Unfälle
Das sind die «Schutzengel» in den Gemeinden

In den Gemeinden stehen über 1200 Sicherheitsdelegierte im Einsatz. Die BfU sensibilisiert ihre Sicherheitsdelegierten nach dem Motto «Stopp dem Absturz».

Marco Wölfli
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Geländer begegnen einem überall. Sei es bei einer Treppe, einer Brücke oder auf dem Sprungturm im Schwimmbad, Geländer in allen Variationen sollen uns vor Stürzen bewahren. Die Höhe, die Breite und die Beschaffenheit der Geländer beruhen auf Normen von Fachverbänden und Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Für die BfU stehen in den Gemeinden 1200 Sicherheitsdelegierte im Einsatz. Meist sind es Bauverwalter, Gemeindeschreiber oder Polizisten, die in ihrer Gemeinde präventiv Unfälle vermeiden sollen.

Markus Zweifel ist als Chef-Sicherheitsdelegierter Zentralschweiz auch für einen Teil der rund 120 Delegierten im Aargau zuständig. Er steht ihnen beratend zur Verfügung und ist ihre Ansprechperson bei der BfU. «Die Sicherheitsdelegierten sind meine Schutzengel in den Gemeinden», sagt Zweifel.

Einmal im Jahr gibt es für die Delegierten einen Weiterbildungskurs. In Frick fand letzte Woche der dritte Weiterbildungskurs im Aargau statt. Das Motto: «Stopp dem Absturz». Die BfU will damit auf die häufigste Unfallursache in der Schweiz aufmerksam machen. 300000 Schweizerinnen und Schweizer stolpern oder stürzen jedes Jahr zu Boden.

Damit diese hohe Zahl verringert werden kann, will Zweifel die Sicherheitsdelegierten für die Problematik sensibilisieren: «Ich will ihnen die Augen öffnen, damit sie sehen, was in ihren Gemeinden verbessert werden kann.» Im Restaurant Rebstock empfängt der vollamtliche BfU-Angestellte Zweifel die zwölf Gemeindevertreter.

Ein Viertel stürzt aus der Höhe

Als professioneller Unfallverhüter hält Zweifel stets die Augen offen. Das Kabel des Beamers wird sogleich als Stolpergefahr erkannt und mit gelb-schwarzem Klebeband am Boden fixiert. Zwar erfolgt nur ein Viertel aller Stürze aus der Höhe, diese sind jedoch meistens gravierend. Aus diesem Grund spielen die Geländer im Weiterbildungskurs von Markus Zweifel eine entscheidende Rolle. Hinter einem profanen Geländer steckt nämlich viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ob irgendwo im öffentlichen Raum ein Geländer montiert werden sollte, legt die BfU mittels detaillierter Richtlinien fest. Dabei spielen die Fallhöhe und die Umgebung genauso eine Rolle wie die Menschen, die über die Brücke oder die Treppe gehen. «An einem Steg bei einem Schwimmbad, wo viele Kinder vorbeigehen, braucht es eher ein Geländer», erklärt Zweifel den Kursteilnehmern.

Werbebande dient als Geländer

Nach der Einführung werden die Sicherheitsdelegierten gefordert. Anhand von realistischen Beispielen, wie einem Sprungturm oder einer Kirchenempore, müssen sie geeignete Sicherheitsmassnahmen ausarbeiten. Die Delegierten Andreas Hollenstein (Möhlin), Richard Stutz (Sulz) und Jakob Glauser (Stein) müssen das passende Geländer für eine Skater-Rampe finden. «Um das richtige Geländer zu finden, müssen wir zuerst die richtigen Grundlagen in unseren Unterlagen finden», sagt Hollenstein, der als Regionalpolizist tätig ist. Sie entscheiden sich schliesslich statt eines herkömmlichen Geländers für eine Werbebande als Schutz vor dem Sturz.

Die drei sind alle in unterschiedlichen Funktionen bei ihren Gemeinden angestellt. Sie sind sich einig, dass das Amt des Sicherheitsdelegierten gut in ihren Arbeitsall-tag passt. «Wir können Dinge aufgreifen, die uns auffallen und so gefährliche Situationen entschärfen», sagt Jakob Glauser. Der Werkhof-Mitarbeiter Glauser reagiert aber nicht nur auf mögliche Unfallquellen, sondern setzt auch auf Prävention: «Ich führe immer wieder aktuelle Aktionen durch. Jetzt, wo es wieder wärmer wird, sind die Gefahren im Schwimmbad sicher ein Thema.» Nachdem die drei Sicherheitsdelegierten ihre Aufgaben gelöst haben, stellt Richard Stutz die Ergebnisse der Gruppe vor. Die ausgewählten Geländer sind korrekt und das Wissen der «Schutzengel» ist aufgefrischt.

Zum Schluss des Weiterbildungskurses gibt Markus Zweifel allen Sicherheitsdelegierten eine Karte im Kreditkartenformat mit. «Da stehen meine Koordinaten drauf. Meldet mir, welche Gefahrenstelle ihr beseitigt habt.» Damit die Sicherheitsdelegierten der Gemeinden möglichst viele Stürze präventiv verhindern, stellt Zweifel Preise in Aussicht.