nicht erfunden: Das Buch von Valentin Trentin aus Schinznach-Bad thematisiert mit Ironie eine Brugger Institution.

Maja Reznicek
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Valentin Trentin aus Brugg fühlt sich mehr Autor als Schriftsteller.

Valentin Trentin aus Brugg fühlt sich mehr Autor als Schriftsteller.

Bild: zvg

Schweiss, Muskelkater, Kraftstationen. Der Begriff «Fitnesscenter» löst viele Assoziationen aus. Die wenigsten denken wohl an wortreiche Dialoge. Genau davon leben «Die Vitaforce-Chroniken» von Valentin Trentin. Der Brugger Autor wirft in dem im Oktober erschienenen Buch einen ironischen Blick auf die Sportwelt und ihre Anhänger. Weder das Studio «Vitaforce Training» noch die exzentrischen Figuren darin sind laut Trentin reine Erfindungen.

Der ehemalige Gemeinderat von Schinznach-Bad hält sich nämlich selbst seit 1987 fit, insbesondere im «Vitasport Training» in Brugg. Von dort habe er sehr viel Material für sein neustes Werk bekommen: «Die Szenen basieren auf konkreten Erfahrungen und Gesprächen aus den letzten 30 Jahren. Natürlich habe ich Dialoge ausgeweitet und eine Portion Fantasie beigemischt.» Alle Protagonisten im Buch seien aber auf reale Personen zurückzuführen. Ob die davon wissen? Trentin sagt: «Das müssen sie nicht.»

Es sei die Pflicht des Autors, die Realität zu beschreiben

Rund eineinhalb Jahre dauerte es gemäss Valentin Trentin, um aus den Notizen in seinem Tagebuch ein zusammenhängendes Werk zu formen. Ziemlich durchschnittlich für ihn, wie der 72-Jährige findet. Er schreibt bereits seit 1965, war unter anderem freier Mitarbeiter beim «Badener Tagblatt». Zudem betätigte er sich als Sekundarlehrer, Parteisekretär bei der SP, als Ausbildungsleiter und auch als Personalchef.

«Die Vitaforce-Chroniken» sind nun das siebte Buch. Gerne lässt sich Trentin beim Schreiben von anderen Texten inspirieren – oder eben von Gesprächsfetzen und Beobachtungen. «Als Autor ist es meine Pflicht, das zu beschreiben, was tatsächlich ist. Das Exemplarische soll verdeutlicht werden», fügt Valentin Trentin an. Er fühle sich mehr Autor als Schriftsteller, als jemand nämlich, der Recherche für seine Bücher betreibe.

Von barocker Sprache zu dehydrierten Büchern

Trentins Wunsch, die Realität möglichst abzubilden, zeigt sich in den sprachlichen Ausführungen der «Vitaforce-Chroniken». Wird in einem Augenblick noch über das Paretoprinzip – die sogenannte 80/20-Regel aus der Zeitmanagementlehre – sinniert, spricht eine Figur einige Seiten weiter über «die Titten» und «den Hintern» einer Kundin des imaginären Sportstudios. «Es geht in Fitness zwar selten, aber auch mal ungepflegt zu», erklärt Valentin Trentin. Sicher wolle er sich auch sprachlich in seinen Büchern ausleben. Originelle Ausdrucksformen wie Worterfindungen seien sogar schon fast ein bisschen wichtiger als die eigentliche Geschichte.

Das war für den Autor schon immer so. Trotzdem hat sich der Schreibstil von Trentin in den letzten Jahren verändert. «Meine ersten Texte waren fast schon barock, ich schwelgte ausschweifend in der Sprache. Klassischer Anfängerfehler. Die neuen Bücher sind dehydrierter, verknappter.» Dem einfachen Wort zugeneigt, ist der Mann aus Schinznach-Bad aber immer noch nicht, wie dieser kurze Ausschnitt aus dem Buch «Die Vitaforce-Chroniken» zeigt: «Ich bin kein Vogel des frühen Wurms. Ich bin ein unzerstörbarer Morgenmuffel, neige parallel zum Hahnenschrei zu verbaler Tobsucht und liebe die Menschheit nur in Einzelfällen.»

Kriminalromane sind nicht sein Genre

Seit 2013 veröffentlicht Trentin fast jährlich ein Buch. Kaum wurde das letzte im Oktober gedruckt, ist der Autor bereits am nächsten. Worum es geht, möchte er für sich behalten. «Ich weiss noch nicht, ob es etwas wird. Ich habe mich mal an einem Kriminalroman versucht. Da musste ich feststellen, dass es nicht mein Genre ist.» Im Gegensatz zu früher schreibe er nur noch sporadisch statt täglich an seinen Kreationen. Grund dafür seien andere Aufträge und eine neue Arbeitsweise. «Mittlerweile setze ich mich an den Computer, wenn die Idee und ihr Sog da sind. Und dann solange, wie meine Augen vor dem Bildschirm mitmachen», erklärt der Brugger aus dem Ortsteil Schinznach-Bad.

Auf die Frage, ob ihm nicht langsam der Stoff für seine Geschichte ausgehe, muss er lachen. «Nein, nein. Da gibt es definitiv noch genug.» Schliesslich sei Schreiben ein Urbedürfnis. Ansonsten beschäftige er sich doch bloss nur mit alltäglichem Zeug wie Trainieren, Wandern oder andere Leute beobachten. Trentin fügt an: «Was soll ich denn sonst machen, als darüber zu schreiben?»

Hinweis «Die Vitaforce-Chroniken» sind im Oktober 2020 beim Verlag swiboo.ch erschienen.