Region Brugg

Zwischenfazit zum Verkauf von Kunststoff-Sammelsäcken: Das bleibt den Gemeinden vom Plastik

Gefüllte Daetwiler-Säcke beim Entsorgungsplatz in Bözen.

Gefüllte Daetwiler-Säcke beim Entsorgungsplatz in Bözen.

Während die Pilotgemeinden Brugg und Windisch letztes Jahr durch den Verkauf von Kunststoffsammelsäcken mehrere tausend Franken eingenommen haben, kümmert sich Bözen mit günstigeren Säcken sogar um die Entsorgung.

Der Gemeindeverband Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg, der die Kehricht­verwertungsanlage (KVA) Turgi betreibt, stört sich seit Jahren daran, dass private Recyclingunternehmen separate Plastiksammlungen anbieten und die Gemeinden nichts daran verdienen. Denn durch die privaten Kunststoffsammlungen werden weniger Graugutsäcke verkauft, was zu Mindereinnahmen bei den Eigenwirtschaftsbetrieben der Abfallrechnung führt.

Grundsätzlich liegt das Entsorgungsmonopol für Siedlungsabfall bei den Gemeinden. Gestütz auf zwei Gutachten haben deshalb die Stadt Brugg und die Gemeinde Windisch – als erste im Kanton Aargau – vor ein­einhalb Jahren mit der Brugger Entsorgungsfirma Daetwiler AG Konzessionsverträge für ein dreijähriges Pilotprojekt ausgehandelt.

65 Rappen pro Rolle bleibt den Lebensmittelläden

Seit 2019 beziehen die beiden Gemeinden die Kunststoffsammelsäcke bei der Entsorgungsfirma für 21 Franken pro Rolle mit zehn 60-Liter-Säcken. Den Lebensmittelläden in Brugg und Windisch werden die Daetwiler-Säcke von den Gemeinden für Fr. 25.35 verkauft, um sie für 26 Franken an die Konsumenten zu bringen. Von den Sammelsack-Rollen, welche die Kunden für 26 Franken direkt beim ReCenter Brugg-Windisch kaufen, gehen im Rahmen des Projekts je Fr. 2.50 an die Stadt Brugg und die Gemeinde Windisch.

Welches Fazit ziehen die Pilotgemeinden nach dem ersten Betriebsjahr? Sven Schutzbach, Bereichsleiter Hochbau und Umwelt bei der Gemeinde Windisch, mag keine voreiligen Schlüsse ziehen und möchte lieber die dreijährige Pilotphase abwarten. «Im Moment würde ich sagen: Das Projekt ist verhalten gestartet und hat im Jahresverlauf immer mehr Anklang gefunden», sagt er. Vom Daetwiler-Sack-Verkauf gingen 2019 zirka 3500 Franken an die Gemeinde Windisch.

Optimierungspotenzial sieht Schutzbach bei der Sackgrösse: «Diese ist eher zu gross. Je nach Inhalt kann es im Sommer nach kurzer Zeit ziemlich schnell stinken, wenn die Kunststoffverpackung nicht abgewaschen ist.» Seiner Ansicht nach braucht es mehr Sensibilisierungsarbeit für die Bevölkerung. «Besser als Kunststoff zu sammeln wäre es, wenn wir noch mehr auf Kunststoff verzichten könnten. So würde weniger anfallen und der Umwelt wäre auch mehr geholfen», hält Sven Schutzbach fest.

In Frick behält Daetwiler den Konzessionsfünfliber

Auch Bruggs Vizeammann Leo Geissmann kann kein richtiges Zwischenfazit ziehen, weil bei der Stadtverwaltung die Stelle der für dieses Thema zuständigen Projektleitung Umwelt und Energie bis vor Kurzem noch vakant war. Geissmann schätzt, dass der Konzessionsertrag für Brugg im vergangenen Jahr etwa bei 5000 Franken liegen dürfte. Für alle Gemeinden, die mit der Daetwiler AG eine Konzession abgeschlossen haben, gelte das gleiche Konzessionierungsmodell, sagt der Vizeammann.

Welche Gemeinden das genau sind, sagt die Daetwiler AG trotz mehrmaliger Nachfrage aber nicht. Nur so viel: Wenn Kunden die Kunststoffsammelsäcke für 26 Franken pro Rolle im ReCenter Fricktal in Frick kaufen, behält die Daetwiler AG den «Konzessionsfünfliber» für sich, weil mit der Gemeinde Frick kein entsprechender Vertrag abgeschlossen worden ist.

Im Fricktal hat etwa die Gemeinde Bözen einen Konzessionsvertrag mit der Daetwiler AG. Wie Brugg und Windisch bezieht Bözen die Kunststoffsammelsäcke für 21 Franken pro Rolle. Die Kunden zahlen aber nur 24 Franken pro Rolle und somit 2 Franken weniger als in Brugg, Windisch und Frick. Wer den 60-Liter-Sack mit Plastikabfall gefüllt hat, kann ihn beim Entsorgungsplatz in Bözen deponieren. Der Unterhaltsdienst kümmert sich um den Transport der Sammelsäcke zum ReCenter in Frick. Ziel sei es, dass der Transport zur Entsorgungsfirma kostendeckend erfolgen könne, heisst es bei der Verwaltung 3plus. Diese verkauft die Daetwiler-Säcke auch an den Volg-Laden in Bözen, wo die Rolle ebenfalls für 24 Franken oder der einzelne Sammelsack für Fr. 2.50 erworben werden kann.

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