Schulsystem

Das neue Strukturmodell für Schulen stösst auf Kritik bei Bezirkslehrern

Symbolbild.

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Die Bezirkslehrerschaft wehrt sich gegen die Schulstrukturreform. Sie protestieren gegen die «Wegnahme» eines Jahres. Zudem stehen einige wichtige Punkte im Zentrum des Bedenkens.

Der Verein Aargauischer Bezirkslehrerinnen und -lehrer (BLV) ist alles andere als begeistert von der «Züglete» eines Oberstufen-Jahres auf die Primarstufe. Das neue Strukturmodell mit 6 Jahren Primarschule und 3 Jahren Oberstufe ist zentraler Bestandteil des Reformpaketes «Stärkung der Volksschule Aargau». Das Paket befindet sich zurzeit zwischen erster und zweiter Parlamentslesung. Im nächsten März soll das Volk an der Urne darüber befinden.

Die grosse Mehrheit der Schweizer Kantone hat heute schon das Modell 6/3. Das Schweizervolk hat 2006 mit den neuen Bildungsartikeln an der Urne verlangt, dass alle Kantone dasselbe Strukturmodell haben. Einigen sie sich nicht, kann ab dem Jahr 2015 der Bund eingreifen.

Den Delegierten des BLV, die diese Woche in Aarau tagten, lag ein Positionspapier des Vorstands vor. Tenor: Eine solche Strukturveränderung ist ein massiver Eingriff mit enormen pädagogischen und finanziellen Konsequenzen. Er lohnt sich nur, wenn er Verbesserungen bringt.

«Nein, ich habe nicht über das Papier abstimmen lassen, noch nicht», sagt BLV-Präsidentin Ursula Sauvin. «Der Grosse Rat geht ja nochmals über das Paket. Es ist ein Prüfungsantrag der Bildungskommission hängig, die Auswirkungen auf die Bez seien genau zu untersuchen. Doch die Stimmung im Saal war eindeutig: Hätte ich abstimmen lassen, wäre ein klares Nein herausgekommen.»

Wenn die Bezirksschule ein Jahr hergeben muss, droht einem Viertel der Lehrerschaft die Kündigung oder die Weiterarbeit auf der Primarstufe zu tieferem Lohn – ist der Widerstand also vor allem standespolitisch motiviert? «Das spielt natürlich auch eine Rolle, steht aber nicht am Anfang, sondern erst am Schluss des Papiers», betont Ursula Sauvin.

Einige bedenkliche Punkte

Im Zentrum des Bedenkens stehen für den BLV folgende Punkte: Ein Übertritt in eine neue Stufe ist heikler, wenn sich die Jugendlichen bereits in der Pubertät befinden.

An der Bez unterrichten Fachlehrpersonen mit spezifischer Ausbildung. Primarlehrkräfte können sich kaum in allen Fächern vertiefend weiterbilden – das heisst, im 6. Schuljahr droht ein Bildungsabbau.

In den drei Oberstufenzügen Bezirks-, Sekundar- und Realschule gelten unterschiedliche Lehrpläne. Und in der neuen 6. Klasse? An ihrem Ende sollte der gleiche Level erreicht werden wie jetzt nach der 1. Bez. Sonst droht eine Niveausenkung, Leistungsstarke sind unterfordert.

Die Klassengrössen an der heutigen Oberstufe schwanken zwischen 14 und 22 Jugendlichen. Für die neuen 6. Klassen sind 25 vorgesehen. Die Möglichkeiten für individualisierenden Unterricht sind also schlechter, dies bei grösserer Heterogenität.

Ursula Sauvin: «Irritierend ist für uns, wie das Bildungsdepartement auf unsere Anfragen reagiert: passiv-abwiegelnd. So mache man punkto Lehrplan im Moment nichts, bald komme ja der neue Lehrplan 21.»

Immerhin hat die Regierung die Strukturreform gegenüber dem ursprünglichen Plan um ein Jahr auf 2014 verschoben. Sauvin kontert: «Es ist höchst unsicher, ob bis dann der Lehrplan 21 vorliegt. Und Baselland will die Reform 2015 einführen – müsste man da nicht, mit Blick aufs Fricktal, koordinieren?»

Fazit der Präsidentin: «Die Strukturreform ist rein politisch motiviert. Pädagogisch überzeugt sie nicht. Wir fragen uns einfach: Lohnt es sich, einen Bildungsabbau zu riskieren, nur um die gleiche Fassade wie die anderen zu haben?»

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