Brugg
Zum letzten Mal wurden die Goldvreneli überreicht

Alice Müller feierte gestern ihren hundertsten Geburtstag. Sie hat keine Familie mehr, die sie an diesem besonderen Tag besuchen kommt. Umso mehr freut sie sich über den Besuch vom Stadtammann Daniel Moser und Bezirksammann Samuel Sumi.

Erina Allmendinger
Merken
Drucken
Teilen
Alice Müller freute sich sehr über ihren Besuch vom Stadtammann Daniel Moser (vorne) und Bezirksammann Samuel Sumi (hinten).

Alice Müller freute sich sehr über ihren Besuch vom Stadtammann Daniel Moser (vorne) und Bezirksammann Samuel Sumi (hinten).

Erina Allmendinger

Mit zwei riesigen Blumensträussen betraten die Männer das Zimmer im Alterszentrum Brugg. Auf die Frage, was ihr Rezept für ihr hohes Alter sei, antwortete sie: «Wenn ich das wüsste, würde ich vielleicht noch viel älter werden.»

Bedauern auch bei Daniel Moser

Neben Blumen erhielt Alice Müller auch zwei Goldvreneli. Sie ist damit die Letzte, welche dies noch erlebt. «Mit der Abschaffung der Bezirksämter geht auch die alte Tradition der Goldvreneli verloren», sagt Samuel Sumi. Dieser bedauert das sehr: «Ich finde es schade, dass ich diesen Menschen nicht mehr gratulieren kann. Sie haben sich immer sehr gefreut, wenn der Bezirksammann im Auftrag des Regierungsrates gratuliert hat.»

Der Kanton konnte niemanden finden, der diese Aufgabe in Zukunft übernimmt. «Dafür bringen wir den Leuten jetzt einen doppelt so grossen Strauss», witzelt Daniel Moser. Als Samuel Sumi die Vreneli an Alice Müller übergibt, sagt sie: «Jetzt habe ich schon gedacht, dass seinen die zwei Ringe, die ich hier im Zimmer verloren habe.»

100 Jahre sind eine lange Zeit

Trotz des stattlichen Alters geht es Alice Müller gesundheitlich immer noch gut. Im Moment sitzt sie im Rollstuhl, normalerweise kann sie aber mithilfe eines Rollators selber gehen. «Ich bin vor einpaar Tagen umgefallen und habe dabei mein Bein verletzt», sagt sie.

Alice Müller ist in Brugg aufgewachsen. Ihrer Familie gehörte das Militärartikelgeschäft gegenüber vom Restaurant Freihof in der Vorstadt von Brugg. «Ich habe dort Militärartikel an junge Soldaten verkauft. Die anderen Mädchen waren immer ein bisschen neidisch auf mich», erzählt sie und lacht.

Später hat Alice Müller in Zürich geheiratet und dort 50 Jahre lang in einer Einzimmerwohnung gelebt. Vor zwei Jahren kam sie zurück nach Brugg, um mit ihrer Schwester im Alterszentrum zu wohnen. Diese ist aber vor einem Jahr gestorben. «Früher habe ich immer gesagt, das ist mein Brugg. Heute kann ich das nicht mehr sagen, es hat sich so viel verändert hier», sagt Alice Müller.