Zürich
Buschauffeur liest während der Fahrt ein Buch

Unglaubliche Szenen geschehen vorgestern in Zürich. Ein Busfahrer der VBZ tippt während der Fahrt zuerst auf dem Handy herum und beginnt danach ein Buch zu lesen. Dario B. filmt die Szene und veröffentlicht das Video. Ist dies auch im Aargau möglich?

Marco Sansoni
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Es geschieht mitten im Feierabendverkehr in Zürich. Ein Bus der Linie 72 der Verkehrbetriebe Zürich (VBZ) ist unterwegs zum Milchbuck. Dario B.* kommt vom Kino und steigt beim Escher-Wyss-Platz in den Bus ein. B. setzt sich hinter den Chauffeur und bemerkt während der Fahrt, dass neben dem Chauffeur das Handy ständig aufleuchtet. Der Chauffeur empfängt mehrere SMS und schaut diese flüchtig an. An der nächsten Ampel beantwortet er die SMS. Dario B. beginnt zu filmen.

Damit nicht genug: Nach dem Handy nimmt der verantwortungslose Buschauffeur ein kalenderähnliches Buch hervor und blättert darin herum. Rund um den Bus ist der Verkehr dicht. Eigentlich wäre absolute Konzentration gefordert. «Der Verkehr auf der linken Spur war am Stocken. Wäre da ein Fahrzeug ausgeschert, hätte das böse ausgehen können», ist sich Dario B. sicher.

Dario B. schickt sein Handyvideo dem Lokalsender «Tele Züri». Dieser veröffentlicht die Aufnahmen gestern Abend in dessen Nachrichtensendung. Sie stossen auf Unverständnis.

Kein Kommentar vom VBZ

Auf Anfrage von az will heute bei der VBZ niemand Stellung beziehen. Gegenüber «20minuten» sagt der VBZ-Sprecher, dass es für dieses Verhalten keine Entschuldigung gäbe. Laut dem Sprecher wären die Bedingungen für eine fristlose Entlassung nicht gegeben.

In einer solchen Situation ist auch die rechtliche Situation für die Behörden nicht abschliessend klar. Wird jemand SMS schreibend am Steuer erwischt, schreibt die Polizei einen Rapport ans Stadtrichteramt. Dieses prüft den Straftatbestand und erlässt danach einen Strafbefehl. «Dann hat die andere Partei die Möglichkeit, innerhalb zehn Tage Einsprache zu erheben», erklärt Basil Müller vom Zürcher Stastrichteramt gegenüber az online. Am Ende muss das Bezirksgericht über den Fall urteilen. Und dies kann bei einem Schuldspruch teuer ausgehen.

Der Schuldspruch ist aber nicht sicher. «Es gab einmal einen ähnlichen Fall, bei dem ein Autofahrer im stockenden Verkehr die Zeitung las. Er bekam vor Bundesgericht Recht», erzählt Müller. Dieser Bundesgerichtsentscheid sorgte vor ein paar Jahren für Aufsehen. Ob man nun verurteilt wird oder nicht, gefährlich ist die Aktion so oder so, da sind sich alle einig.

Kein vergleichbarer Fall in Aarau

In Aarau sei kein vergleichbarer Fall bekannt, sagt Erwin Rosenast von «AAR bus+bahn». «Einmal wurde ein Fall gemeldet, bei dem während der Fahrt gegessen wurde», so Rosenast. Mit dieser Person wurde diese Situation thematisiert. «Das Fahrpersonal ist jedoch sensibilisiert und weiss, dass es sich während der Fahrt auf die Strasse konzentrieren muss und zudem den Richtlinien des Verkehrsgesetzes untersteht.» (san)

* Name geändert

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