Aargau/Solothurn
Computerfirma entschuldigt sich bei Schulen nach Werbeschelte

Im Schulblatt, das heute erscheint, steht ein Entschuldigungsinserat der Letec AG. In der vorletzten Ausgabe schalt der IT-Lieferant die Schule und damit seine Hauptkundschaft als Spassverderber.

Thomas Röthlin
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Keystone

«Neue Medien interessieren die Kinder und können dazu beitragen, dass Schule wieder Spass macht.» So wirbt die Letec AG, eine Zürcher Computerfirma mit Filiale in Aarau, im Schulblatt Aargau und Solothurn für den Tablet-PC iPad. Das Inserat erschien am 19. November.

Die Schule müsse «die Kinder wieder neugierig machen, damit sie aus eigenem Antrieb und mit Freude lernen», heisst es weiter. Und: «Der Antrieb wird vielen Kindern erst in Schulen genommen und die vorher vorhandene Vielseitigkeit und Grenzenlosigkeit im Denken und Lernen in Schablonen gepresst.»

«Grosser Fehler»

Warum geht die 1986 von Lehrern gegründete Letec AG auf die Schule los? Und das in sämtlichen Schulblättern ihres Einzugsgebiets, der ganzen Deutschschweiz inklusive Graubünden? Die Firma zählt gemäss Eigenwerbung immerhin «zu den wichtigsten Anbietern von Gesamtlösungen im Schul- und Ausbildungsbereich».

Die Antwort steht im Schulblatt 24/2010, das heute Freitag erscheint. Darin bedauert Letec-Inhaber und -Geschäftsführer Cäsar Heer den «grossen Fehler» und schreibt: «Es war nie unsere Absicht, der Schule oder der Lehrerschaft etwas zu unterstellen», zumal seine Firma bis heute «viele ehemalige Lehrkräfte» beschäftige.

Im vorliegenden Fall ist ein «Fremdtext nicht gegengelesen» und irrtümlich publiziert worden. Der für Marketing und Werbung verantwortliche Hans Obi präzisiert auf Anfrage, es seien mehrere Textvarianten vorgelegen. Man habe einen externen Partner damit beauftragt, «einmal etwas Emotionales zu entwerfen». Leider sei dann der falsche Text in Druck gegangen.

«Wenig geschickt»

Das Versehen hat laut Obi einige zum Teil «erstaunte» Reaktionen aus Lehrerkreisen hervorgerufen. Aus den Kantonen Aargau und Solothurn seien keine Reklamationen bis zu ihm vorgedrungen.

«Der Text ist in der Tat wenig geschickt», sagt Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes. Die Schule verdiene keine Generalschelte. «Zudem ist kaum vorstellbar», so Stöckli, «dass Letec mit diesem Werbetext ausgerechnet bei Lehrpersonen auf Anklang stösst.» Immerhin habe man den Fehler erkannt und entschuldige sich jetzt dafür.