Mülligen

Zwei neue Gemeinderäte sind dringend gesucht — doch niemand erreicht das absolute Mehr

«Mülligen hat seit einigen Jahren Mühe, den Gemeinderat zu besetzen», sagt Gemeindeammann Ueli Graf.

«Mülligen hat seit einigen Jahren Mühe, den Gemeinderat zu besetzen», sagt Gemeindeammann Ueli Graf.

Bis nächsten Mittwoch läuft in Mülligen die Anmeldefrist für die Ersatzwahl – Gemeindeammann Ueli Graf sagt, welche Eigenschaften die Kandidaten mitbringen sollen und weshalb er ein solches Amt empfehlen kann.

Gleich zwei neue Mitglieder sind gesucht für den Gemeinderat Mülligen. Nur: Kandidaten waren bisher keine in Sicht. Im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag konnten die freien Sitze nicht besetzt werden.

Zwar sind fleissig Namen notiert worden auf den Wahlzetteln, insgesamt 78 Mülligerinnen und Mülliger haben Stimmen erhalten. Fünf Personen vereinigten sogar mehr als zehn Stimmen auf sich. Das absolute Mehr von 58 Stimmen aber hat bei weitem niemand erreicht.

Die Arbeit ist anspruchsvoll, vielseitig und lehrreich

Ein zweiter Wahlgang wird deshalb angesetzt auf den 24. November. Die Anmeldefrist läuft bis nächsten Mittwoch, 12 Uhr. Gemeindeammann Ueli Graf ist zuversichtlich, dass sich Kandidaten finden lassen. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», hält er fest. «Es sieht so aus, als könnten noch Anmeldungen erfolgen.»

Wer geeignet wäre für ein solches Amt, sei im Dorf zwar allgemein bekannt, fügt er an. Allerdings: Zwischen «Namen nennen» und «sich zur Verfügung stellen» bestehe ein grosser Unterschied. Die derzeitige Situation ist für den Gemeindeammann nicht neu. Mülligen habe seit einigen Jahren Mühe, den Gemeinderat zu besetzen, führt er aus. Eine eigentliche Auswahl erfolge so jeweils nicht. Wenn sich eine Person melde, dann werde sie gewählt.

Gemeinderat scheine kein erstrebenswertes Amt zu sein, konstatiert Graf. Zu Unrecht, wie er findet. «Die Exekutivarbeit in der Gemeinde ist anspruchsvoll, vielseitig und lehrreich.» Der Kontakt zu den Bürgern sei direkt und unmittelbar. Der Energie- und Zeitaufwand, räumt Graf ein, sei beträchtlich, die Entschädigung eher bescheiden. Aber: «Die Gestaltungsmöglichkeiten des Gemeinwesens – dort, wo diese gesetzlich möglich sind – gehören zu den Sonnenseiten.»

Der Gemeinderat will die Last nicht zu dritt tragen

Kandidatinnen und Kandidaten müssten ein allgemeines Interesse am Staatswesen und an gesellschaftlichen Fragen mitbringen, Lernbereitschaft, soziale Kompetenzen, gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift sowie Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und sich zu exponieren, weiss der Gemeindeammann. Falls nun – wider Erwarten – keine Anmeldungen eingehen, findet kein zweiter Wahlgang statt im November.

Allerdings: Der Gemeinderat würde es, so viel ist für Graf klar, nicht weiter auf sich beruhen lassen, die ganze Arbeitslast zu dritt zu tragen. «In diesem Fall werden wir das Gespräch mit der kantonalen Gemeindeabteilung suchen und mögliche Sofortmassnahmen, aber auch mittelfristige Planungsschritte diskutieren und umsetzen.» Anders ausgedrückt: Es müssten geeignete Massnahmen getroffen werden, um diesen Missstand zu beheben. Denn die Unterbesetzung des Gemeinderats, ergänzt Graf, besteht schon seit Februar dieses Jahres.

Gefragt ist nun also die Bevölkerung: An ihr liegt es, Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten zu finden und zu wählen. «Allenfalls kann zu diesem Zweck eine Findungskommission eingesetzt werden», sagt Graf. Er selber wird sich im Findungsprozess nicht einbringen. «Es widerspricht meinem Demokratieverständnis, wenn der Gemeinderat sich selbst bestellt.»

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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