Coronavirus
Geheimniskrämerei ums Impfen: Wer sich nach den konkreten Zahlen erkundigt, wird vielerorts mit einem «kein Kommentar» abgespeist

Eine positive Ausnahme ist das Altersheim in Seon: Es verrät, wie viele Bewohner und Angestellte sich impfen liessen.

Cynthia Mira
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Im Alters- und Pflegeheim in Seon haben sich rund zwei Drittel der Bewohner und etwa 40 der Angestellten impfen lassen.

Im Alters- und Pflegeheim in Seon haben sich rund zwei Drittel der Bewohner und etwa 40 der Angestellten impfen lassen.

Anja Suter /
Aargauer Zeitung

In den Aargauer Alters- und Pflegeheimen wird seit Anfang Januar geimpft. Doch wie viele Personen lassen sich in den regionalen Alters- und Pflegeheimen impfen? Die Heimleiterinnen und Heimleiter geben sich bei dieser Frage äusserst zugeknöpft. Wer sich nach den konkreten Zahlen erkundigt, wird vielerorts mit einem «kein Kommentar» abgespeist. Verwiesen wird stets an den Aargauer Gesundheitsverband Vaka oder an den Kanton.

Keine Geheimniskrämerei macht das Alters- und Pflegeheim Unteres Seetal in Seon: «Es sind bei uns zwei Drittel der knapp 100 Bewohner, die sich impfen lassen», sagt Heimleiter Emanuel Duso. Die erste Dosis ist verabreicht, die zweite gibt’s Anfang März. Bei den 130 Angestellten seien es rund 40 Prozent, so Duso. Erstaunt haben ihn diese Zahlen nicht: «Es gibt generell kritische Stimmen zum Impfstoff.» Deshalb gebe es auch unter dem Personal solche, die noch zuwarten oder sich generell nicht impfen lassen möchten.

Mit der ersten Impfung wurde im Heim am 2. Februar begonnen. Über grössere Nebenwirkungen habe niemand geklagt, sagt Duso. «Einige Personen hatten Muskelschmerzen rund um die Einstichstelle.» Aber diese seien nach kurzer Zeit wieder verschwunden und würden auch den Nebenwirkungen entsprechen, die sich in Studien zum Impfstoff ergaben.

In anderen Altersheimen sind es über 90 Prozent

Das Altersheim in Seon kam bisher eher glimpflich durch die Pandemie: «Im vergangenen Jahr gab es drei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus», sagt Duso. Im Spätherbst seien sieben Personen erkrankt. Vor Neujahr erhielt das Altersheim dann Unterstützung vom Kanton. Es kam zu Einsätzen des Zivilschutzes, weil gleich mehrere Mitarbeiter coronabedingt ausfielen. «Für diese Unterstützung waren wir sehr dankbar», sagt Duso.

«Es ermöglichte uns, den geregelten Tagesablauf aufrechtzuerhalten.»

Im Vergleich zu ähnlichen Umfragen in anderen Alters- und Pflegeheimen, die bereits von anderen Medien erhoben wurden, sind diese Zahlen zur Impfbereitschaft in Seon eher tief. «Von den Angestellten werden sich über 60 Prozent der Angestellten impfen lassen», wurde beispielsweise der Direktor des Regionalen Pflegezentrum Baden, Hans Schwendeler, im «Badener Tagblatt» zitiert. Genauso viele respektive rund 60 Prozent sind es gemäss demselben Artikel im Alters- und Pflegeheim Wirna Vita AG in Würenlingen. Mit über 90 Prozent sind zudem in beiden Institutionen mehr Bewohner zur Impfung bereit.

65 von 190 Angestellten sind im Sennhof geimpft

Ähnlich wie in Seon sind die Quoten im Altersheim St. Bernhard in Wettingen. Dort haben sich 35 bis 40 Prozent der 120 Angestellten bereits geimpft. Zirka 30 Bewohner von den insgesamt 103 Bewohner wollten sich nicht impfen lassen. Weitere Zahlen liefert eine Umfrage des «Zofinger Tagblatts», die heute publiziert wird. Gemäss dieser Umfrage sind im Pflegeheim Sennhof in Vordemwald von den 110 Bewohner bereits 80 geimpft. Hinzu kommen 15 Bewohner der Alterssiedlung in Vordemwald. Bei den Angestellten sind es mit 65 Impfwilligen von insgesamt 190 deutlich weniger. Etwa 34 Prozent.

«Es gibt Wichtigeres als die reine Quote»

Zur Person

Viviane Stehrenberger

Viviane Stehrenberger

Sprecherin Aargauer Gesundheitsverband vaka

Gründe für die Schwierigkeit an die konkreten Zahlen zu kommen, nennt der Aargauer Gesundheitsverband Vaka: «Die Kommunikationshoheit zu den Impfungen liegt beim Kanton», sagt Sprecherin Viviane Stehrenberger. Es fehle die Basis für konkrete Zahlen. «Es werden keine Zahlen zur Impfbereitschaft in den Altersheimen erhoben», sagt sie. Die Betrachtung der Impfquoten greife auch zu kurz, findet sie. Den Fokus auf solche Zahlen zu legen, sei zu wenig differenziert: «Es gebe Wichtigeres zu betrachten als die reine Quote.» Das Pflegepersonal sei Teil der Gesellschaft.

«Sie leisten derzeit Unglaubliches und haben auch Anrecht, sich frei für oder gegen eine Impfung zu entscheiden.»

Zum Beispiel gebe es auch solche, die den Risikopatienten Vorrang lassen wollen und sich später impfen lassen. Ein vorläufiges Nein zur Impfung bedeutet somit nicht unbedingt eine generelle Abneigung.