Die Freisinnige Christine Egerszegi aus Mellingen politisiert seit 1995 in Bundesbern. Als Nationalrätin machte sie sich einen Namen als unerschrockene, kompetente Sozialpolitikerin. in ihrem Jahr als Nationalratspräsidentin schaffte sie 2007 im ersten Wahlgang den Sprung in den Ständerat und überrundete stimmenmässig sogar als Erste den Bisherigen Maximilian Reimann.

Die verwitwete Mutter zweier erwachsener Kinder und fünffache stolze Grossmutter kann auch im «Stöckli» ihr Know-how einsetzen. Zahlreiche Geschäfte wurden in diesen vier Jahren beschlossen, nur wenige in Volksabstimmungen gekippt. Aufgrund der Parlamentsbilanz wehrt sich Egerszegi «gegen den subjektiven Eindruck, in Bern sei alles blockiert».

«IV ist kein Sozialhilfeersatz»

Sie ist Vizepräsidentin und ab nächster Legislatur – sofern der Souverän sie nochmals nach Bern schickt – Präsidentin der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Sie ist stolz, dass es auf ihren Anstoss hin in dieser Legislatur gelungen ist, die IV wieder auf sichere Beine zu stellen. Das ging aber nur, betont sie im Gespräch, «weil alle einen Schritt aufeinander zugegangen sind und Ja sagten zur Zusatzfinanzierung, aber auch zu einer Leistungsangleichung».

Und es funktioniert, so Egerszegi, «hat sich doch seither die Zahl der Neurentner halbiert». Die Befürchtung, abgelehnte IV-Fälle wanderten in die Sozialhilfe, traf nicht ein. Es darf auch nicht so laufen. Egerszegi: «Die IV ist weder Ersatz für die Sozialhilfe noch für die Arbeitslosenversicherung. Sie ist ausschliesslich für Leute, die nicht fähig sind, ihr Brot selbst zu verdienen.»

«AHV ist auch künftig garantiert»

Sorgt sie sich angesichts der Demografie nicht um die Zukunft der Sozialwerke, etwa der AHV? Die Schweiz habe nicht nur einen gesetzlichen, sondern auch einen menschlichen Auftrag, fürs Alter zu sorgen, so Egerszegi: «Das Solidarwerk AHV ist bei den Menschen so fest verwurzelt, dass sie wie bisher auch künftig die notwendigen Mittel beschliessen werden. Die AHV ist garantiert.»

Zusätzlich ist Egerszegi in der Verkehrskommission. Wo steht sie im Disput zwischen dem Aargau und dem Bundesrat um die Priorisierung des Chestenbergtunnels? Für Egerszegi ist klar: Wenn der Verkehr zwischen Zürich und Bern ohne den Bau weiterer Zugänge beschleunigt wird, fliegt der Regionalverkehr von der Schiene. Das wäre für den Aargau und seine auf Zubringerlinien zu den Zentren angewiesenen Dörfer und Kleinstädte fatal. Deshalb brauche es höchste Priorität für das Vorhaben. Damit der Aargau nicht von der Schiene fällt.

Stolz ist Egerszegi auf eine Reise nach Kasachstan zu einer OSZE-Versammlung. Sie ging nach dem Volks-Ja zum Minarettverbot als offizielle Vertreterin der Schweiz hin (kein Bundesrat mochte das tun) und erklärte und erläuterte diesen Entscheid und das Funktionieren der Schweizer Demokratie. Sie verwies auch auf Einschränkungen für Christen in muslimischen Ländern. In vielen Gesprächen gelang es, Verständnis für den Schweizer Entscheid zu wecken, erinnert sie sich gern. Der Verfasser des OECD-Berichts, der die Schweiz zuvor für das Minarett-Ja gegeisselt hatte, «grüsst mich seither sehr freundlich». Klar ist für sie in der Islamdebatte, dass eine Anwendung der Scharia in der Schweiz unter keinem Titel infrage kommt. «Da ginge ich auf die Barrikaden», sagt die sonst sehr ruhig wirkende Ständerätin energisch.

In der Debatte über tiefere Mehrwertsteuersätze zur Abfederung der Frankenstärke im Tourismus stimmte Egerszegi Nein. Kein Gast mehr komme wegen eines 5 Franken günstigeren Hotelzimmers. Die Schweiz müsse mit Qualität punkten. Schon vor Jahren wurde für Hotels die Mehrwertsteuer gesenkt. Zwei Monate spürte sie dies als Gast im Preis, dann nicht mehr. Dem Bund fehlte das Geld aber sehr.

Immer noch Groupe de réflexion

Der Ständerat ist für sie immer noch die Groupe de réflexion. Dies entspricht ihr sehr. Das habe der Rat auch gezeigt, als er mit nur zwei Gegenstimmen einen guten Gegenvorschlag zur SVP-Ausschaffungsinitiative erarbeitete, sagt Egerszegi. Man spürt ihre Enttäuschung, dass das Volk dann doch der SVP-Initiative den Vorzug gab. Aber das Ergebnis akzeptiert sie natürlich. Jetzt wird umgesetzt. Keine Frage, Christine Egerszegi möchte gern weitere vier Jahre im Ständerat um Lösungen ringen helfen – wenn sie vom Volk nochmals ein Mandat erhält.