Wahlen

Der Aargau wählt am Sonntag Regierung und Parlament: Sechs Dinge, die Sie wissen sollten

Warten auf die Resultate an den Wahlen 2016 im Grossratskeller – coronabedingt sind heuer keine Gäste zugelassen.

Warten auf die Resultate an den Wahlen 2016 im Grossratskeller – coronabedingt sind heuer keine Gäste zugelassen.

Am kommenden Sonntag soll der Kanton ein neues Parlament und vielleicht auch schon einen neuen Regierungsrat erhalten.

Am Sonntag sind im Aargau Gesamterneuerungswahlen von Regierungsrat und Grossem Rat. Um 145 Sitze geht es insgesamt, die für die nächsten vier Jahre vergeben werden. Die brisanten Frage sind, ob die SP ihren Sitz im Regierungsrat verteidigen kann und wie die Kandidatin der Grünen abschneidet.

Vier Bisherige und zwei Neue mit Chancen

Bei Gesamterneuerungswahlen werden alle fünf Sitze des Regierungsrats neu besetzt. Vier der Bisherigen treten zu den Wahlen wieder an: Stephan Attiger (FDP), Markus Dieth (CVP), Jean-Pierre Gallati und Alex Hürzeler (beide SVP). Urs Hofmann (SP) hat Anfang Jahr seinen Verzicht für eine erneute Kandidatur bekannt gegeben. In der Regel haben Bisherige gute Chancen auf eine Wiederwahl. Rainer Huber (CVP) ist der letzte abgewählte Regierungsrat, er schaffte die Wahl 2009 nicht. Stéphanie Mörikofer (FDP) wurde 2000 abgewählt.

Die SP will Hofmanns Sitz mit Dieter Egli verteidigen. Die Grünen wollen mit Christiane Guyer den 2016 an die SVP verlorenen Sitz zurückholen. Aus Aussenseiterpositionen kandidieren Cybel Dickson, Patricia Hegglin und Zoe Sutter (alle Juso), sowie Theres Schöni (LOVB), Pius Lischer (Für Freiheit und Gesundheit) und Stephan Zurfluh (i54.ch).

Mehrheitswahl für den Regierungsrat

Die Regierung wird im Mehrheitswahlverfahren (Majorz) gewählt. Alle Wahlberechtigten können für jeden Sitz eine Person wählen. Im ersten Wahlgang sind alle im Kanton wohnhaften Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wählbar. Gewählt ist, wer das absolute Mehr erreicht. Dieses berechnet sich aus der Gesamtzahl der Stimmen, dividiert durch die Anzahl der zu wählenden Mitglieder, das Ergebnis wird halbiert. Ungültige oder leere Stimmen zählen für das absolute Mehr nicht.

Zweiter Wahlgang am 29. November

Werden im ersten Wahlgang nicht alle fünf Regierungsratssitze besetzt, kommt es am 29. November zu einem zweiten Wahlgang. Dabei können nur noch angemeldete Personen gewählt werden, Neuanmeldungen sind aber zugelassen. Im zweiten Wahlgang ist gewählt, wer am meisten Stimmen hat.

140 Sitze im Parlament, verteilt auf elf Bezirke

Das Aargauer Parlament besteht aus 140 Mitgliedern, die in den elf Bezirken gewählt werden. Die Mandate werden entsprechend der Einwohnerzahl verteilt. Mit Abstand am meisten Sitze hat der Bezirk Baden (30), Aarau und Bremgarten haben je 16, Zofingen 15, Lenzburg 13. Brugg und Rheinfelden besetzen je 10 Sitze, Kulm 9. Die drei Bezirke Laufenburg, Muri und Zurzach stellen je 7 Grossräte.

Die SVP ist derzeit die stärkste Partei im Grossen Rat mit 45 Sitzen, gefolgt von der SP (27) und der FDP (22). Die jetzt im Grossen Rat vertretenen Parteien treten mit Ausnahme der BDP alle wieder an. Ehemalige BDP- Mitglieder kandidieren zum Teil auf der Liste «CVP - Die Mitte». Insgesamt wollen 119 der bisherigen Grossrätinnen und Gross- räte wiedergewählt werden.

Wie wählt man den Grossen Rat?

Die Mitglieder des Grossen Rats werden im Verhältniswahlverfahren (Proporz) gewählt. Parteien oder Gruppierungen können in allen oder nur in einzelnen Bezirken Listen einreichen. Listenverbindungen sind bei den Aargauer Grossratswahlen – anders als bei den Nationalratswahlen – nicht zulässig.

Stimmberechtigte können so viele Stimmen vergeben, wie ihrem Bezirk Sitze zugeteilt sind. Jede Stimme für eine Kandidatin oder einen Kandidaten ist gleichzeitig eine Stimme für die jeweilige Listengruppe. Seit dem Jahr 2009 werden die Sitze nach dem «doppelten Pukelsheim»- System verteilt. Damit sollen kleine Parteien weniger benachteiligt werden. Zuerst werden die Sitze den Listengruppen proportional zugeteilt. Danach werden diese an die einzelnen Listen vergeben.

Gemeindebriefkasten oder Urne

Wer brieflich wählen wollte, hatte bis gestern dafür Zeit, oder aber er bezahlt ab heute das Porto selber: «Den Stimmberechtigten ist es selbstverständlich unbenommen, das Rücksendekuvert an die Gemeinden selber zu frankieren», sagt Regierungssprecher Peter Buri. Das Couvert kann aber bis zum Urnengang auch in den jeweiligen Gemeindebriefkasten gelegt werden, oder man geht am Sonntag direkt an die Urne.

Meistgesehen

Artboard 1