Es war am 16. April 2015, als die Polizei den heute 29-jährigen Beschuldigten aus Brugg festnahm. Der Grund der Verhaftung: Der aus Paraguay stammende Lagerist soll nur wenige Tage zuvor in einer Wohnung in Mönthal eine junge Frau gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Laut Anklage hatte der zig-fach vorbestrafte Aargauer die Geschädigte mit Mafiageschichten psychisch massiv unter Druck gesetzt. So erzählte er ihr, er sei Mitglied einer Gang, die in Brugg Schutzgelder von Kebab-Ständen erpresse und Auftragsmorde für 1 800 Franken pro Opfer ausführe.

Auch bedroht und angespuckt

Unbestritten war, dass der Beschuldigte die Privatklägerin bereits einige Wochen zuvor kennengelernt und immer wieder terrorisiert hatte. So auch am 10. April 2015, als er ihr mitteilte, dass er sie auf den Strich schicken und ihr den Kopf abreissen werde. Am gleichen Tag ging er in der Altstadt von Brugg auf die Frau los und spuckte sie auf offener Strasse an.

Wenig später verlangte er von ihr monatlich 500 Franken und riss auf dem Brugger Parkplatz Effingerhof vom Auto der Geschädigten die Kennzeichen ab und entsorgte das Schild in einem Abfallcontainer.

Laut Anklage zwei Frauen vergewaltigt

Als sich der inhaftierte Aargauer letzte Woche am Bezirksgericht Zürich verantworten musste, standen weitere happige Vorwürfe zur Debatte. So soll er bereits im Mai 2014 eine weitere Frau in Zürich in deren Wohnung vergewaltigt und sexuell genötigt haben. Zudem soll er im Kanton Luzern eine dritte Frau gestalkt und bedroht haben.

Vor Gericht gestand er mehrere Drohungen ein, stellte aber sämtliche Sexualdelikte entschieden in Abrede. Es sei jedes Mal zu einvernehmlichen Geschlechtsakten gekommen, führte er aus und bezeichnete die Beschuldigungen der beiden Geschädigten als Rachehandlungen. Die Zürcherin sei beispielsweise von ihm schwanger geworden und hätte auf eine gemeinsame Zukunft gehofft. Als er abgelehnt habe, sei sie zur Polizei gelaufen, berichtete er.

Staatsanwalt verlangte «kleine Verwahrung»

Der Staatsanwalt verlangte für den Beschuldigten wegen mehrfacher Vergewaltigung, sexueller Nötigung und weiteren Delikten nicht nur eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren, sondern auch eine stationäre Massnahme nach Artikel 59, was die «kleine Verwahrung» bedeutet hätte.

Der Ankläger verwies auf eine schwere Persönlichkeitsstörung des Lageristen, der schon als Kind seine eigene Mutter gehasst habe.  «Sie ging immer fremd und ich fühlte mich von ihr schlicht verarscht», erinnerte er sich auch vor Gericht an seine Kindheit zurück.

14 Monate statt kleine Verwahrung

Die Verteidigung forderte dagegen gewichtige Teilfreisprüche und zog die Belastungen der beiden angeblichen Vergewaltigungsopfer massiv in Zweifel. Der Anwalt verwies vor allem auf das schwankende Verhalten der beiden Frauen, die sich trotz des aggressiven Charakters des Südamerikaners auf ihn eingelassen hatten.

Das Plädoyer des Verteidigers hatte grösstenteils Erfolg. So wurde der Beschuldigte von sämtlichen Sexualdelikten freigesprochen. So zeigten auch die Richter Zweifel an den Aussagen der Opfer. Vor allem sei unverständlich, dass die Zürcherin trotz angeblichen Ängsten ihren Peiniger freiwillig in ihre Wohnung eingeladen habe, erklärte der Gerichtsvorsitzende.

Ganz ungeschoren kam der Aargauer aber nicht davon. So wurde er wegen versuchter Nötigung, mehrfacher Drohung, versuchter Drohung, Beschimpfungen, Tätlichkeiten, sowie Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Abzüglich von 369 Tagen Untersuchungshaft. Wobei das Gericht für die restliche Haftzeit eine ambulante Psychotherapie anordnete. Zudem belegte es den Aargauer bei einer Geschädigten mit einem Kontaktverbot.