Zusammenschluss Birrfeld
Das Geld aus dem Kiesabbau macht der Gemeinde Mülligen Mut – Kritik an Fusionswunsch wird laut

Leser Alfred Studerus findet, dass das Bejahen einer Fusion in seiner Gemeinde nicht so klar sei, wie es kürzlich dargestellt wurde. Nachdem der Gemeinderat ab der neuen Amtsperiode 2022 wieder komplett ist, könnte sich in Mülligen gegenüber der Umfrage vom Sommer eine Trendwende betreffend Fusion abzeichnen.

Claudia Meier
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Der Kies im bald erweiterten Materialabbaugebiet bringt der Gemeinde Mülligen zusätzliche Einnahmen.

Der Kies im bald erweiterten Materialabbaugebiet bringt der Gemeinde Mülligen zusätzliche Einnahmen.

Claudia Meier
(27. Mai 2020)

Mit einer Umfrage vor den Sommerferien wollten die Gemeinderäte von Birr, Birrhard, Habsburg, Lupfig und Mülligen herausfinden, was die Bevölkerung von einer grösseren Gemeindefusion im Birrfeld hält. Die von der beauftragten AWB Comunova AG erstellte Auswertung wurde Anfang Oktober den Medien und am Samstag, 23. Oktober, auf dem Flugplatz Birrfeld allen Interessierten vorgestellt. Eine Grossfusion wurde von den Umfrageteilnehmenden mehrheitlich begrüsst. Einzig aus Habsburg kam eine deutliche Ablehnung.

Der Umstand, dass an der Infoveranstaltung am Samstag von den knapp 90 Personen im Publikum fast ein Drittel – genau 29 – aus Mülligen stammte, zeige das deutliche Interesse seiner Gemeinde am Thema, schreibt Alfred Studerus in einem Leserbrief. Obwohl 75 Prozent der Umfrageteilnehmenden aus Mülligen angegeben hatten, eine Fusion zu bejahen, heisse das nicht, dass sie den Zusammenschluss Birrfeld befürworten.

Von Holcim fliesst 20 Jahre lang Geld in Gemeindekasse

Alfred Studerus zitiert aus seinen Notizen die Annahme von Vizeammann Stefan Hänni, der auf dem Flugplatz auf die während der Umfrage spezielle Situation von Mülligen mit nur zwei Gemeinderäten ab 2022 hinwies, welche mit ein Grund für das Resultat von Mülligen gewesen sein könnte. Hänni, der ab 2022 Gemeindeammann von Mülligen ist, erklärte aufgrund der sich in den letzten Wochen veränderten Ausgangslage: «Ab nächstem Jahr ist der Gemeinderat wieder vollständig.»

Stefan Hänni ist aktuell Vizeammann und ab 2022 Gemeindeammann von Mülligen.

Stefan Hänni ist aktuell Vizeammann und ab 2022 Gemeindeammann von Mülligen.

Bild: Claudia Meier

Auch aus finanzieller Sicht bleibe Mülligen selbstständig. Durch den Vertrag mit Holcim, «Lindenacher Ost», fliessen laut dem Vizeammann während über 20 Jahren regelmässig Beiträge in die Kasse von Mülligen. In einigen Jahren dürfte «Lindenacher West» ein finanzielles Thema werden. Weiter informierte Stefan Hänni, dass am runden Tisch mit dem Gemeinderat vom 5. Oktober von den 20 Besuchern kein Einziger einer Fusion Birrfeld zustimmen würde und in Mülligen sich eine Trendwende betreffend Fusion Birrfeld gegenüber der Umfrage abzeichnen könnte. «Der jetzige Gemeinderat ist sich betreffend einer Fusion Birrfeld nicht einig», schildert Alfred Studerus die Aussage Hännis. Für einen Kredit zum Ausarbeiten eines Fusionsvertrags bräuchte es auf jeden Fall zuerst das Ja des Stimmvolks. Zum Informationsanlass fügt Alfred Studerus an:

«Aus zeitlichen Gründen konnten sich leider nur sechs Personen zu Wort melden.»

Ein Teilnehmer habe mit Recht die subtile Suggestionsmethode dieser Umfrage kritisiert, so der 71-Jährige. Studerus setzte sich vor drei Jahren in der IG Mülligen-Birrfeld stark dafür ein, dass für die Entschädigungen vom Kiesabbau für die Gemeinde Mülligen erfolgreicher verhandelt wird.

Stärkere Ausrichtung nach Windisch und Birmenstorf

Von den 1100 Einwohnerinnen und Einwohnern waren in Mülligen 725 berechtigt, an der Umfrage zum «Zusammenschluss Birrfeld» teilzunehmen und 295 oder 40,7% machten davon Gebrauch. Laut dem Auswertungsbericht wurde von elf Personen angemerkt, dass Mülligen eher nach Windisch oder Birmenstorf ausgerichtet sei und/oder diese Optionen auch in Betracht zu ziehen seien. Vereinzelt wurde die Erhöhung des Steuerfusses befürchtet oder die Abschaffung der Ortsbürgergemeinde sowie der Erhalt des Schulstandorts gefordert.

Gemeinde Windisch suchte die Zusammenarbeit

Für das Projekt «Zusammenschluss Birrfeld» werden Anfang 2022 vertieftere Abklärungen und eine Finanzanalyse durchgeführt. An den Kosten von zirka 30000 Franken wird sich der Kanton mit je 5000 Franken pro Gemeinde beteiligen. Der Rest wird laut Ammann Richard Plüss aus Lupfig unter den verbleibenden vier Gemeinden aufgeteilt. Die Gemeinde Windisch hat Mülligen schon – analog dem Steueramt – angeboten, bei Bedarf in den Bereichen Finanzen, Gemeindeverwaltung oder Bauamt nach Lösungen zu suchen. «Bis dato wurden wir nicht kontaktiert», sagt Gemeindepräsidentin Heidi Ammon aus Windisch. Eine Zusammenarbeit mit Mülligen besteht bei Schule, Friedhof, Alter und Rewa. (cm)

Apropos Steuerfusserhöhung: Diese Woche wurde bekannt, dass der Gemeinderat Lupfig an der Gmeind dem Stimmvolk eine massive Steuerfusserhöhung von 96 auf 110% beantragen wird.

Zurück nach Mülligen: Nachdem ab 2022 eine Sachwalterschaft drohte, liessen sich doch noch fünf Personen in den Gemeinderat wählen. Die drei Frauen und zwei Männer wollen bald neue Akzente setzen.

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