Meinung
Der Aargau – das ist wahre «World Class»

Die grosse Umfrage über das Selbstbild der Aargauerinnen und Aargauer führte uns vor Augen, dass wir in einem Kanton leben, wo sich die Menschen wohl fühlen. 97 Prozent der Befragten leben gern im Aargau!

Christian Dorer
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Blick auf den Hallwilersee

Blick auf den Hallwilersee

AZ

Nur schlechte Nachrichten seien für Journalisten gute Nachrichten. So lautet ein gängiger Vorwurf. Die az hat diese Woche jeden Tag positive Nachrichten verbreitet – ungeplant: Die grosse Umfrage über das Selbstbild der Aargauerinnen und Aargauer führte uns vor Augen, dass wir in einem Kanton leben, wo sich die Menschen wohl fühlen.

Wer hätte das gedacht: 97 Prozent der Befragten leben gern im Aargau! Um die 90 Prozent charakterisieren den typischen Aargauer als «fleissig», «festfreudig» und «hilfsbereit». Fast ebenso viele haben eine positive Lebenseinstellung: Sie rechnen damit, dass es ihnen in einem Jahr gleich gut oder sogar besser geht als heute.

Diese erfreulichen Resultate decken sich mit objektiv messbaren Kriterien: Der Aargau ist begehrt als Wohnkanton. Attraktive Firmen ziehen hierher. Die Steuerbelastung ist einigermassen moderat. Vor allem aber: Im Aargau findet derzeit ein Babyboom statt. Nur in Appenzell Ausserrhoden haben die Geburten 2010 stärker zugenommen als bei uns. Gibt es ein deutlicheres Zeichen für den Zukunftsglauben?

Der Zürcher Unternehmensberater Klaus J. Stoehlker sagt zu den Umfrageergebnissen: «Im Aargau ist die Schweiz noch in Ordnung.» Diesen Eindruck gewinnt auch, wer am az-Leserwandern teilnimmt: Eine bodenständige Truppe bewandert den Kanton und wird verköstigt von Gemeinden, die ohne Tamtam Gastfreundschaft vorleben. Fragt sich bloss, warum das so kontrastiert zu den dümmlichen Sprüchen, die über den Aargau gemacht werden. Und zur Ignoranz gegenüber unserem Kanton. Plausibel sind zwei Dinge.

Erstens kennen viele den Aargau nur von AKW, Sondermülldeponie und der Durchfahrt – sie wissen nichts von der Schönheit des Hallwilersees, nichts von den kulturellen Leuchttürmen, nichts von den einladenden historischen Altstädten.

Zweitens hat der Aargau kein Zentrum wie unsere Nachbarkantone Zürich, Bern und Luzern. Auch das zeigt die Umfrage: Der Aargauer fühlt sich als Bewohner seiner Region. Er fühlt sich auch als Schweizer, Europäer, Weltbürger. Aber nicht als Aargauer. Das Gebilde Napoleons hat keine einheitliche Identität.

Ist das schlecht? Ein Erfolgsrezept der Schweiz ist ihre dezentrale, föderalistische Struktur. Der Aargau spielt das modellhaft vor. Er ist eine kleine Schweiz in der Schweiz. Ein Raum regionaler Identitäten – mit Bewohnern, die gern hier leben und die wissen, dass die Lebensqualität hier «World Class» ist. Darum ziehen ja auch so viele Zürcher hierher.

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