Schon beim blossen Überschreiten der Türschwelle in das kleine Restaurant des Pizzakuriers Zio Gerry kommt dem Besucher ein starker Duft von Mehl und frischgebackener Pizza entgegen. Ob Margherita, Vulcano oder doch lieber eine Calzone: Kein Kundenwunsch, sei er noch so exotisch, blieb bisher unerfüllt.

«Ich hatte schon Kunden, die wollten Spaghetti auf der Pizza haben», lacht Inhaber und Pizzaiolo Gerardo Prota alias Zio Gerry. Umso heftiger trifft seine Kundschaft die traurige Nachricht: Zio Gerry liefert am 16. September, nach zwölf Jahren als Pizzabäcker, seine letzten Pizzen.

Zio Gerry erinnert sich an zwölf verrückte, emotionsgeladene und auch anstrengende Jahre zurück. «An diesem grossen Tisch hier» – Zio Gerry zeigt auf einen grossen runden Tisch in der Mitte des Raumes – «wurden schon viele Probleme gelöst, Diskussionen geführt und Nachrichten überreicht», erzählt der gebürtige Italiener aus Sanza in der Provinz Salerno.

Das Lokal in Lauffohr ist nicht nur ein Pizzakurier. Es ist auch ein Treffpunkt für jeden, der einfach nur ein Bier trinken oder mit seiner Familie essen gehen will.

Der Müdigkeit zum Trotz

Zio Gerrys Entscheidung, als Pizzabäcker nicht mehr weiter zu machen, kommt aber nicht von ungefähr. Hauptberuflich ist der 48-jährige Baggerführer und geht tagsüber seiner Tätigkeit auf dem Bau nach. Fünf Abende in der Woche steht er nach Feierabend, mithilfe seiner Frau Enza, an der Theke seiner Pizzeria und behandelt Pizzateig. «Ich habe regelmässig 13-Stunden-Tage und das geht an die Substanz», sagt Zio Gerry. «Ich liebe das Pizzamachen und das Kochen, aber es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich sagen muss, jetzt ist es genug».

Aber nicht nur die Müdigkeit ist ein wesentlicher Faktor. Zio Gerry wünscht sich auch mehr Zeit für sich, für seine Familie und besonders für seine Frau. «Es ist schwierig, seinen Pflichten als Vater und Ehemann nachzukommen, wenn man fast jeden Abend und immer am Wochenende arbeiten muss. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes», erklärt Zio Gerry. «Ich weiss schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal spontan an einem Abend etwas unternommen habe».

«Die Kunden sind traurig», erzählt Zio Gerry wehmütig. «Jeder der von der Schliessung erfährt, denkt zuerst, es sei ein blöder Scherz, bis sie realisieren, dass es mein voller Ernst ist». Die Frage steht im Raum, ob es denn einen Nachfolger geben wird. Zio Gerry antwortet mit klaren Worten: «Nein. Ist Zio Gerry hier draussen, wird es keinen Nachfolger geben.»

Den Pizzakurier Zio Gerry schliesse er mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge, verrät der Pizzameister. «Ich habe hier so viel erlebt, neue Freunde kennen gelernt und alte Freunde wieder getroffen. Das werde ich natürlich vermissen.» Wiederrum freue er sich darauf, endlich einmal wieder ein Wochenende freizuhaben und nichts zu tun. «Ein schöner Urlaub mit meiner Frau wäre zwar auch wieder fällig», sagt er abschliessend und lacht.

Dennoch wird Zio Gerry seine Schürze und das Pizzabacken nicht ganz an den Nagel hängen. «Das ist meine Leidenschaft», sagt er. Dabei entwischt ihm ein Lächeln. «Sobald Zio Gerry der Vergangenheit angehört, werde ich meinen eigenen Pizzaofen in meinem Garten bauen und dort weiter Pizzen in den Ofen schieben und meine Freunde und meine Familie bekochen».

Seine Pizzen liefert Zio Gerry noch bis zum 16. September aus.