Wachstum
Das will der Richtplan des Kantons Aargau

Die Aargauer Regierung schickt die Revision des Richtplans in die öffentliche Beurteilung.

Hans Lüthi
Merken
Drucken
Teilen

«Die Zukunft wird so aussehen, wie wir sie gestalten», sagt die Abteilung Raumentwicklung auf ihrer Homepage und trifft damit den Kern der Sache. Bei der «Gesamtrevision der Aargauer Richtplanung» geht es um dasselbe, nur reisst diese amtlich daherkommende Trockensubstanz niemanden vom Hocker.

Warum muss denn dieser Richtplan überhaupt revidiert werden, da er doch mindestens jährlich «angepasst und fortgeschrieben» wird? «Es geht darum, alles auf den neuesten Stand zu bringen, neue Gesetze zu integrieren, ebenso müssen wir die Forderungen des Bundes einbeziehen», erklärt Landammann Peter C. Beyeler. Der für die Behörden verbindliche Plan umschreibt die Ziele für die Bereiche Siedlungen, Landschaft, Mobilität, Energie, Versorgung und Entsorgung. Sie sind auf einen Blick oder Computerklick zu sehen. Den Hintergrund bilden die Leitbilder und die Planungsberichte des Aargaus.

Basis für verträgliches Wachstum

In der Richtplanung geht es nicht um die Frage, um wie viele zehn- oder hunderttausend Personen unser Kanton in den nächsten Jahrzehnten wachsen soll. Es ist erst das Fundament für alle Massnahmen, welche in aufwändiger Arbeit und enger Tuchfühlung zu Gemeinden und Replas in den nächsten Jahren erarbeitet werden müssen. «Die Instrumente fehlen noch, um Wachstum und Bauerei in die gewünschten Bahnen zu lenken», betont Baudirektor Beyeler.

Zuerst müssten die Fachabteilungen und die politischen Instanzen «die Kriterien dazu in aufwändiger Arbeit entwickeln». Bei den Bestrebungen, eine ausufernde Zersiedlung zu vermeiden, «gibt es keine einfachen Lösungen oder Rezepte», meint der Landammann. Aber er zeigt den Weg dazu auf: «Es braucht regionale und kantonale Regeln. Aber das kommt erst in den nächsten Jahren und ist eine Frage der politischen Akzeptanz», sagt Peter C. Beyeler.

«Mit Boden sorgfältiger umgehen»

Für die Politiker geht es derzeit noch weniger darum, wie stark die Schweiz und der attraktive Aargau künftig bevölkerungsmässig wachsen sollen. Viel entscheidender ist es, dieses Wachstum in die richtigen Bahnen zu lenken – oder eben zu gestalten.

«Wir müssen sehr viel sorgfältiger mit dem Boden umgehen», betont Paul Pfister, Leiter der Abteilung für Raumentwicklung. Damit spricht er breiten Teilen der Bevölkerung aus dem Herzen. An Begehren für zusätzliche Einzonungen mangelt es keineswegs. Auch bei der schon erfolgten Behörden-Vernehmlassung gab es vereinzelt solche Wünsche, die bei der Revision nicht berücksichtigt werden. Verdichtetes Bauen, aber mit Qualitätsregeln, die Nutzung von Industriebrachen und Einzonungen in den Zentren sieht Pfister als Ansätze zur Entwicklung.

Vertiefung und neue Themen

Das Kulturland und die Erhaltung der Fruchtfolgeflächen für die künftige Ernährung ist nur ein Thema, der Richtplan aber deckt alle Bereiche ab. Neben den Bauzonen auch Wirtschaft und Energie, Wald, Wasser und Umweltschutz. Bei den bestehenden Themen geht es um eine Vertiefung, aber es kommen auch neue Themen und Aspekte dazu, betont Pfister und nennt als Stichworte Windenergie, Wildtierkorridore, Agglo-Entwicklungen, High-Tech-Zonen und selbst die Standplätze für die Fahrenden. «Bei über 60 Anträgen prüfen wir weiter, ob wir sie in die Vorlage an den Grossen Rat aufnehmen oder ablehnen sollen», erklärt Paul Pfister zum Ablauf.

Mitwirkung für die Bevölkerung

Die öffentliche Auflage, ab sofort und bis 23. Dezember bei den Gemeinden und im Internet, hat diesen Zweck: Privatpersonen, Parteien, Organisationen und Behörden sollen bei der Revision aktiv mitwirken. Erstmals können die Stellungnahmen online gesendet werden, erwünscht sind kurze, präzise und gut begründete Anträge. Sie werden Anfang 2011 ausgewertet, in neuer Fassung kommt der Richtplan im zweiten Quartal vor den Grossen Rat, der alles genehmigen muss.