Eine traurige Nachricht: Der Circus Knie hat den Zofinger Stadtrat wissen lassen, dass er auf die geplanten drei Gastspiele im kommenden Jahr auf dem Heitern (Mittwoch, 8. Juli, und Donnerstag, 9. Juli) verzichtet und offensichtlich auch in den folgenden Jahren. «Wir fühlten uns in Zofingen bei jedem Gastspiel stets willkommen. Ob wir in Zofingen in späteren Jahren wieder Gastspiele durchführen können, ist zurzeit noch nicht entschieden», heisst es in dem von Fredy Knie jun. und Doris Knie unterzeichneten Brief.

Schon vor längerer Zeit habe man umfangreiche Optimierungsmassnahmen eingeleitet und die Spielorte hinsichtlich verschiedener ökonomischer und technischer Faktoren wie Sitzplatzauslastung, Kostenaufwand, Platzsituation, technischer Aufwand und Bespielbarkeit der Plätze bei schlechtem Wetter sehr detailliert analysiert, halten die Gebrüder Knie fest. «Die Schlechtwetterperiode im Juli dieses Jahres hat uns auf Wiesenplätzen sehr grosse technische Probleme bereitet. Es sind dadurch enorme Landschäden entstanden, so auch in Zofingen.»

Das Risiko, bei starken Regenfällen ein zweites Mal massive Flurschäden auf dem Heitern mit entsprechend hohen Instandstellungskosten zu verursachen, ist nach einer sorgfältigen Prüfung einfach zu gross, geben die Gebrüder Knie zu bedenken. «Wir bedauern sehr, Ihnen eine Absage erteilen zu müssen, vor allem weil Sie uns Ihre Sympathie Jahr für Jahr bekundet haben. Wir fühlten uns in Zofingen bei jedem Gastspiel stets willkommen», steht im Schreiben an die Behörde.

«Einer der schönsten Standplätze»

Der Circus Knie macht 2015 wiederum Halt in Langenthal, in Olten und in Aarau, erklärt Peter Küchler, Knie-Medienverantwortlicher. Den Entscheid, im nächsten Jahr auf Zofingen zu verzichten, habe man schweren Herzens getroffen. «Der Heitern ist bei gutem Wetter einer der schönsten Zirkus-Standplätze in der Schweiz. Bei schlechter Witterung stellten uns jedoch der Auf- und der Abbau der umfassenden und schweren Zirkus-Infrastruktur, die Platzierung des Fahrzeugparks sowie die Erreichbarkeit für die Besucherinnen und Besucher vor immense zusätzliche Herausforderungen während des zweitägigen Gastspiels. Das Risiko, bei starken Regenfällen, wie in diesem Jahr, Flurschäden mit entsprechend hohen Instandstellungskosten zu verursachen, ist nach einer sorgfältigen Prüfung einfach zu gross.»

Was bezahlte der Circus Knie?

Wie viel der Circus Knie in diesem Jahr an Benutzergebühr zu bezahlen hatte, konnte gestern vonseiten des Stadtrates beziehungsweise seiner Verwaltung noch nicht beantwortet werden. Ebenso auch nicht die Frage, wie viel der Circus Knie für die Wiederherstellung des Platzes zu entrichten und ob der Circus Knie noch weitere Abgaben, Entschädigungen, Gebühren usw. zu begleichen hatte.

Für Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger ist dies ein herber Verlust und nagt an der Standortattraktivität von Zofingen: «Wir hoffen, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Man wird sich um entsprechende Gespräche aktiv bemühen.»

Glücklicherweise ist die Distanz zum nächsten Gastspielort Olten so kurz wie zwischen keinen andern Spielorten auf der umfangreichen Schweizer Tournee, meint Peter Küchler. Die Schützenmatte in Olten ist weniger als zehn Kilometer von Zofingen entfernt und lässt sich für die Besuchenden ungeachtet der Witterungsbedingungen mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen.

Schon im 19. Jahrhundert

1806 gründete der österreichische Arztsohn Friedrich Knie ein Seiltänzer- und Künstlerunternehmen. Ab 1814 traten/treten die Knies regelmässig in der Schweiz auf. Die Seiltänzer und Künstler Knie kamen bald auch nach Zofingen, wobei der Gerechtigkeitsplatz (Niklaus-Thut-Platz) der ideale Ort für Vorführungen aller Art war, namentlich auch für das Spannen des hohen Seils hinauf auf den Stiftsturm. Der Schriftsteller Walther Siegfried (geboren 1858 in Zofingen, gestorben 1947 in Garmisch-Partenkirchen) war ab 1886 als freier Schriftsteller in München und ab 1890 in Garmisch-Partenkirchen aktiv.

Sein Erstling «Tino Moralt» (1889) wurde von den Zeitgenossen als Künstlerroman in der Nachfolge Gottfried Kellers gefeiert. Auch seine späteren Romane und Novellen waren erfolgreich. In seinen dreibändigen Erinnerungen «Aus dem Bilderbuch eines Lebens» schildert er trefflich, wie Zofingen sich Jahr für Jahr auf die Knies gefreut hat, wie die Knie-Kinder mit ihm in die Schule gegangen sind und wie er sich in eine Knie-Tochter verliebt hat, ohne dass diese davon etwas wusste ...