«Eigentlich gibt es für uns keine negativen Aspekte, was die Arbeit mit dem Handy betrifft. Ausser vielleicht, dass man einen grösseren Aufwand betreiben muss», sagt Urs Winzenried und lächelt. Er muss es wissen, denn er ist Chef der Aargauer Kriminalpolizei.

Winzenried ist schon lange bei der Kriminalabteilung, genauer gesagt seit 32 Jahren. Er hat vieles gesehen und miterlebt. Er ist froh, dass sich die Technik immer weiter entwickelt: «Die Technik hilft uns massiv bei unseren Aufgaben. Denn viele Handys von heute sind ja wie Computer. So bekommen wir mehr Möglichkeiten, verwertbare Daten zu extrahieren», erläutert Winzenried.

Notsuche mit IMSI-Catcher

Einen wichtigen Stellenwert hat das Mobiltelefon in der Vermisstensuche eingenommen. Wenn Verwandte oder Bekannte heute jemanden vermissen, geht die Polizei meistens ähnlich vor: «Unsere erste Frage lautet häufig: Besitzt die oder der Verschwundene ein Handy? Wenn ja, haben wir die Möglichkeit, dieses zu orten, anstatt wie früher hunderte von Einsatzkräften für die Suche aufzubieten», gibt der 61-jährige Kripochef Einsicht. Wenn die verschwundene Person das Telefon eingeschaltet hat, gestaltet sich die sogenannte Notsuche nicht besonders kompliziert.

Mithilfe einer Handy-Antenne kann das Gebiet, wo sich die Person mit dem Telefon befindet, eingegrenzt werden. Pro Monat führt die Aargauer Kripo im Schnitt eine Notsuche durch. Diese Methode wird jedoch nur bei einer Gefahr für Leib und Leben angewendet.

«Um in der Not den exakten Standort der Person herauszufinden, können wir ein spezielles Gerät benutzen: den sogenannten IMSI-Catcher. Mit diesem lässt sich ein einzelnes Telefon auf wenige Meter genau orten», so Winzenried. In der Schweiz gibt es jedoch nur ein solches Gerät. Dieses hat einen Wert von gegen einer Million Franken. Wenn es zum Einsatz kommt, fahren Spezialisten mit einem Ortungswagen in den entsprechenden Kanton und suchen die Person zuerst per Auto, zum Schluss wenn nötig zu Fuss. Der IMSI-Catcher wird in etwa 10 Prozent der Vermisstenmeldungen im Aargau verwendet.

Handy als Abhörgerät

Neben der Notsuche wird das Mobiltelefon auch bei der Suche nach DNA-Spuren verwendet. «Das kommt jedoch eher selten vor», meint der Kripochef. Aber man könne auf den heutigen Smartphones zum Beispiel Fingerabdrücke, Faserspuren, Haare, Hautresten oder Speichel analysieren. «Diese Hilfsmittel können gegebenenfalls zur Ergreifung eines Täters führen.»

Vermehrt wird das Handy aber als Abhörgerät benutzt. Speziell wenn es ums Bekämpfen des organisierten Betäubungsmittelhandels geht. Doch Winzenried gibt zu bedenken: «Um ein Handy überwachen zu dürfen, brauchen wir in erster Instanz einen Verdacht auf ein schwerwiegendes Verbrechen. Dazu gehören unter anderem Raub, Sexualdelikte oder auch Mord.» Bei einem einfachen Ladendiebstahl darf die Polizei also keine Telefone abhören.

Hinzu kommt, dass diese Art von Ermittlung sehr kostspielig ist und erst als letztes Mittel eingesetzt werden darf. Zuvor werden die klassischen Untersuchungsmethoden angewandt. «Zudem benötigen wir eine richterliche Genehmigung. Erst wenn wir die bekommen, machen wir uns an die Abhörarbeit», zeigt der 61-Jährige die komplexen Bestimmungen bei der Kripoarbeit auf. «Das Handy ist ein wichtiges Beweismittel für die Polizei, wie der Computer auch. Heute gibt es beides in einem, das ist durchaus hilfreich für uns», fügt er zu guter Letzt an.