Testkosten, Zertifikatspflicht
«Für Arbeitnehmende liegt so die bestmögliche Lösung vor» – Nationalrätin Irène Kälin ist mit Bundesratsentscheid einverstanden

Arbeitgeber müssen Testkosten übernehmen und für eine Zertifikatspflicht die Arbeitnehmer anhören. Auf die Umsetzung komme es an, sagt die Aargauer Gewerkschafterin und Nationalrätin Irène Kälin.

Eva Berger
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Arbeitgeber müssen ihre Arbeitnehmer anhören, bevor sie eine Zertifikatspflicht einführen. Das ist im Sinne der Gewerkschaften.

Arbeitgeber müssen ihre Arbeitnehmer anhören, bevor sie eine Zertifikatspflicht einführen. Das ist im Sinne der Gewerkschaften.

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Der Bundesratsentscheid vom Mittwoch zur erweiterten Zertifikatspflicht verärgert den Schweizerischen Gewerbeverband und so manchen Berufsverband, allen voran GastroSuisse. Auch die Aargauer Wirte haben sich, laut Gastro Aargau-Präsident Bruno Lustenberger, klar gegen eine Zertifikatspflicht ausgesprochen.

Irène Kälin, Nationalrätin Grüne und Präsidentin Gewerkschaftsdachorganisation ArbeitAargau.

Irène Kälin, Nationalrätin Grüne und Präsidentin Gewerkschaftsdachorganisation ArbeitAargau.

Severin Bigler

Nicht ganz unzufrieden mit dem Bundesrat sind hingegen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Gewerkschaften hatten befürchtet, dass sie bei Zertifikatspflicht an ihrem Arbeitsplatz die allenfalls dazu notwendigen Tests selber bezahlen müssen. Laut Irène Kälin, Grünen-Nationalrätin und Präsidentin des Arbeitnehmenden-Dachverbands ArbeitAargau einer indirekten Impfpflicht entsprochen hätte. Billig sind die Tests nicht, nicht alle Angestellten könnten sie sich leisten, unter Umständen wären sie also gar gezwungen gewesen, eine neue Stelle zu suchen.

Pflicht nur nach Anhörung

Soweit kommt es nicht, falls ein Arbeitgeber einen Test verlangt, muss er die Kosten dafür tragen. Der Bund übernimmt sie nur dann, wenn der Test im Rahmen der repetitiven Tests im Büro stattfindet. Auch bei der Zertifikatspflicht müssen die Arbeitgeber den Arbeitnehmenden entgegenkommen. Diese darf nur eingeführt werden, wenn vorher die Belegschaft angehört worden ist. Irène Kälin sagt:

«Für die Arbeitnehmenden liegt so die bestmögliche Lösung vor, ihnen sollten keine Nachteile entstehen.»

Ihr Optimismus ist aber vorsichtig, noch stehe das alles erst auf dem Papier – aber es komme auf die saubere und diskriminierungsfreie Umsetzung an. Diskriminierung oder Druck auf Arbeitnehmende könne es auch mit den neuen Regeln geben. «Die Aufgabe der Gewerkschaften ist es jetzt, genau hinzuschauen», so Kälin.

Die neuen Regeln betreffen aber auch längst nicht alle Arbeitnehmenden im Kanton. «Es gibt an vielen Arbeitsplätzen gar keinen Grund, eine Zertifikatspflicht einzuführen», so Kälin. Eine grundsätzliche Pflicht wäre auch darum nicht wünschenswert.

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