Abstimmung
Zu teuer: Sanierungsprojekt für Badi Schinznach geht zurück zum Absender

Der Souverän von Schinznach-Bad sagt an der Urne deutlich Nein zum Badi-Kredit von 1,1 Mio. Franken. Für 4,72 Mio. Franken hätte die 60-jährige Badi saniert und attraktiver gemacht werden sollen. Drei von vier Gemeinden hiessen das Projekt gut.

Claudia Meier
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Sprungturm, neues Bassin und Rutschbahn: Das Sanierungs- und Erweiterungsprojekt der Badi Schinznach muss nochmals überarbeitet werden.

Sprungturm, neues Bassin und Rutschbahn: Das Sanierungs- und Erweiterungsprojekt der Badi Schinznach muss nochmals überarbeitet werden.

zvg

Das Stimmvolk von Schinznach-Bad hat am Sonntag mit 273 Nein- zu 184 Ja-Stimmen den Investitionskreditanteil für die Sanierung und Erweiterung des Freibads Schinznach in der Höhe von 1,105 Mio. Franken abgelehnt. Rückblick: Das den Gemeinden Schinznach-Bad, Schinznach, Scherz und Veltheim gehörende Schwimmbad an der Aarebrücke wurde im Mai 1954 eröffnet.

Für die Sanierung und Erweiterung wurde mit Kosten für alle vier Gemeinden von insgesamt 4,72 Mio. Franken gerechnet. In Schinznach-Bad kam gegen den an der Gemeindeversammlung gutgeheissenen Kreditanteil von 1,105 Mio. Franken das Referendum zustande.

Nachbargemeinden: «Grosses Bedauern»

An der Badi Schinznach sind auch die Gemeinden Scherz, Schinznach und Veltheim beteiligt. Die Ammänner nehmen das Resultat von Schinznach-Bad mit Bedauern zur Kenntnis. «Wir müssen nun zusammensitzen und einen neuen Weg finden», sagt Urs Leuthard, Gemeindeammann der neuen Fusionsgemeinde Schinznach. Weil der Ortsteil Oberflachs bisher nicht an der Badi beteiligt war, hätte Schinznach mit der Übernahme von 2,03 Mio. Franken einen Solidaritätsbeitrag an die Gesamtkosten von 4,72 Mio. Franken geleistet, betont er. «Wir hatten ein vernünftiges Projekt mit einem massvollen Ausbau. Nur schon der Status quo würde über 3 Mio. Franken kosten», sagt Gemeindeammann Ulrich Salm von Veltheim. Es dürfe nicht sein, dass die Solidarität unter den Gemeinden abnehme und gemeinsame Projekte nur noch punktuell unterstützt würden, so Salm. «Alle vier Gemeinden müssen nun baldmöglichst ihre Positionen neu definieren», sagt Gemeindeammann Hans Vogel von Scherz. Wegen knapper Finanzen hätte sich Scherz nur an der Sanierung, nicht aber an der Erweiterung, beteiligt. (cm)

Christoph Fuhrer vom Referendumskomitee «IG Schwimmbadkredit vors Volk» ist zufrieden mit dem Abstimmungsresultat: «Wir haben auf dieses Resultat gehofft, in dieser Deutlichkeit aber nicht erwartet. Wir sind für die Sanierung des Schwimmbads . Das Projekt hat aber noch Sparpotenzial. Es geht um die Finanzen von Schinznach-Bad.» Gemäss Fuhrer sollen nun die vier Gemeinderäte entscheiden, wie es weitergeht.

Auf Mitgestaltung verzichtet

Gemeindeammann Oliver Gerlinger aus Schinznach-Bad sieht das anders: «Dieses Resultat überrascht mich schon.» Das sei ein sehr deutliches Zeichen. Bevor es weitergeht, will er von der Bevölkerung das Bekenntnis zur Badi spüren. Zwei Mitglieder des Referendumskomitees seien im Vorfeld zur Mitarbeit in der Schwimmbadkommission respektive in der Arbeitsgruppe angefragt worden. Sie haben abgelehnt. «Ich finde es schade, wenn man die Gelegenheit zur Mitgestaltung nicht wahrnimmt und dann das Ergebnis bekämpft.»

Der Gemeinderat habe mit der Ablehnung des Investitionskredits nicht automatisch einen Auftrag, an der Ausarbeitung eines neuen Gemeindevertrags weiterzuarbeiten. Gerlinger erwartet nun vom Referendumskomitee an der nächsten Gemeindeversammlung einen Überweisungsauftrag mit einem eindeutigen Auftrag, wie es mit dem Schwimmbad-Projekt weitergehen soll. Ob es für die Überarbeitung einen neuen Projektierungskredit braucht, müsse situativ beurteilt werden, betont Gerlinger.

Alle Sanierungsprojekte scheiterten

«Die Enttäuschung ist gross. Wir hofften auf eine Annahme, weil die anderen drei Gemeinden ihre Kreditanteile auch gutgeheissen haben», sagt Yvonne Berglund, Vizeammann von Veltheim und seit 1. Januar Präsidentin ad interim der Schwimmbadkommission. «Wir haben vier Jahre lang viel Zeit und Energie in dieses Projekt investiert. Seit 60 Jahren gibt es die Badi, seit 60 Jahren wird nur geflickt. Wenn es keine Ersatzteile mehr gibt, müssen wir die Badi schliessen.» Bisher seien alle Sanierungsprojekte gescheitert, weil irgendeine Gemeinde geklemmt habe.