Von der Baustelle zum Pizzaofen: Während seine Berufskollegen den Feierabend geniessen, geht für Gerardo Prota die Arbeit weiter. An fünf Abenden in der Woche übt er sein Hobby als Pizzaiolo aus und begeistert dabei nicht nur seine Familie.

An manchen Abenden hängt beim Kreisel in Lauffohr der unverwechselbare Geschmack von frischer Pizza in der Luft. Es ist nicht der übliche Restaurantduft, der sich nicht recht einer Speise zuordnen lässt. Im Gegenteil: Dieser einzigartige Geruch erinnert sehr an die mediterrane Küche. Der Koch setzt auch voll und ganz auf die italienische Küche. Gerardo Prota, der von allen einfach «Zio Gerry» genannt wird, ist der Besitzer von «Zio Gerry», des wohl kleinsten Restaurants in der Umgebung. Viel grösser kann es auch gar nicht sein, denn der 45-Jährige arbeitet eigentlich zu 100 Prozent als Baumaschinenführer.

Aufgewachsen ist er im italienischen Dorf Sanza in der Region Salerno in der Nähe von Napoli. Mit 18 Jahren kam er zusammen mit seinen Brüdern in die Schweiz. Seine Leidenschaft für die italienische Küche begleitet ihn, seit er denken kann. Schon immer hegte er den Wunsch, sein Hobby mit der Familie teilen zu können und andere Menschen mit seinen Kochkünsten zu verwöhnen. Nur wusste er lange nicht recht, wie er das anstellen sollte, ohne dabei seinem eigentlichen Beruf auf der Baustelle in die Quere zu kommen.

Ein heimlicher Plan

Es ging nicht lange und es kam ihm eine Idee: Sein heimlicher Plan nahm Form an, als vor 16 Jahren ein guter Freund fragte, ob er ihm in seinem italienischen Restaurant aushelfen könnte. Während sich Gerardo Protas Arbeitskollegen von der Baustelle das verdiente Feierabendbier gönnten, hiess es von da an für ihn: Schürze anziehen, Teig mischen und Schinken schneiden. Es war nicht nur seine ausgeprägte Hilfsbereitschaft, die ihn dazu antrieb, tagtäglich nach Arbeitsschluss nochmals anzupacken. Für ihn bedeutete der Job zugleich eine Chance, das Handwerk des Pizzaiolo von einem erfahrenen Pizzameister zu erlernen. «Zum ersten Mal merkte ich, wie vielfältig die Zubereitung von Pizzen überhaupt sein kann», erinnert sich Gerardo Prota. Neben dem Formen des Teigs, dem Mischen von Tomatensauce und der richtigen Verteilung des Olivenöls eignete sich Gerardo Prota noch ganz andere Dinge an: Es waren die Abläufe, das Bestellwesen, die Buchhaltung und die Einhaltung der vielen Vorschriften der Lebensmittelbehörde, für die er sich interessierte. Bereitwillig wurde ihm alles erklärt, und Gerardo Prota merkte sich jede Antwort auf seine vielen Fragen.

Familie unterstützt ihn

Als er sich dann sicher genug fühlte, wagte er den Schritt und entschloss sich für sein eigenes Pizzarestaurant mit Lieferservice. Vor der Eröffnung war er aber auf die tatkräftige Unterstützung seiner Familie und besonders seiner Lebenspartnerin Enza Imperiale angewiesen. «Niemals werde ich den unermüdlichen Einsatz aller vergessen», sagt er anerkennend.

Trotz harter Arbeitstage trafen sich Familienmitglieder und Freunde von Gerardo Prota in ihrer Freizeit, um den Traum des eigenen Restaurants zu verwirklichen. Gemeinsam wurde der ehemalige Kellerraum zu einer heimeligen Essstube mit integrierter Küche und Steinofen hergerichtet. Alles erinnert an einen typisch italienischen Familienbetrieb: Die Wände schmücken unzählige Postkarten aus Italien sowie die obligatorische Fahne des Landes. Auf der altehrwürdigen Kommode findet sich eine Auswahl an Ölen, Pfeffermühlen und eingelegten Paprika, wo sich jeder selbst bedienen darf.

Trotz allem ist es aber der herrliche Duft nach frischer Tomatensauce und Pizzateig, der die Atmosphäre im Raum ausmacht. Die fröhliche Stimmung der Gastgeber rundet das Ambiente ab. «Das Wohlbefinden meiner Kunden ist mir am wichtigsten», sagt Gerardo Prota. «Das hier ist mein Hobby, meine Leidenschaft, und ich tue es auf freiwilliger Basis. Das Einzige, was zählt, ist, dass jeder Gast mit einem vollen Magen und glücklich wieder zur Tür hinausgeht.» Es sei nicht ein herkömmliches Restaurant, betont er. Vielmehr ist es für ihn sein Zuhause, wo sich die Familie trifft und er Menschen mit Herzlichkeit und speziellen Pizzen eine Freude bereiten kann.

Einzigartige Pizzen sind auch seine Spezialität. Er versucht, jedem noch so unüblichen Wunsch nachzukommen. «Gerade eben hatte ich eine eigenartige Bestellung: Eine Pizza, belegt mit Wienerli und Pommes», sagt er lachend. Die Begeisterung für Lebensmittel bestimmt auch die Auswahl seiner Lieferanten. «Ich achte sehr darauf, dass die Zutaten besonders frisch und geschmacksintensiv sind. Frische und Qualität zeichnen auch die wunderbare italienische Küche aus, die ich eins zu eins wiedergeben möchte», sagt er mit Stolz in der Stimme.

Die Verbindung zur Heimat

Für ihn ist das «Zio Gerry» die Verbindung zu seiner Heimat Italien und zur italienischen Kultur. Der Name des Restaurants könnte besser nicht gewählt sein. Seine Lebenspartnerin Enza Imperiale erklärt: «Zio heisst auf Italienisch Onkel und ist ein Kosewort für jemanden, der stets für alle da sein möchte. Ich kenne niemanden, der die Gesellschaft mehr schätzt als unser Zio Gerry». Es scheint tatsächlich so, dass es nicht nur die herrlichen Pizzen sind, welche die Gäste lange im «Zio Gerry» verweilen lassen. Von der guten Laune Onkel Gerrys lässt sich jeder gerne anstecken.