Windisch

«Zwei Pfarrpersonen alleine wären überfordert»: Reformierte Kirche setzt auf drei Pfarrer

Die reformierte Kirche in Windisch.

Die reformierte Kirche in Windisch.

Der Abgang der Pfarrpersonen sowie des Sozialdiakons führte zu Pensendiskussionen an der Kirchgemeindeversammlung in Windisch.

Zweieinhalb Stunden dauerte die Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirche Windisch gestern Sonntag. Der Grossaufmarsch von 124 Stimmberechtigten bezeugte die Bedeutung der Geschäfte. Im Mittelpunkt stand die Pensenfrage Pfarramt/Sozialdiakonie.

Die Kirchgemeinde hat – wie die Präsidentin der Kirchenpflege, Barbara Stüssi-Lauterburg erinnerte – den Austritt des ganzen Pfarrteams zu verkraften: von Edlef Bandixen (Pensionierung), Brigitta Frey (Stellenwechsel), von Patricia und Peter Weigl (Wegzug ins Emmental) und auch von Sozialdiakon Ruedi Kümin, der künftig in einer Kirchgemeinde im Bezirk Baden tätig sein wird.

Befindlichkeiten und Probleme im Team

Der Exodus ist für die Kirchgemeinde ein grosser Verlust. Die Präsidentin dankte den Scheidenden für ihre langjährigen wertvollen Dienste. Auf die Gründe des Auszugs ging sie nicht näher ein, verhehlte aber nicht, dass es innerhalb des Teams Probleme und Befindlichkeiten gab, die sich verschärften.

Zur Überbrückung von Lücken konnten zwei Stellvertreter gewonnen werden: Sonja Zryd (seit September im Einsatz) und Arnold Bilinski (ab Februar 2020). Aufgrund der Ausgangslage prüfte die Kirchenpflege die Reduktion des Gesamtpensums von heute 350%. Die Zahl der Mitglieder der Kirchgemeinde, zu der die Gemeinden Windisch, Hausen, Habsburg und Mülligen gehören, nimmt immer mehr ab und beträgt momentan noch 3100.

Der Antrag zur Kürzung auf 300% ab 1.Juli 2020 fand mit 120 Stimmen eine klare Annahme. Bezüglich Aufteilung der Stellenprozente legte die Kirchenpflege zwei Varianten vor: Modell A mit 230% Pfarramt und 70% Sozialdiakonie, Modell B mit 180% Pfarramt und 120% Sozialdiakonie.

Geteilte Meinung innerhalb der Kirchenpflege

Innerhalb der Kirchenpflege waren die Meinungen geteilt (Stichentscheid der Präsidentin für Modell A), ebenso jene an der Versammlung. Modell A führt zu relativ wenig Veränderungen beim Ist-Zustand, Modell B stärkt mit der Aufstockung des Pensums die Sozialdiakonie, unter anderem die Bereiche Jugendarbeit und Dienst am Mitmenschen.

Die einen Votanten legten grossen Wert auf den Ausbau der Jugendarbeit und des Stellenwerts der Sozialdiakonie. Immer mehr Leute bedürfen der Hilfestellung und Wegbegleitung, hiess es. Andere wiesen darauf hin, dass zur Kirchgemeinde vier Gemeinden gehören, was ein entsprechendes Engagement der Pfarrpersonen bezüglich Kontaktpflege bedingt.

Zwei Pfarrpersonen allein wären überfordert. Von politischen Gemeinden und vom Kanton werde ebenfalls vorzügliche Jugendarbeit geleistet, eine Kirchgemeinde trage hier nicht die Hauptverantwortung, so die Meinung der Votanten.

In der geheim durchgeführten Abstimmung schwang Modell A (230% Pfarramt, drei Pfarrpersonen; 70% Sozialdiakonie, wie bisher) mit 71 Stimmen obenaus, auf Modell B entfielen 53 Stimmen.

Das im Anschluss von Katrin Imholz erläuterte, auf allerlei Unsicherheiten basierende, Budget fand einstimmige Annahme. Das weitere Traktandum, der Beitritt der Kirchgemeinde zur Plattform Kirchen für Konzernverantwortung (Kovi), war innerhalb der Kirchenpflege umstritten.

Walter Leissing plädierte vehement dafür, auch wenn sich die Synode der Landeskirche dagegen ausgesprochen habe. Es gehe bei der Konzernverantwortungsinitiative um die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt. Das Leitbild der Windischer Kirchgemeinde entspreche den Zielsetzungen.

Es entwickelte sich in der Diskussion erneut eine engagierte Kontroverse. Der Antrag auf geheime Abstimmung unterlag, die Versammlung sprach sich alsdann mit grosser Mehrheit – bei 24 Gegenstimmen – für den Beitritt aus.

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