Corona
Für viele Brautpaare kommen die Lockerungen des Bundesrates zu spät

Hochzeiten sind bald wieder mit 50 Personen erlaubt. Für eine Weddingplanerin aus Killwangen ist die Saison dennoch gelaufen. Viele Paare wollten das Erlebnis der Hochzeitsvorbereitungen nicht missen, sagt sie. Und das war dieses Jahr nicht möglich.

Zara Zatti
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Ein Fest ganz ohne Einschränkungen: Damit müssen Brautpaare noch warten.

Ein Fest ganz ohne Einschränkungen: Damit müssen Brautpaare noch warten.

Sandra Ardizzone

Viele Paare dürften bibbernd den Worten von Alain Berset gelauscht haben. Ob ihre Hochzeit dieses Jahr wie geplant stattfinden kann oder nicht, hing davon ab, wie weit der Bundesrat Anfang Juni lockern will. Nun steht es fest: An privaten Anlässen wie Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern, die nicht in den eigenen privaten Räumlichkeiten stattfinden, dürfen sich wieder 50 Personen treffen – drinnen und draussen. Eine kleinere Hochzeit wäre also wieder erlaubt.

Viele Paare haben sich aber schon entschieden, dass sie nicht Ja sagen werden. «Die Saison ist gelaufen. Dieses Jahr herrscht tote Hose im Hochzeitsgeschäft», sagt die Hochzeitsplanerin Pelin Ziliotto aus Killwangen. Nur ein Fest im August stehe noch an, alle anderen Paare hätten die Hochzeit auf nächstes Jahr verschoben. «Viele wollen auch das Erlebnis der Hochzeitsvorbereitungen nicht missen, das war dieses Jahr nicht möglich», sagt Ziliotto. Und eine Hochzeit mal eben in zwei Monaten zu planen, schaffen nur die Unkomplizierten: Viele brauchen dafür ein bis zwei Jahre.

Nicht für alle reichen 50 Personen

Ein Paar dürfte sich besonders gefreut haben über die Worte von Gesundheitsminister Berset. Sie heiraten nächste Woche auf dem Schloss Liebegg, einer beliebten Festlocation in Gränichen. Geladen haben sie 40 Gäste – die Hochzeit kann also wie geplant stattfinden. Doch vielen dürften die neuen Bestimmungen nicht reichen. «Die meisten Paare haben eine Gästeliste von 50 bis 80 Personen», sagt Samuel Widmer vom Schloss Liebegg.

Für das Schloss Rued ist der Entscheid des Bundesrats eine Erleichterung. Das Schloss ist ebenfalls eine beliebte Heiratsdestination. «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn noch nicht alles geklärt ist», sagt der Resortmanager Samuel Bachofner. Sie müssten jetzt klären, inwiefern etwa ein Schutzkonzept vorhanden sein müsse. Entscheidend dürfte die Frage des Abstands sein: Eine Hochzeit ohne Tanzfläche kommt für viele Paare nicht in Frage. Auch wenn einige bereits abgesagt haben, werden mehrere Paare noch dieses Jahr auf dem Schloss heiraten: Sie setzten darauf, dass wie im letzten Jahr die Massnahmen im Sommer gelockert werden.

Nach der Kirche muss die Hälfte der Gäste gehen

Auch für die kirchlichen Trauungen gibt es Lockerungen. Neu sind dort 100 Personen zugelassen, denn sie gilt als religiöse Veranstaltung. Das Problem: Sobald die Leute die Kirche verlassen, befinden sie sich an einer privaten Feier. Hat das Paar also 100 Gäste in die Kirche geladen, müssten sie sich nach der Trauung wieder von der Hälfte verabschieden.

In der Kirche muss ein Schutzkonzept vorhanden sein. Bisher mussten alle eine Maske tragen – auch das Brautpaar. Dieses durfte den Mundschutz nur für den Kuss kurz ablegen. Viele haben sich aus diesem Grund dafür entschieden, noch ein Jahr zu warten. «Die jungen Leute tun mir Leid», sagt Peter Michalik von der Katholischen Kirche Aargau. Die meisten Paare hätten die Zeremonie bereits abgesagt.

Auf dem Zivilstandesamt in Aarau gab es Anfang Jahr ein bisschen Stau, weil viele ihre Hochzeit letztes Jahr verschoben haben. Mittlerweile haben sich die Zahlen aber normalisiert und es heiraten wieder gleich viele Paare wie in einem normalen Jahr. Aktuell dürfen in Aarau 11 Personen an der zivilen Trauung teilnehmen – mehr geht wegen der Abstandsregeln nicht.