Die Erwartungen haben sich bei weitem nicht erfüllt und die vom Aargau geforderten Änderungen in Organisation, Ausrichtung und Finanzierung sind nicht eingetreten. Darum hat der Regierungsrat die Probemitgliedschaft bei der Standortmarketingorganisation Greater Zurich Area (GZA) auf Ende Oktober beendet.

Es war ein absehbares Ende. Schon im Mai hatte der Grosse Rat einer Verlängerung der Mitgliedschaft bis Ende Jahr nur im Sinn einer letzten Chance zugestimmt, da noch ein Kreditrest von 250000 Franken zur Verfügung stand. Dies durchaus im Einvernehmen mit der Regierung. Wäre es um einen definitiven Beitrittsentscheid mit einem neuen Kredit gegangen, hätte man dem Parlament keinen solchen Antrag unterbreitet, erklärte damals Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. Neben dem Kanton Zürich und dem Aargau als zweitgrösstem Zahler sind sechs weitere Kantone, die Städte Zürich und Winterthur sowie mehrere Grossunternehmen bei GZA dabei. In der fünfjährigen Probemitgliedschaft des Aargaus gingen gerade vier Firmenansiedlungen auf ihr Konto.

Kein messbarer Nutzen

Urs Hofmann leitete selbst eine Arbeitsgruppe, die Verbesserungsvorschläge für die Organisation der GZA erarbeitete. Er drängte auf Änderungen in drei Bereichen: eine leistungsorientierte Finanzierung der GZA, mehr Einfluss auf die Strategie für die an der Finanzierung beteiligten Kantone und Aufbau einer Zusammenarbeit mit der Marketingorganisation Basel Area.

«Bei einer Umsetzung der Verbesserungsvorschläge hätte eine reelle Möglichkeit zu einer Verlängerung der Mitgliedschaft bestanden, aber sie waren im Stiftungsrat der GZA nicht mehrheitsfähig», erklärte Hofmann gestern. So sei das aber undenkbar. Die Regierung müsse überzeugt sein, mit dem investierten Geld für das Standortmarketing auch das Optimum für den Aargau herauszuholen, da stehe man dem Parlament und den Stimmbürgern gegenüber in der Verantwortung. Urs Hofmann: «Einfach aus Solidarität dabeibleiben und ohne messbaren Nutzen zahlen, das hat irgendwann ein Ende.» Bezahlt hat der Aargau immerhin 500000 Franken jährlich, und das war sozusagen ein Schnupperangebot. Bei einer definitiven Mitgliedschaft hätte die GZA Fr. 1.50 pro Einwohner, also rund 900000 Franken verlangt.

Neue Optionen prüfen

Bisher ging man davon aus, dass ein internationales Standortmarketing für den Aargau allein kaum Sinn macht bzw. kaum finanzierbar ist. Das hat sich zwar nicht grundlegend geändert, neben der Zusammenarbeit mit bestehenden Standortmarketingorganisationen wie Basel Area und Greater Zurich Area (bleibt im Fall der geforderten Verbesserungen eine Option) sollen nun aber auch andere Möglichkeiten verfolgt werden: die Schaffung einer neuen Standortmarketingorganisation in der Nordschweiz oder Leistungsvereinbarungen mit privaten Anbietern, die über ein internationales Netz von Agenten in den Zielregionen des Aargaus verfügen. «Wir wollen alle Möglichkeiten seriös evaluieren», so Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. Dazu gehören auch Abklärungen zum allfälligen Verbesserungs- und Erweiterungspotenzial der eigenen Marketingorganisation Aargau Services. In der zweiten Jahreshälfte 2011 sollen dem Grossen Rat die Anträge für das weitere Vorgehen und gegebenenfalls die nötigen Kredite unterbreitet werden.

Es sei nicht zu befürchten, dass der Wirtschaftsstandort bis dahin ohne den allgemeinen Werbeeffekt, den die Mitgliedschaft bei Greater Zurich Area gebracht haben mag, Schaden nehme, so Hofmann.