Bezirksgericht Brugg
Zwei Roma-Cousinen gingen auf Einbruchstour – nun erhalten sie die Quittung

Wegen eines Einbruchs in ein Wohnhaus sind zwei Kriminaltouristinnen zu einer unbedingten, respektive zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Louis Probst
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Die beiden Einbrecherinnen verschafften sich über die Terrassentür Zutritt. (Symbolbild)

Die beiden Einbrecherinnen verschafften sich über die Terrassentür Zutritt. (Symbolbild)

Thinkstock

«No, no, no», beteuerte die sportliche junge Frau in Jeans, Steppjacke und Turnschuhen auf die Frage von Gerichtspräsident Michael Plattner. Sie gehöre keinem Netzwerk an. Und die Beute hätte sie für sich behalten. Zur Last gelegt wurden der knapp 30 Jahre alten Frau, die in Italien wohnhaft ist und die einer mobilen ethnischen Minderheit angehört, versuchter Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Zusammen mit ihrer Cousine war sie im Oktober letzten Jahres in Windisch in ein Doppeleinfamilienhaus eingestiegen. Das, nachdem das Duo mittels eines Schraubenziehers die Terrassentüre aufgewuchtet hatte, wobei ein Schaden in der Höhe von 1500 Franken entstanden war. Abgesehen hatten es die Cousinen auf Bargeld und Wertsachen. Weil sie nichts vorfanden – ein paar Geldscheine in einer Schale hatten sie wohl übersehen – machten sie sich davon. Wenig später wurde das Duo, das mit einem Auto mit Tessiner Kontrollschildern unterwegs war, von der Polizei angehalten und festgenommen. Seither befinden sich die beiden Frauen in Haft.

Wie schon bei der Einvernahme durch die Polizei gestand die Beschuldigte, die mehrfach einschlägig vorbestraft ist, dass sie mit ihrer Cousine in die Schweiz gekommen sei, um Geld zu beschaffen. Auf Nachhaken des Vorsitzenden erklärte sie, dass man bei der Auswahl der Gebäude einfach habe sicherstellen wollen, dass niemand zu Hause sei. «Wir haben geläutet», meinte sie. Auf die Frage nach dem Auto gab sie an, dass der Wagen jemandem gehöre, den sie «vom Sehen her» kennen würde. «Wir hatten den Besitzer gebeten, uns das Auto zu überlassen», sagte sie. «Er war einverstanden.»

Sie entschuldigt sich beim Opfer

Zum Strafantrag der Staatsanwaltschaft – eine unbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie zehn Jahre Landesverweisung – wollte sie sich nicht äussern. Immerhin entschuldigte sie sich beim Opfer des Einbruchs, das bei der Verhandlung anwesend war.

Die Pflichtverteidigerin beantragte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen, eventualiter eine Freiheitsstrafe von 5 Monaten. Sie machte geltend, dass sich die Delikte «klar im Bereich der Kleinkriminalität» bewegen würden. «Die Anträge der Staatsanwaltschaft sind unter keinen Umständen angemessen», betonte die Verteidigerin. Sie wies auf die Geständigkeit und die tätige Reue ihrer Mandantin hin, aber auch auf deren schwierige persönliche Verhältnisse. «Die Beschuldigte ist in mehr als bescheidenen Verhältnissen als Roma in Italien aufgewachsen und sie konnte keine gute Ausbildung geniessen», stellte die Verteidigerin fest. «Der Sprung in ein stabiles Leben ist ihr nicht gelungen.»

Einen eher zwiespältigen Eindruck hinterliess der Privatverteidiger, der dem Vernehmen nach aus Deutschland angereist war. Immerhin stellte er fest, dass die Delikte, welche die Beschuldigte verübt hatte, «nicht tolerierbar» seien.

«Mehr als Kleinkriminalität»

Das Gericht sprach die junge Frau im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten. Es sprach zudem eine Landesverweisung für die Dauer von 10 Jahren aus. «Man kann hier nicht mehr von Kleinkriminalität sprechen», betonte Gerichtspräsident Plattner. «Von der Schadensumme auszugehen, greift zu kurz.» Vieles spreche dafür, dass eine grosse Zahl von Delikten geplant gewesen sei. Es gehe nicht an, die Vorstrafen zu verniedlichen. Man könne auch nicht sagen, dass die Delikte aus einer Notsituation heraus verübt worden seien. «Das Gericht geht davon aus, dass eine Geldstrafe, die zudem uneinbringlich wäre, nicht angemessen ist», betonte er.

In der anschliessenden Verhandlung wurde die zweite Cousine im sogenannten abgekürzten Verfahren zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Auch sie wird zudem für die Dauer von 10 Jahren des Landes verwiesen. Ihr kam zugute, dass sie offensichtlich nicht vorbestraft ist. Unter Tränen bat sie um möglichst rasche Entlassung aus der Haft, um ihren Sohn wieder zu sehen, der in wenigen Tagen Geburtstag feiern könne.

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