Der Hallwilersee ist im Sommer für viele eine willkommene Abkühlung. Doch am vergangenen Wochenende war Ärger programmiert: Viele Bädegäste haben ihre Autos am Strassenrand oder auf dem Trottoir parkiert und dafür eine Busse kassiert.

Die Polizei betonte, das Parkieren auf den Trottoirs bedeute an neuralgischen Punkten rings um den See ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für den Strassenverkehr und Fussgänger. Der Artikel in der Aargauer Zeitung zum Bussenregime der Regionalpolizei Lenzburg polarisiert die Leserschaft.

Bussenwahnsinn am Hallwilersee: Der Ansturm auf den Hallwilersee war am heissen Sonntag gross. Der Ausflug kann jedoch teuer werden, denn wer wegen voller Parkplätze auf das Trottoir ausweicht wird mit 120 Franken gebüsst.

Bussenwahnsinn am Hallwilersee

Einige Leser zeigen kein Verständnis für die Polizisten, betiteln sie als Steuereintreiber oder finden, dass man in Anbetracht der Gluthitze mehr als ein Auge hätte zudrücken können.

Andere schätzen das Durchgreifen der Polizei. Das Trottoir sei für Fussgänger da, schreibt ein Leser. Wer sich korrekt verhalte, zahle auch keine Busse. Ein anderer pflichtet ihm bei, es könne nicht sein, dass Fussgänger auf die Strasse ausweichen müssen, nur weil Badegäste zu faul seien, einige Meter weiter entfernt zu parkieren.

Repol Lenzburg verteilt weiter Bussen

Wenn am kommenden Wochenende das Thermometer wieder mehr als 30° Celsius anzeigt, dürfte sich am Strassenrand rund um den Hallwilersee ein ähnliches Bild zeigen. Die Parkplatzsituation ist immer wieder Thema: Die Infrastruktur sei schlecht, die Parkplätze oft zu weit weg vom Badeort. Das die Vorwürfe der Badegäste. 

Die Regionalpolizei Lenzburg kennt die Situation: «In Zusammenarbeit mit den Gemeinden sind wir daran, das bestehende Verkehrskonzept weiter auszubauen und zu entwickeln», sagt Ferdinand Bürgi, Leiter der Regionalpolizei Lenzburg. Teil dieses Konzeptes seien die Parkplatzeinweiser, die bereits heute im Einsatz stehen. Zudem seien zusätzliche Parkmöglichkeiten angedacht, die sich allerdings nicht von heute auf morgen realisieren lassen. «Die Spitze werden wir aber auch mit zusätzlichen Parkplätzen nie brechen können», sagt Bürgi.

Die Polizisten werden weiterhin Bussen verteilen, wenn ihnen Parksünder gemeldet werden. «Es ist nicht so, dass wir nichts Besseres zu tun hätten», betont Bürgi. «Aber wenn Anwohner uns anrufen, weil sie nicht mehr zu ihren Häusern kommen oder Kinderwagen auf die Hauptstrasse ausweichen müssen, greifen wir ein.»

Stapo Aarau: «Autofahrer kennen das Gesetz»

Parksünder werden nicht nur am Hallwilersee gebüsst: Beim Schwimmbad im Schachen in Aarau verteilt die Polizei rigoros Bussen, wenn jemand ausserhalb der markierten Parkfelder sein Auto abstellt. «Die Autofahrer kennen das Gesetz», sagt Daniel Ringier, Polizeichef der Stadtpolizei Aarau.

Allerdings habe es nur an Spitzentagen zu wenige Parkplätze, sodass die Badigäste auf weiter entfernte Parkplätze beispielsweise beim Flösserplatz ausweichen müssen. Laut Ringier war dies an Pfingsten 2014 zum letzten Mal der Fall.

Im Zurzibiet wird vor allem rund um die beiden Badeanstalten in Döttingen und Klingnau an Orten parkiert, wo es nicht erlaubt wäre. Polizeichef René Lippuner sagt, die Polizisten würden die Bussen mit Augenmass verteilen und seien wegen der Hitze etwas kulanter. «Wenn aber Autos Kreuzungen oder Zufahrten für Ambulanz oder Feuerwehr blockieren, büssen wir die Fahrer.»

Velo statt Auto würde das Problem entschärfen

Auch in den beiden Badis in Wohlen und Villmergen ist das Problem bekannt: «Es scheint als würden die Leute am liebsten mit dem Auto direkt in die Badi fahren», sagt Peter Christen, stellvertretender Chef der Regionalpolizei Wohlen. Die Polizei würde keine gezielten Kontrollen durchführen, aber im Rahmen der Patrouille bei den Badis vorbeischauen.

Beim Verteilen der Bussen lassen die Polizisten den gesunden Menschenverstand walten: «Parkieren auf dem Trottoir geht nicht und ist gefährlich, weil dann die Fussgänger auf die Strasse ausweichen müssen», sagt Christen. Wenn aber jemand bei der Badi Wohlen sein Auto auf dem Rasen neben dem Parkfeld abstellt, damit niemanden stört und sogar noch ein Parkticket bezahlt, drücke man ein Auge zu.

Am liebsten wäre es Christen, die Leute aus Wohlen und Villmergen würden sich aufs Velo schwingen oder zu Fuss in die Badi gehen.

Keine Badi, keine Probleme

Im Einzugsgebiet der Regionalpolizei Limmat Aare Reuss (LAR) hat es kein Schwimmbad, deshalb machen den Polizisten die Wildparkierer weniger zu schaffen als anderswo im Kanton. Die Badestellen an der Aare sind gemäss Polizeichefin Sabine Richner eher unbekannt und die Badegäste verteilen sich entlang der Aare.

Einzig zum «Reuss-Bädli» in Gebenstorf müssen die Ordnungshüter regelmässig ausrücken: «Die Leute missachten dort das Fahrverbot und werden dafür auch gebüsst», sagt Richner. Während der heissen Tage habe die Repol LAR im Auftrag der Gemeinde und der direkten Anwohner deshalb vermehrt beim «Reuss-Bädli» kontrolliert.

Gar keine Bussen muss die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal rund um die Schwimmbäder verteilen: «Bei den beiden Badis in Würenlos und in Wettingen stehen den Gästen genügend Parkplätze zur Verfügung», sagt Roland Jenni, Leiter der Repol Wettingen-Limmattal.