Wer in den ersten Stock des Salzhauses hochsteigt, bleibt dort abrupt stehen – und das nicht, weil die Puste ausgegangen wäre, sondern weil das zur Schau Gestellte fesselt. Im Gang sind links vorwiegend schwarz-weisse Fotos, rechts abstrakte Bildkompositionen zu sehen. Gegensätze?

Wer den Gang abschreitet und den Kopf immerzu dreht, ist verblüfft. Die Fotos von Ruedi Frey-Durisch korrespondieren vorzüglich mit den abstrakten Bildern von Heiko Hillig und umgekehrt. Wie das? Der grösste Raum mit Werken beider Künstler gibt Aufschluss.

Natur bringt Ordnung ins Chaos

Von Frey ist da etwa ein Baum zu sehen, dessen Ast- und Blättergewirr nach einem Durcheinander anmutet. Irrtum. «Die Natur birgt selbst im scheinbaren Chaos Ordnung», sagt Ruedi Frey. Er muss es wissen, denn der Fotograf ist Biologe. Frey, in Villnachern aufgewachsen, bringt auf den Punkt, worum es ihm geht: «Ich möchte den Begriff der Schönheit neu definieren – im Licht des Chaos.» Ob Flusslandschaften – wie der alte Aarelauf – oder bizarr geformte Steine im Flussbett: Stets werfen die überwiegend schwarz-weissen, mit der Grossbildkamera gemachten Fotos Fragen nach der Natur auf.

Insbesondere dann, wenn Frey mit der Solarisation, der Verfremdung des fotografischen Bildes durch starke Überbelichtung, arbeitet und das auf Bild Gebannte so als entwirrt und zeitlos schön erscheint. Den Fotos stehen Arbeiten von Heiko Hillig gegenüber. Zunächst will man in ihnen primär eine Reihung subtil schattierter, Manchesterstoff ähnelnde Farbstreifchen sehen. Eines ist sofort ersichtlich: das lineare, Ordnung vermittelnde Element: In diesem Punkt findet sich Hillig mit Frey.

«Gehen Sie langsam vorbei»

Lächelnd fordert der Künstler auf: «Gehen Sie ganz langsam an diesem Bild vorbei». Die Besucherin folgt dem Rat und ist baff. Mit jedem Schritt verändern sich die Farben – werden dunkler oder heller. Wie kommt das? Hillig verwendet Wellkarton, auf den er Farbe aufträgt. Danach wird der Karton in Streifen aufgetrennt und wieder aneinandergeschichtet. Aus den Streifen entsteht dann eine Komposition, die – je nach Blickwinkel – verschieden wahrgenommen werden kann. Wichtig: Wer sich die Bilder erschliessen will, muss in Bewegung bleiben: «Wie im Leben auch», sagt Heiko Hillig.

Salzhaus Vom 13. bis 29. Mai. 13.5.: 19–21 Uhr; Mi und Fr: 17–19 Uhr; Sa und So: 14–17 Uhr.