Thalheim
Zu grosse Umtriebe: Kirchgemeinde verlagert Buchhaltung nach Aarau

Seit Jahren führt die Finanzverwaltung auch die Rechnung der reformierten Kirchgemeinde. Dies soll sich ab 2015 – für den Gemeinderat überraschend – ändern. Gründe dafür sind mehrfacher Personalwechse und eine straffällig gewordene Finanzverwalterin.

Claudia Meier
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Die reformierte Kirchgemeinde Thalheim verzichtet ab 2015 auf die Rechungsführung durch die Finanzverwaltung.

Die reformierte Kirchgemeinde Thalheim verzichtet ab 2015 auf die Rechungsführung durch die Finanzverwaltung.

Die Kirchenpflege der reformierten Kirchgemeinde Thalheim habe schon vor zwei Jahren mit dem Gedanken gespielt, die Rechnungsführung, die seit vielen Jahren von der Finanzverwaltung Thalheim erledigt wird, zu verlagern, sagt Kirchenpflegepräsidentin Silvia Schneider-Roth.

In der «Thalner Dorfziitig» vom Dienstag schreibt der Gemeinderat, dass er die im Herbst erfolgte Kündigung dieser Dienstleistung per 31. Dezember 2014 mit «Überraschung zur Kenntnis nehmen musste». Die Exekutive bedaure diesen Schritt, sehe jedoch keine andere Möglichkeit, als diesen Entscheid der reformierten Kirchgemeinde zu akzeptieren.

Silvia Schneider erklärt, dass die Buchhaltung ab 2015 vom Dienstleistungszentrum der Reformierten Landeskirche Aargau (DLZ) in Aarau erledigt werde. Dies sei ein – vor wenigen Jahren gegründetes – Kompetenzzentrum, das für den gesamten Bereich des Rechnungswesens für Kirchgemeinden, kirchennahe Stiftungen und Non-Profit-Institutionen spezialisiert sei. Der Entscheid, die Buchhaltung von Thalheim nach Aarau zu verlagern, sei der Kirchenpflege nicht mehr schwer gefallen, seit es auf der Gemeindeverwaltung Thalheim mehrfach zu Personalwechsel gekommen sei.

Veruntreuung sorgte für Umtriebe

Zur Erinnerung: Nur acht Wochen dauerte das Gastspiel der neuen Finanzverwalterin, die Ende Juli 2014 noch in der Probezeit gekündigt hatte. Ihre Vorgängerin geriet nach der Kündigung Anfang Jahr wegen Veruntreuung in die Schlagzeilen. Sie hatte ihre Stelle nach eineinhalb Jahren gekündigt. Wegen Unregelmässigkeiten in der Buchführung und im Zahlungsverkehr auf der Finanzverwaltung reichte der Gemeinderat später bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige ein. Von einer Deliktsumme in der Höhe von mehreren 10 000 Franken war damals die Rede.

«Wir hatten ziemlich viele Umtriebe wegen diesem Fall», räumt Silvia Schneider ein. «Während mehrerer Monate wurden für die reformierte Kirchgemeinde keine Zahlungen getätigt.» Die Kirchenpflege beschloss daher, ohne vorher das Gespräch mit der Behörde zu suchen, die Kündigung der Rechnungsführung schriftlich beim Gemeinderat einzureichen. Damit hat sie die Exekutive überrascht. «Es gab danach schon noch eine Aussprache, aber an unserem Entscheid liess sich nicht mehr rütteln», so Silvia Schneider weiter, die mit der neuen Lösung unter dem Strich von ähnlich hohen Kosten wie bisher für die Rechnungsführung ausgeht.

Diese Kündigung durch die reformierte Kirchgemeinde bedeute für die Verwaltung weniger Arbeit und habe ab 2015 Mindereinnahmen von jährlich rund 8500 Franken für die Gemeinde Thalheim zur Folge, sagt Ammann Roland Frauchiger.

Gerichtsurteil ist ausstehend

In der Zwischenzeit hat die 32-jährige ehemalige Finanzverwalterin der 800-Seelen-Gemeinde einen grossen Teil der eingeklagten Deliktsumme zurückerstattet. «Es ist alles aufbereitet. Die Forderungen wurden gestellt. Das Gerichtsurteil ist noch ausstehend», sagt Roland Frauchiger zur Aufarbeitung des Betrugs. Der Gemeinderat hat im August die Führung der Finanzverwaltung dem selbstständigen Treuhänder und Gemeindeammann von Bellikon, Hans Peter Kurth, übertragen. Mit dem Mandatär sei das Aufgabengebiet abgedeckt, so Frauchiger.

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