Gretzenbach
Deckeneinsturz: Nach sechs Jahren kommt der Prozess

Fünf Angeklagte müssen sich ab Montag wegen dem Deckeneinsturz in Gretzenbach vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten. Ihnen drohen Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren.

Beat Wyttenbach
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Deckeneinsturtz einer Tiefgarage in Gretzenbach

Deckeneinsturtz einer Tiefgarage in Gretzenbach

Keystone

Sechs Jahre nach dem Deckeneinsturz von Gretzenbach stehen ab heute Montag fünf Bau- und Planungsverantwortliche vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren im Januar 2006 eingestellt, musste es aber nach einer Beschwerde der Opfer-Angehörigen wieder aufnehmen. Den Angeklagten wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Sieben tote Feuerwehrmänner

Am Samstag, 27. November 2004, ereignete sich das wohl schwerste Feuerwehrunglück der Schweiz. Die Stützpunktfeuerwehr Schönenwerd, der die Gemeinden Eppenberg-Wöschnau, Gretzenbach und Schönenwerd angeschlossen sind, war am Morgen aufgeboten worden, weil eine unterirdische Autoeinstellhalle im Gretzenbacher Staldenacker-Quartier brannte. Noch während die Feuerwehrleute mit Löschen beschäftig waren, stürzte die Decke der Halle ein und begrub zehn Mann unter sich. Drei Feuerwehrmänner wurden mit teilweise schweren Verletzungen geborgen. Laut der Anklageschrift leiden sie heute noch physisch wie psychisch darunter.

Für die Feuerwehrangehörigen Rolf Heller und Beat Weber sowie Rolf Gäumann, Matthias Heider, Michael Hug, Patrick Kalt und Rolf Schmid kam jede Hilfe zu spät. Gegen 18 Uhr desselben Tages konnten sie nur noch tot geborgen werden. Unter grosser Anteilnahme aus dem In- und Ausland wurden die sieben Toten eine Woche später zu Grabe getragen. Zwei Gedenksteine im Staldenacker-Quartier und beim Feuerwehrmagazin in Schönenwerd erinnern an die inzwischen fast sechs Jahre zurückliegende Katastrophe.

Zuerst eingestellt, dann aufgerollt

Die Justiz tat sich schwer mit dem Fall. Obschon bald einmal feststand, dass Planungs- und Baumängel zu dem Unglück geführt haben sollen, gab die Staatsanwaltschaft Mitte November 2005 bekannt, dass allfällige Straftaten verjährt seien. Im Januar 2006 wurde das Verfahren eingestellt.

Inzwischen rollte eine Welle von Überprüfungen solcher Bauwerke über die Region. Anfang Juni 2008 teilte die Staatsanwaltschaft mit, das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten sei eingetroffen. Am 4. November, fast vier Jahre nach dem Unglück, reichte die Staatsanwaltschaft ihre Anklage gegen sechs Planungs- und Bauverantwortliche beim Amtsgericht Olten-Gösgen ein. Es handelt sich um Personen, die im Jahr 1989 an der Erstellung der Einstellhalle beteiligt waren. Einer von ihnen ist inzwischen verstorben. Weitere Verzögerungen ergaben sich, weil gegen die Anklageschrift diverse Beschwerden ans Ober- und ans Bundesgericht eingereicht wurden.

Gefängnis bis zu drei Jahren

Den fünf verbliebenen Angeklagten wirft der Staatsanwalt fahrlässige Tötung, fahrlässiges Verursachen eines Einsturzes und fahrlässige Körperverletzung vor. Bei allen drei Delikten kann eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden.

Fast sechs Jahre nach dem Unglück beginnt nun heute die Hauptverhandlung. Der Prozess wird aufgrund des zu erwartenden Zuschauerinteresses im Stadthaus Olten durchgeführt. Es wird mit sechs bis neun Verhandlungstagen gerechnet, dies bis spätestens 3. Dezember.