Dass ab und zu eine Tasse auf den Boden fällt, ist normal. Wenn das aber nicht in einer Küche, sondern in der Galerie Zimmermannhaus Brugg passiert, ist das kein gewöhnlicher Vorgang.

Auf dem Boden kniet eine junge Frau, klaubt Tassenteile zusammen und beklebt diese mit grau-beigefarbenen Krümeln: «Kaugummi», sagt die Künstlerin Lara Russi und lächelt verschmitzt.

Ursprünglich sollte die Tasse auf der Spitze eines kleinen, schrägen Blockes thronen, doch jetzt – wo sie unvermutet gefallen ist – wird sie woanders platziert. Lara Russi will sie auf dem Boden belassen, und damit auf den Galerieraum im ersten Stock des Zimmermannhauses reagieren.

Wie macht sich die Tasse an ihrem neuen Ort? Und: Was macht die Tasse mit dem Zuschauer? Das sind Fragen, welche die junge Frau interessieren. Der Raum bedeutet ihr alles – und deswegen auch die terracottafarbenen Bodenplatten.

Als Lara Russi die Fugen mit dezenten Silberstreifen beklebte, wurde ihr bewusst: «Die sind unterschiedlich breit.» Selbst häufige Galeriebesucher werden das kaum bemerkt haben. Ab Freitag werden sie ein sanftes Glitzern auf dem Boden wahrnehmen und sich fragen: «War das schon immer so?» Eben. Lara Russi will sie mit ihrer Installation «while» leise verunsichern.

Den eigenen Körper erforschen

Explizit solches will der zweite junge Gast, die Künstlerin Marinka Limat, nicht. Sie will die Betrachter ihrer riesigen, gleichsam aus stürmischen Bewegungen geschaffenen Figuren zum Innehalten einladen. Die farbigen und schwarzweissen Bilder wirken skizzenhaft; der Strich verrät eine kraftvolle Künstlerhand. Diese wiederum verrät nichts über die gesichtslosen Figuren.

Erst der Ausstellungstitel «Move it» bringt einen auf die Spur: Jede Figur ist Marinka Limat. Wie das? Nun, die Künstlerin bereitet sich auf eine Reise zu Fuss nach Berlin vor. Dazu trainiert sie ihren eigenen Körper: Der Umgang mit Bewegung setzt sie dann in packende, bewegende Bilder um. (ef)

Zimmermannhaus Brugg Vernissage, 26. April, 19 Uhr; Ausstellung bis 9. Juni.