Wahlen 2011

«Der Angriff der Grünen auf den Ständeratssitz ist chancenlos»

Die Aargauer Grünen wollen in den Ständerat. Einen Kandidaten haben sie noch nicht. Für Politexperten ist aber jetzt schon klar: Wer auch kommt, die Kandidatur ist chancenlos. Gute Karten hätte dagegen SP-Frau Pascale Bruderer.

Wer soll für die Grünen die Kohlen aus dem Feuer holen und sich als Ständeratskandidat bzw. -kandidatin zu Verfügung stellen? «Wollen die Grünen in derselben Liga mitspielen wie die Konkurrenz, kommt nur Nationalrat Geri Müller in Frage», sagt Kommunikationsberater Mark Balsiger. Balsiger ist Autor des eben erschienen Buches «Wahlkampf -aber richtig».

Alle anderen möglichen Kandidaten seien zu wenig bekannt. Das gilt selbst für die aktuelle Grossrats-Präsidenten Patricia Schreiber-Rebmann, die als mögliche Kandidatin gehandelt wird. Sie sei ein politischer Routinier, der Fricktalerin fehle aber eine solide Basis. «Die Region ist deutlich schwächer besiedelt. Ausserdem geben dort SVP und CVP den Ton an», sagt Balsiger.

Zu harte Konkurrenz

Doch wer auch immer für die Grünen antreten wird: Die Chancen, auch gewählt zu werden, sind gering - um nicht zu sagen gleich Null. «Der Angriff der Grünen auf den Ständeratssitz ist chancenlos», erklärt Balsiger klipp und klar.

Grund ist die harte Konkurrenz, die auf die Grünen wartet. Die FDP tritt mit ihrer bisherigen Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist an, die SVP setzt auf Politurgestein Ueli Giezendanner. Beide sind seit Jahren im nationalen Politzirkus aktiv und weit herum bekannt.

Für Spannung sorgen könnte in den Augen von Balsiger dagegen Pascale Bruderer, falls sie erneut für die SP antreten sollen. Bruderer hat sich noch nicht entschieden. Die SP will die Entscheidung spätestens Ende Februar bekannt geben. «Bruderer könnte in diesem Jahr den Ständeratssitz für die vereinigten Linken holen», so Balsiger. Jedenfalls sei die SP diesem Ziel so nah wie fast nie zuvor. Der einzige SP-Ständerat aus dem Aargau gab es zwischen 1944 und 1948. Er hiess Karl Killer. Damals hatte die SP mit gut 36 Prozent allerdings einen doppelt so hohen Wähleranteil wie heute. Heute ist die SVP so stark.

Bringt Bruderer Giezendanners ins Wanken?

Und gerade den SVP-Sitz sieht Balsiger am ehesten gefährdet. «Wenn Bruderer antritt, dann kommt es zum Zweikampf Giezendanner Bruderer. Christine Egerszegi wird wiedergewählt», so Balsigers Prognose.

Eine Ständeratskandidatur könnte sich für die Grünen aber dennoch lohnen. Sie könnten so nämlich zu einem zweiten Nationalratssitz kommen. Vorausetzung dafür ist aber, dass sie zulegen und die SP gleichzeitig an Stimmen verliert. (rsn)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1