Er gebe es offen zu, er habe sich in den letzten fünf Jahren vom Saulus zum Paulus gewandelt, sagte Kirchenpflegepräsident Hans Schilling am Dienstagabend an der Versammlung der römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg. Im Jahr 2014 sei er als Kirchenpfleger der Treiber gewesen hinter dem Abrissplan für das Laubsägelihuus. Nachdem sich gegen dieses Vorhaben heftiger Widerstand aus der Bevölkerung abzeichnete und sich auch die kantonale Denkmalpflege noch einschaltete, liess die Kirchenpflege damals den Kreditantrag allerdings von der Traktandenliste streichen und kündigte an, eine Sanierung nochmals genau zu prüfen.

Das ist inzwischen geschehen. Vizepräsident Leo Grünenfelder stellte das Nutzungskonzept vor, wie es vom beauftragten Brugger Architekturbüro Liechti Graf Zumsteg erarbeitet worden ist. Gleichzeitig soll auch der Aussenraum eine Aufwertung erfahren in Form eines kleinen gepflästerten Platzes. Grünenfelder erwähnte, dass die Stadt Brugg im Rahmen der laufenden Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung darauf verzichten wolle, das Laubsägelihuus unter Schutz zu stellen. Dennoch würde bei einem Abbruch und Neubau die kantonale Denkmalpflege wieder mitreden. Nach einer lebhaften Diskussion hiessen die 66 anwesenden Stimmbürger (von 9976) den Kreditantrag in der Höhe von 1,152 Millionen Franken für die Sanierung des Laubsägelihuus inklusive Provisorium für die bisherigen Büroräumlichkeiten mit 54 Ja- zu 5 Nein-Stimmen gut.

Vorgesehen ist, die Totalsanierung und Aufwertung zwischen Mai und November 2020 zu realisieren. Das Laubsägelihuus ist der letzte erhaltene Vertreter des Brugger Chaletbaus. Er stammt aus dem Jahr 1899 und wurde 1900 von der röm.-kath. Kirchenbaugesellschaft, dem Vorläufer der Kirchgemeinde, erworben. Bis zur Einweihung der Kirche St. Nikolaus 1905 wurden darin Gottesdienste gefeiert und Religion unterrichtet. Danach diente das Laubsägelihuus bis 1925 als Pfarrhaus.

Aus Wohnung werden Büros

Aktuell befinden sich im Erdgeschoss schlecht isolierte Büros und im Obergeschoss eine nicht zonenkonforme Wohnung, in der Asylbewerber leben. Künftig gibts im Laubsägelihuus nur noch Büros und Sitzungszimmer. Über eine Rampe wird das Erdgeschoss für Rollstuhlfahrer erschlossen. Das ist Vorschrift. 

In der Diskussion fragte eine Frau: «Für fünf Büros über 1,1 Millionen Franken zu investieren, ist viel. Könnte man das Häuschen nicht doch abreissen?» Architekt Lukas Zumsteg erklärte: «Wir können keinen Neubau realisieren. Zieht man vom Gesamtkredit die Kosten für die Umgebungsarbeiten und das Provisorium ab, so kostet die Haussanierung weniger als 1 Million Franken.» Wirtschaftlich lohne es sich aber dennoch nicht, sagte ein Stimmbürger. «Es ist ein teures Projekt, das man ablehnen sollte.» Ein Einfamilienhaus habe eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren, sagte Kirchenpflegepräsident Hans Schilling. Das Laubsägelihuus sei über 100 Jahre alt und noch nie total saniert worden. «Jetzt machen wir aus dem kleinen Haus ein Schmuckstück für die nächsten 30 bis 50 Jahre, welches das Stadtzentrum bereichert. Natürlich sind das eher teure Arbeitsplätze, da müssen wir uns nichts vormachen», so der Präsident.

Kita Tatzelwurm wird erweitert

Weiter sagten die anwesenden Stimmbürger Ja zur Kreditabrechnung «Umsetzung Ausführungskonzept Geschichte» im Betrag von Fr. 226 840.05. Der Kredit wurde um Fr. 15 840.05 überschritten, weil das Buch umfangreicher als angenommen ausgefallen ist. Stimmbürger René Hänggi, der sich vor fünf Jahren dafür eingesetzt hatte, dass das Buch ins Internet kommt, sprach allen Beteiligten für die gute Umsetzung ein Riesenkompliment aus.

Mit einem Kostendach von 38 500 Franken wird das Kirchenzentrum St. Niklaus Brugg einer Zustandsbeurteilung durch Fachleute unterzogen. Es geht um die Kirche mit den Sälen im Untergeschoss, den Kirchturm mit dem stark verrosteten Glockenstuhl und das Pfarrhaus mit dem oberen Pfarrsaal. «Es gibt ein Massnahmenpaket mit allfälliger Priorisierung», sagte Vizepräsident Leo Grünenfelder. Und zum Schluss wurde für die Erweiterung der Kindertagesstätte Tatzelwurm in einer zusätzlichen Wohnung am Erlenweg ein Kredit von 22 000 Franken genehmigt.