Die Jahresbesoldungen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder zu vergleichen, ist ein schwieriges Unterfangen. Variieren doch die Grössen und Aufgaben der 25 Gemeinden im Bezirk erheblich: Die 280-Seelen-Gemeinde Elfingen hat andere Herausforderungen zu meistern als beispielsweise die Stadt Brugg mit über 11 000 Einwohnern.

Nicht nur die Gemeinderäte und Vizeammänner engagieren sich zum grössten Teil nebenamtlich, auch bei den Ammännern haben die wenigsten Amtsträger ein klar definiertes Pensum mit einem entsprechenden Lohn. Das einzige Vollzeitpensum hat der Brugger Stadtammann Daniel Moser mit einem Jahreslohn von 220 000 Franken (plus 1000 Franken Spesen) inne.

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Ebenfalls einen sechsstelligen Betrag bezieht Gemeindeammann Heidi Ammon in Windisch. Ausgehend von einem 70-Prozent-Pensum resultiert ein Jahreslohn von 101 000 Franken. Auffällig ist, dass sowohl die Basisentschädigung für den Vizeammann wie für die übrigen Exekutiv-Mitglieder in Windisch höher angesetzt ist als in der Stadt Brugg. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die Besoldungen in Windisch zu Beginn der laufenden Amtsperiode deutlich angehoben wurden (beim Ammann von 72 000 auf 101 000 Franken).

In Brugg wurden die Entschädigungen letztmals durch den Einwohnerrat im Mai 2009 für die Amtsperiode 2010/2013 erhöht.

Basislohn ist noch nicht alles

Komplexe und zunehmende Aufgaben sowie wachsende Schwierigkeiten, geeignete Persönlichkeiten für die Milizämter zu finden, haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass viele Gemeinden über die Bücher gegangen sind. So wurden für die laufende Amtsperiode in den Gemeinden Birr, Bözen, Elfingen, Hausen, Mülligen, Riniken und Villigen die Entschädigungen nach oben angepasst und im Fall von Elfingen teilweise mehr als verdoppelt.
Handlungsbedarf besteht laut Gemeindeammann Richard Plüss in der Gemeinde Lupfig. «Wir haben die Besoldungen seit drei Legislaturen nicht mehr überarbeitet.

Kommt der Zusammenschluss Lupfig-Scherz, wird sie sowieso neu geregelt», so Plüss. Die Jahrespauschalen umfassen in der Regel die ordentlichen Sitzungen mit Aktenstudium, die Teilnahme an Gemeindeversammlungen inklusive Vorbereitungen sowie die Ressortleitung. Zusätzliche Sitzungen oder Begehungen werden meistens separat entschädigt im Stundenlohn, als Sitzungs-, Halbtages- oder Tagespauschale.

Die erste Gemeindeversammlung der fusionierten Gemeinde Schinznach hat im November 2013 die Gemeinderatsbesoldungen der ehemaligen Gemeinde Schinznach-Dorf übernommen. Sie wurden wenige Jahre vor dem Zusammenschluss mit der Gemeinde Oberflachs neu geregelt. Die für eine Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern relativ hohe Ammann-Entschädigung von jährlich 35 000 Franken beinhaltet neben der Ratstätigkeit auch Repräsentationsaufgaben innerhalb der Gemeinde.

Dazu gehören die Teilnahme an Vereinsveranstaltungen, an Jungbürger-, Schulschluss- und Bundesfeiern sowie Neujahrsapéro, Feuerwehrschlussprobe oder die Gratulationsbesuche. In Scherz beispielsweise sind diese Engagements nicht inbegriffen und werden separat abgerechnet.

Renate Gautschy warnt

Was sonst noch an Spesen (Telefon, Kilometerentschädigung etc.) abgegolten wird, haben die Gemeinden ebenfalls unterschiedlich geregelt. Da reicht die Bandbreite von keinen zusätzlichen Spesen bis zu Pauschalen in der Höhe von 1000 Franken. In den meisten Fällen wird nach Aufwand entschädigt.

Renate Gautschy, Ammann von Gontenschwil und Präsidentin der Gemeindeammännervereinigung im Kanton Aargau, warnt aufgrund der erwähnten Beispiele vor einem Lohnvergleich zwischen den Gmeinden. Schon der Vergleich zwischen den 270 000 Franken des Badener Stadtammanns Geri Müller und den 227 000 Franken der Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech sei schwierig, weil man weitere Aspekte wie Verwaltungsratshonorare im Amt, Abgangsentschädigung und Ferien berücksichtigen müsse.